DigiZeitschriften

digitales Archiv für wissenschaftliche Zeitschriften From Wikipedia, the free encyclopedia

DigiZeitschriften war ein digitales Zeitschriftenarchiv, das retrospektiv digitalisierte wissenschaftliche Zeitschriftenbestände anbot. Es stellte sein Angebot zum 31. Dezember 2025 ersatzlos ein. Der Fokus lag auf Kernzeitschriften der deutschen Forschung mit langer Forschungstradition und stetem Erscheinungsverlauf. Der Zugriff auf die Artikel erfolgte über Bibliotheken und Forschungseinrichtungen, die DigiZeitschriften für ihre Nutzer subskribiert hatten. Frei zugänglich waren hingegen alle bibliographischen Daten und die Artikel im frei zugänglichen Open-Access-Bereich.

Offizielles Logo seit 2008

Im Jahr 2022 standen über 1000 Zeitschriftentitel mit über 9 Millionen Seiten zur Verfügung.[1] Die Zeitschriften werden von ihrem ersten Erscheinungsjahr an vollständig retrodigitalisiert. Die letzten Jahrgänge sind zum Schutz der laufenden Abonnements der Verlage nicht enthalten (Moving Wall).

Geschichte

Altes Logo

Ende der 1990er Jahre schlossen sich neun Sondersammelgebiets-Bibliotheken zusammen, um das Projekt „DigiZeitschriften“ mit finanzieller Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) zu realisieren. Nach einer Machbarkeitsstudie in den Jahren 1999 bis 2001 erfolgte die erste Projektphase.[2] Am 12. Februar 2002 wurde der Verein DigiZeitschriften e. V. gegründet. Die Geschäftsstelle ist bei der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen angesiedelt. Im Frühjahr 2004 erfolgte der Online-Start von DigiZeitschriften mit einer kostenlosen Testphase für alle interessierten Institutionen. Seit dem 1. Januar 2005 ist das Archiv kostenpflichtig. Seit 2006 die Projektförderung seitens der DFG endete, trägt sich der Verein selbst. Zum 31. Dezember 2025 wurde das Angebot eingestellt.[3]

Ziele

Unterstützt vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels, der Verwertungsgesellschaft Wort und der Verwertungsgesellschaft Bild-Kunst sollte DigiZeitschriften ein deutsches Gegenstück zu JSTOR aufbauen, das den Zugang zu den wichtigsten, vor allem geistes- und sozialwissenschaftlichen Zeitschriften via Internet ermöglicht. Dadurch sollte einerseits die Forschung unterstützt, andererseits die Verbreitung sowie Akzeptanz deutschsprachiger Publikationen gefördert werden. Gleichzeitig konnten Bibliotheken in Zeiten teils drastischer Preissteigerungen in der Zeitschriftensparte entlastet werden.

Fachgebiete

Der Schwerpunkt des Archivs lag auf geisteswissenschaftlichen Zeitschriften aus den Gebieten Ägyptologie/Koptologie, Anglistik, Buch- und Bibliothekswesen, Germanistik, Geschichte, Kunstgeschichte, Musikwissenschaft, Orientalistik, Philologie, Philosophie, Religion und Romanistik. Ergänzt wurde der Bestand durch Zeitschriften weiterer Fachgebiete, wie Erziehungswissenschaften, Geowissenschaften, Mathematik, Naturwissenschaften, Rechtswissenschaften, Soziologie und Wirtschaftswissenschaften.

Beiträge

Die Jahresbeiträge orientierten sich an der Anzahl der Vollzeitäquivalente einer Einrichtung und somit auch an der Größe. Kleinere Institute zahlen somit eine geringere Gebühr als beispielsweise eine große Universitätsbibliothek. Die Preisspanne lag zwischen 600 und 4500 Euro. Zudem gab es Vergünstigungen für Konsortialverträge und somit für Einrichtungen, die sich von vornherein zu einem Konsortium zusammengeschlossen hatten.

Kritik

Hochschul- und Landesbibliotheken, die DigiZeitschriften nicht abonnierten, kritisierten zum einen die Kosten und zum anderen, dass anders als z. B. bei JSTOR durchsuchbare Volltexte nicht vollständig verfügbar waren.

Die Benutzungsbedingungen wurden als zu restriktiv angesehen. Es war nicht eindeutig geregelt, ob die nach § 60c Urheberrechtsgesetz erlaubte Weitergabe von Zeitschriftenbeiträgen vertraglich ausgeschlossen sein sollte. Nur die Mitgliedsbibliotheken des Vereins durften Artikel aus DigiZeitschriften für die Fernleihe nutzen.[4]

Die Verwendung des Open-Access-Begriffs war missverständlich, da es keine einheitliche Zeitgrenze gab, vor der alle Beiträge kostenfrei zugänglich sind. Eine Vielzahl von gemeinfreien Artikeln, deren Autoren länger als 70 Jahre tot waren, wurden nur in der kostenpflichtigen Version angeboten. Beispielsweise waren von dem 1927 gestorbenen Historiker Georg von Below 31 Beiträge in DigiZeitschriften enthalten, jedoch nur 17 davon kostenfrei zugänglich. Auch wurde kritisiert, dass die DigiZeitschriften nicht unter einer Nationallizenz allgemein zur Verfügung gestellt werden.[5]

Siehe auch

Literatur

  • Nancy L. Maron, K. Kirby Smith, Matthew Loy: Sustaining Digital Resources: An On-the-Ground View of Projects Today. In: Ithaka Case Studies in Sustainability. 2009, S. 45–52, doi:10.18665/sr.22408.
  • Caren Schweder: DigiZeitschriften: A Service Provided by Libraries for the Academic Community: The Retrospective Digitisation of Journals from specialised Collections in Germany. In: The Serials Librarian. 47, no 1/2, 2004, ISSN 0361-526X, S. 181–190, doi:10.1300/J123v47n01_12.
  • Norbert Lossau, Stefan Cramme: DigiZeit (Digitisation of journals) – a joint effort of special subject collection libraries in Germany. In: Digitising journals. Conference on future strategies for European libraries, 13.–14. March 2000 Copenhagen; proceedings. Danish National Library Authority, Copenhagen 2000, ISBN 87-87012-65-0, S. 19–23 (deff.dk [Memento vom 23. Februar 2015 im Internet Archive; PDF; 222 kB]).

Nachweise

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