Dirk Rupnow

deutscher Historiker From Wikipedia, the free encyclopedia

Dirk H. Rupnow (* 30. September 1972 in Berlin[1]) ist ein deutscher Historiker. Er ist Universitätsprofessor am Institut für Zeitgeschichte der Universität Innsbruck. Von 2010 bis 2018 fungierte er als Institutsleiter. Von März 2018 bis 2025 war er Dekan der Philosophisch-Historischen Fakultät, bevor er im November 2025 zum Vizerektor für Personal ernannt wurde.[2]

Dirk Rupnow, 2020

Leben

Rupnow studierte Geschichte, Germanistik, Philosophie und Kunstgeschichte an der Freien Universität Berlin und der Universität Wien. Er schloss 1999 sein Studium an der Universität Wien ab, 2002 folgte die Promotion an der Universität Klagenfurt, 2009 die Habilitation wiederum in Wien. 1999/2000 arbeitete er als wissenschaftlicher Mitarbeiter der Historikerkommission der Republik Österreich. 2000/01 war er Junior Fellow am Internationalen Forschungszentrum Kulturwissenschaften, von 2004 bis 2007 Postdoc-Stipendiat im Austrian Programme for Advanced Research and Technology der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und von 2007 bis 2009 Visiting Fellow am Institut für die Wissenschaften vom Menschen. 2007 wurde er Lehrbeauftragter und 2009 Privatdozent am Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien. Zwischen 2008 und 2016 war er Mitglied der Jungen Kurie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Seit 2009 forscht und lehrt er am Institut für Zeitgeschichte der Universität Innsbruck, dessen Leiter er von 2010 bis 2018 war. Von 2016 bis 2019 war er auch Mitglied des Senats der Universität Innsbruck. Von März 2018 bis Ende 2025 fungierte er als Dekan der Philosophisch-Historischen Fakultät und seit November 2025 ist er Vizerektor für Personal der Universität Innsbruck.[3]

Rupnow absolvierte Gastaufenthalte an verschiedenen Forschungseinrichtungen: beim Jewish Studies Program des Dartmouth College, am History Department der Duke University, sowie mehrmals am Simon Dubnow-Institut für jüdische Geschichte und Kultur an der Universität Leipzig und am Center for Advanced Holocaust Studies des United States Holocaust Memorial Museum in Washington, D. C. 2016/17 war er der Distinguished Visiting Austrian Chair Professor am Europe Center und Department of History der Stanford University und 2022 Visiting Professor am European Forum der Hebrew University Jerusalem. 2015 war er (Gründungs-)Leiter des Forschungszentrums Migration und Globalisierung, 2016 (Gründungs-)Sprecher des Doktoratskollegs Dynamiken von Ungleichheit und Differenz im Zeitalter der Globalisierung. Er ist seit 2014 Mitglied des wissenschaftlichen Beirats der Förderschwerpunkts „Erinnerungskultur“ des Landes Tirol, seit 2016 Mitglied und Sprecher des wissenschaftlichen Beirats des Dokumentationsarchivs Migration Tirol DAM, seit 2018 Mitglied des Internationalen Wissenschaftlichen Beirats des Wiener Wiesenthal Instituts für Holocaust-Studien (und seit 2021 dessen Sprecher)[4] sowie seit 2024 Mitglied des wissenschaftlichen Beirats der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung. Darüber hinaus engagiert er sich bei ARAtirol Anlauf-, Service- und Monitoringstelle für rassismus- und diskriminierungskritische Arbeit in Tirol. Beim Haus der Geschichte Österreich in Wien fungierte er als Konsulent für die Eröffnungsausstellung (2018) und weitere Projekte.[4][5]

Engagement

Dirk Rupnow beteiligt sich immer wieder an öffentlichen, vor allem geschichtspolitischen Debatten.[6] So hat er mehrmals Position bezogen in den Diskussionen um das Haus der Geschichte und das Lueger Denkmal.[7] In der Kontroverse rund um das seit 2011 leerstehende Hitler-Geburtshaus in Braunau am Inn ist Dirk Rupnow 2019 gegen die Pläne des zuständigen Innenministeriums aufgetreten.[8][9] Gemeinsam mit Kollegen engagiert er sich für ein „Archiv der Migration“.[10][11]

Auszeichnungen

Schriften (Auswahl)

Rupnow hat zahlreiche Publikationen zur Zeitgeschichte, zu Holocaust- und Jüdischen Studien, Erinnerungskulturen und Geschichtspolitik sowie Migrations- und Wissenschaftsgeschichte vorgelegt.

Monographien
  • Nazi “Judenforschung” Revisited: Antisemitism, Politics, and Scholarship in the Third Reich – and Beyond (Search and Research – Lectures and Papers), hrsg. v. International Institute for Holocaust Research / Yad Vashem, Jerusalem (Yad Vashem) 2022.
  • Judenforschung im Dritten Reich. Wissenschaft zwischen Politik, Propaganda und Ideologie (= Historische Grundlagen der Moderne, Autoritäre Regime und Diktaturen Bd. 4), Baden-Baden: Nomos Verlag 2011[ISBN 978-3-8329-6421-4] (Habilitationsschrift, Universität Wien, 2009).
  • Aporien des Gedenkens. Reflexionen über „Holocaust“ und Erinnerung (= Edition Parabasen Bd. 5), Freiburg im Breisgau – Berlin: Rombach Wissenschaft Verlag 2006 [ISBN 978-3-7930-9466-1].
  • Vernichten und Erinnern. Spuren nationalsozialistischer Gedächtnispolitik, Göttingen: Wallstein Verlag 2005 [ISBN 3-89244-871-X](Dissertation, Universität Klagenfurt, 2002) (Besprechung auf H-Soz-Kult).
  • Täter, Gedächtnis, Opfer. Das „Jüdische Zentralmuseum“ in Prag 1942–1945, Wien: Picus Verlag 2000 [ISBN 978-3-85452-444-1].
  • mit Gabriele Anderl: Die „Zentralstelle für jüdische Auswanderung“ als Beraubungsinstitution (= Veröffentlichungen der Österreichischen Historikerkommission). Vermögensentzug während der NS-Zeit sowie Rückstellungen und Entschädigungen seit 1945 in Österreich (= Vermögensentzug während der NS-Zeit sowie Rückstellungen und Entschädigungen seit 1945 in Österreich. Bd. 20: Nationalsozialistische Institutionen des Vermögensentzuges. T. 1), Wien – München: Oldenbourg Verlag 2004 [ISBN 3-486-56784-5].
Herausgeberschaft
  • Hrsg. mit Edith Hessenberger, Verena Sauermann: NS-Zeit im Ötztal (= Ötztaler Museen Schriften 12), Innsbruck – Wien: Studien Verlag 2025.
  • Hrsg. mit Martin Kapferer, Mathias Moosbrugger: Ein Jahrhundert Reinhold Stecher. Kontexte – Einordnungen – Erinnerungen (= notae – Historische Notizen zur Diözese Innsbruck – Sonderband 7), Innsbruck: Eigenverlag der Diözese Innsbruck 2024.
  • Hrsg. mit Karl Berger, Christoph Haidacher, Lukas Morscher, Ulrich Nachbaur, Gustav Pfeifer, Ingo Schneider, Oswald Überegger, Melanie Wiener (Beirat des Förderschwerpunktes Erinnerungskultur): Vom Wert des Erinnerns II. Wissenschaftliche Projekte der Förderperiode 2019 bis 2023, Innsbruck: Eigenverlag des Tiroler Landesarchivs 2024.
  • Hrsg. mit Eva Pfanzelter, Éva Kovács, Marianne Windsperger: Connected Histories. Memories and Narratives of the Holocaust in Digital Space (= Studies in Digital History and Hermeneutics 8), Berlin – Boston: de Gruyter / Oldenbourg Verlag 2024.
  • Hrsg. mit Ina Friedmann: Zwangssterilisierungen und „freiwillige Entmannungen“ in Tirol und Vorarlberg 1938–1945 (= Veröffentlichungen des Innsbrucker Stadtarchivs N.F. 77), Innsbruck: Universitätsverlag Wagner 2024.
  • Hrsg. mit Ingrid Böhler, Karin Harrasser, Monika Sommer, Hilde Strobel: Ver/störende Orte. Zum Umgang mit NS-kontaminierten Gebäuden, Wien – Berlin: Mandelbaum Verlag 2024.
  • Hrsg. mit Marc Landry: COVID-19 and Pandemics in Austrian History (= Contemporary Austrian Studies 32), New Orleans – Innsbruck: University of New Orleans Press / innsbruck university press 2023.
  • Hrsg. mit Richard Hufschmied, Karin Liebhart, Monika Sommer: ErinnerungsOrte weiter denken. In memoriam Heidemarie Uhl, Wien – Köln: Böhlau Verlag 2023.
  • Hrsg. mit Marcus Gräser: Österreichische Zeitgeschichte. Zeitgeschichte in Österreich. Eine Standortbestimmung in Zeiten des Umbruchs (= Böhlaus Zeitgeschichtliche Bibliothek 41), Wien: Böhlau Verlag 2021 [ISBN 978-3-205-20928-7].[12]
  • Hrsg. mit Wilfried Beimrohr, Karl Berger u. a. (Beirat des Förderschwerpunktes Erinnerungskultur): Vom Wert des Erinnerns. Wissenschaftliche Projekte der Förderperiode 2014 bis 2018, Innsbruck: Eigenverlag des Tiroler Landesarchivs 2020.
  • Hrsg. mit Elisabeth Dietrich-Daum, Michaela Ralser: Psychiatrisierte Kindheiten. Die Innsbrucker Kinderbeobachtungsstation von Maria Nowak-Vogl, Innsbruck-Wien-Bozen: StudienVerlag 2020 [ISBN 978-3-7065-5914-0].
  • Hrsg. mit Margret Friedrich: Geschichte der Universität Innsbruck 1669–2019. Bd. 1: Phasen der Universitätsgeschichte. Teilbd. 1: Von der Gründung bis zum Ende des Ersten Weltkriegs, Teilbd. 2: Die Universität im 20. Jahrhundert. Bd. 2: Aspekte der Universitätsgeschichte (= 350 Jahre Universität Innsbruck), Innsbruck: innsbruck university press 2019 [ISBN 978-3-903187-69-6].
  • Hrsg. mit Günter Bischof: Migration in Austria (= Contemporary Austrian Studies. Bd. 26), New Orleans-Innsbruck: University of New Orleans Press / innsbruck university press 2017 [ISBN 978-3-90312280-2].
  • Hrsg. mit Amos Morris-Reich: Ideas of ‘Race‘ in the History of the Humanities (= Palgrave Critical Studies of Antisemitism and Racism. Bd. 2), Basingstoke: Palgrave Macmillan 2017 [ISBN 978-3319499529].
  • Hrsg. mit Eva Pflanzelter: einheimisch – zweiheimisch – mehrheimisch. Geschichte(n) der neuen Migration in Südtirol, Bozen: Raetia Verlag 2017, ISBN 978-88-7283-595-1.
  • Hrsg. mit Iris Roebling-Grau: „Holocaust“-Fiktion. Kunst jenseits der Authentizität, Paderborn: Fink 2015 [ISBN 978-3-7705-5505-5].
  • Hrsg. mit Heidemarie Uhl: Zeitgeschichte ausstellen in Österreich. Museen – Gedenkstätten – Ausstellungen, Wien u. a.: Böhlau 2011 [ISBN 978-3-205-78531-6].
  • Hrsg. mit Veronika Lipphardt, Jens Thiel, Christina Wessely: Pseudowissenschaft. Konzeptionen von Nichtwissenschaftlichkeit in der Wissenschaftsgeschichte (= Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft. Bd. 1897), Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag 2008 [ISBN 978-3-518-29497-0].
  • Hrsg. mit Thomas Brandstetter, Christina Wessely: Sachunterricht. Fundstücke aus der Wissenschaftsgeschichte, Wien: Löcker Verlag 2008.
  • Hrsg. mit Nicolas Berg, Dan Diner: „Judenforschung“ – Zwischen Wissenschaft und Ideologie, in: Jahrbuch des Simon-Dubnow-Instituts / Simon Dubnow Institute Yearbook 5 (2006).

Einzelnachweise

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