Dischingerbrücke
Brücke in Berlin-Spandau
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Die Dischingerbrücke ist eine Spannbeton-Rahmenbrücke über die Havel in Berlin-Spandau. Die Brücke überführt die Ruhlebener Straße und wurde 1955 bis 1956 von den Firmen Dyckerhoff & Widmann und Grün & Bilfinger im Freivorbau errichtet. Benannt wurde sie nach dem Bauingenieur und Spannbeton-Pionier Franz Dischinger.
| Dischingerbrücke | ||
|---|---|---|
| Überführt | Ruhlebener Straße | |
| Querung von | Havel | |
| Ort | Berlin-Spandau | |
| Unterhalten durch | Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt | |
| Konstruktion | Spannbeton-Rahmenbrücke | |
| Gesamtlänge | 120 m | |
| Breite | 18,10 m | |
| Längste Stützweite | 94 m | |
| Pfeilhöhe | 14,89 m | |
| Konstruktionshöhe | 1,40 m | |
| Baukosten | 1,88 Mio. DM (heutige Kaufkraft ca. 5,7 Mio. Euro) | |
| Baubeginn | November 1955 | |
| Fertigstellung | Dezember 1956 | |
| Eröffnung | 22. Dezember 1956 | |
| Planer | Dyckerhoff & Widmann | |
| Lage | ||
| Koordinaten | 52° 31′ 55″ N, 13° 12′ 4″ O | |
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Das Bauwerk besitzt eine Hauptspannweite von 94 m und eine Gesamtbreite von 18,1 m. Aufgrund ihrer außergewöhnlichen Schlankheit (Schlankheitsverhältnis 1:67) und der für die damalige Zeit innovativen Konstruktion gilt sie in der Geschichte der Spannbetonbrücken als eines der bedeutendsten Beispiele der 1950er-Jahre.[1]
Konstruktion
Die Dischingerbrücke ist als „gelenkloser Rahmen“ konstruiert, dessen Stiele den Überbau monolithisch mit dem Senkkastenfundament verbinden und bis etwa 9 m unter die Wasseroberfläche reichen. Die Rahmenstiele sind aufgelöst in eine lotrechte Druckstrebe und eine schräg verlaufende Zugstrebe, die sich im Kämpferpunkt schneiden. Dieses System wird durch die Spannbetonbauweise ermöglicht, da der Überbau und die Rahmenstiele besonders schlank ausgebildet werden können. Durch die Auflösung der Rahmenstiele wird im Überbau ein Einspanneffekt erzielt. Der Überbau besteht aus zwei einzelligen Hohlkästen aus Spannbeton. Die Querschnittshöhe variiert von 3,5 m in den Rahmenecken bis 1,4 m im Scheitel.[2]
Die Brücke verwendet das Dywidag‑Einzelstab‑Spannverfahren im nachträglichen Verbund. Dieses ist gekennzeichnet durch eine Gewindeverankerung und koppelbare Spannstäbe aus St90‑Stahl (Durchmesser 26 mm, Vorspannkraft pro Stab ca. 200 kN), die den Freivorbau der Brücke ermöglichte. Die Brücke enthält 400 Spannglieder im Rahmenriegel und je 180 Stäbe in den Rahmenstielen.[1]
Ausführung
Zunächst wurden von November 1955 bis April 1956 die Widerlager als Senkkästen hergestellt. Danach begann der eigentliche Bau der Dischingerbrücke. Abgesehen von den Widerlagern und den ersten 5,2 m des Überbaus wurde die Brücke im Freivorbau errichtet. Die Herstellung erfolgte gleichzeitig von beiden Widerlagern aus in insg. 23 Abschnitten von je 3,6 m Länge mithilfe zweier Vorbauwägen. Ab dem fünften Vorbauabschnitt wurde ein Hilfsjoch eingebaut, um die hohen Kragmomente des Freivorbaus zu reduzieren. Im Schnitt dauerte die Herstellung eines Vorbauabschnitts fünf Tage, sodass bereits am 26. September 1956 der Scheitel geschlossen wurde. Die gesamten Arbeiten waren innerhalb von 14 Monaten fertiggestellt. Der Belastungstest der Brücke erfolgte am 21. Dezember 1956 mithilfe eines knapp 100 t schweren Panzers und die Brücke wurde am 22. Dezember 1956 feierlich eingeweiht werden.[2]
Sanierungsmaßnahmen

Bereits in den 1970er‑Jahren wurden an der Dischingerbrücke verschiedene Schäden festgestellt, die insbesondere aus dem unzureichenden Verständnis der damals noch neuen Bauweise herrühren. Die betroffenen Bereiche wurden daher 1979 instand gesetzt, unter anderem durch Rissverpressungen, eine Schubverstärkung aus vertikalen Spanngliedern sowie durch eine zusätzliche, externe Vorspannung im Hohlkasten.[1]
Neubau Südlicher Überbau

Da die die Verkehrsanforderungen gestiegen waren, wurde bis 1981 nördlich, parallel zur ursprünglichen Brücke eine zweite, äußerlich nahezu identische Brücke gebaut, die jedoch konstruktiv vom Originalsystem abweicht. Der Neubau wurde als Zweigelenkrahmen ausgeführt und besitzt eine größere Überbauhöhe (1,9 m im Scheitel). Er verzichtet auf die schlanke Auflösung der Rahmenstiele und nutzt Lager an den Fußpunkten. Das Dywidag‑Einzelstab‑Spannverfahren wurde nur noch in den Rahmenstielen und als Quervorspannung eingesetzt, in Längsrichtung kam das modernere Dywidag‑Litzenspannverfahren zur Anwendung. Anders als in den 1950er Jahren wurde der Neubau vollständig auf einem Traggerüst errichtet, wodurch auf Koppelfugen im Überbau verzichtet werden konnte.[1]
Sonstiges
- Die nahegelegene Rohrdammbrücke wurde 1953 ebenfalls als gelenkloser Rahmen im Freivorbau errichtet.
- Am östlichen Widerlager wurde 1957 ein Vorplatz mit Treppenabgang angelegt, auf dem die Plastik „Zwei Reiher“ der Bildhauerin Ursula Hanke-Förster aufgestellt wurde.
Literatur
- Hanns Heusel: Die Dischingerbrücke in Berlin – Ein im Freivorbau errichtetes vorgespanntes Rahmentragwerk. In: Beton- und Stahlbetonbau, Jg. 52, H. 9, Sept. 1957, S. 202–209.
- Werner Lorenz, Roland May, Hubert Staroste: Ingenieurbauführer Berlin. Michael Imhof Verlag, Petersberg 2020, ISBN 978-3731910299, S. 88–89.
- Jakob Vogt, Johannes Reimer, Steffen Marx: Zur Geschichte des Spannbetonbrückenbaus – Ein Blick auf die Entwicklungen nach dem Zweiten Weltkrieg. In: Pflegen. Aktivieren. Retten – Tagungsband der 7. Jahrestagung der Gesellschaft für Bautechnikgeschichte, 15. bis 17. Mai 2025, Braunschweig.

