Dmitri Nikolajewitsch Kosak
russischer Politiker
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Dmitri Nikolajewitsch Kosak (russisch Дмитрий Николаевич Козак; * 7. November 1958 in Bandurowo, Oblast Kirowohrad, Ukrainische SSR, Sowjetunion) ist ein russischer Politiker. Seit Januar 2020 war er einer der stellvertretenden Leiter der russischen Präsidialverwaltung und galt als enger Vertrauter des russischen Präsidenten Wladimir Putin.

Von Oktober 2008 bis Januar 2020 war er Vizeministerpräsident der Regierung der Russischen Föderation. Kosaks wichtigste Aufgabe in diesem Amt war die Koordination der Vorbereitungen für die Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi.
Werdegang und politische Laufbahn
Kosak, der sich einst stolz als Ukrainer bezeichnete, schloss 1985 ein Jura-Studium an der Universität Leningrad (heute St. Petersburg) erfolgreich ab. Bereits in den frühen 1990er Jahren arbeitete er in der Sankt Petersburger Stadtverwaltung, wo er Putin kennenlernte. Kosak leitete die Justizabteilung, während Putin für Außenwirtschaftskontakte zuständig war.
Als Putin 1999 russischer Ministerpräsident wurde, holte er Kosak nach Moskau. Im Jahr 2000 wurde Kosak zum Ersten Vizechef der Präsidialverwaltung ernannt und war dort für die Verwaltungs-, Gerichts- und Reformen der örtlichen Selbstverwaltung zuständig. 2000 wurde er zum Wirklichen Staatsrat 1. Klasse der Russischen Föderation befördert.
Kosak ist der Verfasser des nach ihm benannten Kosak-Memorandums, eines Entwurfs zur Föderalisierung Moldaus zu den Bedingungen Russlands, der von Moldau umgehend abgelehnt wurde.
Im März 2004 wurde Kosak Leiter des Regierungsapparats im Rang eines Ministers. Bei den russischen Präsidentschaftswahlen 2004 war er zudem für Putins Wahlkampf verantwortlich.
Seit September 2004 war er der bevollmächtigte Präsidentenvertreter im Föderationskreis Südrussland.[1] In dieser Funktion, die bis 2007 andauerte, sollte er die unruhige Region, insbesondere den Nordkaukasus, befrieden. Kosak setzte dabei auf eine Kombination aus Strafaktionen der Sicherheitsbehörden und der Stärkung staatlicher Institutionen sowie sozioökonomischen Verbesserungen, um dem Islamismus entgegenzuwirken. In einem im Juni 2005 veröffentlichten Bericht an Putin beklagte er Misswirtschaft und Korruption vor allem in den Teilrepubliken Dagestan und Tschetschenien.
Im September 2007 kehrte er als Minister für Regionalentwicklung in das Kabinett zurück, bevor er im Oktober 2008 Vize-Ministerpräsident wurde.[2] Kosak gilt in Russland als politisch vielseitig einsetzbarer „Feuerwehrmann“ mit sehr guten Managementfähigkeiten. Als stellvertretender Regierungschef war er für die Olympischen Spiele in Sotschi, die Integration der annektierten Krim und die Energie- und Rohstoffpolitik zuständig.[3]
Am 29. April 2014 wurde Kosak infolge der russischen Annexion der Krim auf eine Sanktionsliste der Europäischen Union gesetzt.[4]
Beziehungen zur Ukraine und Amtsende
Im Januar 2020 wechselte Kosak in die Präsidialverwaltung zurück, da im neuen Kabinett von Ministerpräsident Michail Mischustin kein Platz mehr für ihn war. Am 18. Februar 2020 wurde er zum Beauftragten der Präsidialverwaltung für die Ukraine ernannt und löste Wladislaw Surkow ab. In dieser Funktion war er Russlands Unterhändler für das sogenannte Normandie-Format und die Umsetzung des Minsker Abkommens.[5][6] Er wurde von Teilnehmern als impulsiver und ausdauernder Gesprächspartner beschrieben.
Im Jahr 2021, als sich die militärische Eskalation abzeichnete, verunglimpfte er die Regierung in Kiew gegenüber amerikanischen Diplomaten.[7] Dennoch war er am Vorabend der Invasion im Februar 2022 der einzige hochrangige Funktionär, der sich für die Fortsetzung der Verhandlungen aussprach. Am 21. Februar 2022 warnte er laut einem Pressebericht aus dem September 2022 bei einer Sitzung des russischen Sicherheitsrats hinter verschlossenen Türen als einziger[8] vor dem erbitterten Widerstand der Ukrainer. Eine von Kosak ausgehandelte mögliche Vereinbarung mit der ukrainischen Regierung zur Abwendung bzw. Beendigung des Krieges sei von Putin abgelehnt worden.[9][10][11] Sein Auftritt wurde später aus dem Protokoll entfernt.[12]
In der Folge geriet er in Ungnade, und seine Zuständigkeiten wurden schrittweise reduziert. Er soll später Vorschläge zur Beendigung des Krieges und zur Entpolitisierung der Justiz und der Geheimdienste vorgelegt haben. Dmitri Kosak verlor Ende 2024 einen Großteil seiner Befugnisse. Nie war einem Putin-Verbündeten die Macht so offen entzogen worden. Kosak war mit der Politik nicht einverstanden. „Er versteht wohl, dass in einer solchen Machtstruktur, in der jeder Putin nach dem Mund redet, kein Platz für ihn ist“, sagte eine kremlnahe Quelle gegenüber Meduza.[13] Im August 2025 wurden die letzten ihm unterstellten Abteilungen aufgelöst und seinem Kollegen Sergei Kirijenko unterstellt.
Am 19. September 2025 wurde Kosak von Putin aus seinem Amt als stellvertretender Leiter der Präsidialverwaltung entlassen.[14] Der Erlass nannte keinen Grund, und die übliche Formulierung für einen Wechsel in eine neue Position fehlte. Medienberichten zufolge soll Kosak selbst um seine Entlassung gebeten haben, da ihn seine Beteiligung an den Entwicklungen im Land belastet habe. Das Ende seiner Karriere, die über zwei Jahrzehnte von hohem Vertrauen geprägt war, ist untypisch, da Funktionäre dieses Rangs normalerweise auf Ehrenposten verschoben werden, um sie weiterhin unter Kontrolle zu halten.[3][15] Laut der Agentur Агентство (Agentstvo) schrieb Kosak beim Rücktritt einen persönlichen Brief an Putin, in dem er scharfe Kritik am Angriff auf die Ukraine übte.[16]
Weblinks
- Dagestan am Rande des Abgrunds, NZZ vom 30. Juli 2005
- Höchste Alarmstufe im Kreml, FAZ vom 11. November 2008
- Biografie russiaprofile.org (englisch)
- Biografie auf der Website der russischen Regierung (russisch)
- Biografie auf der Website des OKs der Winterspiele in Sotschi (englisch)
- Hans-Henning Schröder: „Putins Personalkarussel. Kosak und Jakowlew im Portrait“, in: Russlandanalysen Nr. 37 (PDF; 216 kB)