Dobutamin

Enantiomerenpaar From Wikipedia, the free encyclopedia

Dobutamin ist ein in den 1970er Jahren entwickeltes[4] synthetisches Sympathikomimetikum aus der Gruppe der Katecholamine, das als Arzneistoff bei akuter Herzinsuffizienz oder kardiogenem Schock eingesetzt wird. Es kann nur intravenös verabreicht werden. In Deutschland, Österreich und der Schweiz wird das vor allem als Dobutrex bekanntgewordene Mittel von verschiedenen Herstellern als Generikum, in Österreich auch unter dem Namen Inotop vertrieben.[5][6][7]

Schnelle Fakten Strukturformel, Allgemeines ...
Strukturformel
(R)-Form (oben) und (S)-Form (unten), 1:1-Stereoisomerengemisch
Allgemeines
Freiname Dobutamin
Andere Namen
  • (RS)-4-{2-[3-(4-Hydroxyphenyl)-1-methylpropylamino]ethyl}brenzcatechin (IUPAC)
  • (±)-4-{2-[3-(4-Hydroxyphenyl)-1-methylpropylamino]ethyl}brenzcatechin
  • Dobutaminum (Latein)
Summenformel C18H23NO3
Kurzbeschreibung

weißes, kristallines Pulver (Dobutamin·Hydrochlorid)[1]

Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer
PubChem 36811
ChemSpider 33786
DrugBank DB00841
Wikidata Q422782
Arzneistoffangaben
ATC-Code

C01CA07

Wirkstoffklasse

Sympathomimetika

Eigenschaften
Molare Masse
  • 301,38 g·mol−1 (Dobutamin)
  • 337,84 g·mol−1 (Dobutamin·Hydrochlorid)
Aggregatzustand

fest

Schmelzpunkt

184–186 °C (Dobutamin·Hydrochlorid)[1]

pKS-Wert

9,45 (HCl)[1]

Löslichkeit

wenig löslich in Wasser, löslich in Methanol, wenig löslich in Ethanol (HCl)[2]

Sicherheitshinweise
Bitte die Befreiung von der Kennzeichnungspflicht für Arzneimittel, Medizinprodukte, Kosmetika, Lebensmittel und Futtermittel beachten
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung[3]

Achtung

H- und P-Sätze H: 302312332361fd
P: 201280301+312302+352+312304+340+312308+313[3]
Toxikologische Daten

73 mg·kg−1 (LD50, Maus, i.v., Hydrochlorid)[1]

Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen (0°C, 1000 hPa).
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Wirkungsweise

Dobutamin ist ein Katecholamin und hat keine stimulierende Wirkung auf Dopamin-Rezeptoren, sondern wirkt als Agonist an α1-, β1- und β2-Adrenozeptoren, wobei die β1-Stimulation am Herzen weit im Vordergrund steht, da sich die Alpha-1- und Beta-2-Wirkungen gegenseitig aufheben (= scheinbare Beta-1-Selektivität). Dobutamin ist ein Enantiomerengemisch (Racemat): Das (+)-Enantiomer aktiviert β1- und β2-Rezeptoren und das (–)-Enantiomer ist verantwortlich für die Wirkung auf den α1 Rezeptor. Hieraus resultieren die Hauptwirkungen von Dobutamin, nämlich eine Steigerung der Kontraktilität der Herzmuskelzellen (positive Inotropie) und eine in der Regel nur gering ausgeprägte Beschleunigung der Herzfrequenz (positive Chronotropie). Damit erfolgt eine Erhöhung von Schlagvolumen (SV) und Herzzeitvolumen (HZV) mit konsekutiver Verbesserung der Durchblutung lebenswichtiger Organe (Gehirn, Niere etc.).[8]

Anwendungsgebiete

Akute Herzinsuffizienz, kardiogener Schock, intraoperative Anwendung bei herzchirurgischen Eingriffen. Die Dosierung beträgt 1–10 µg/kg/min.[9]

Außerdem wird Dobutamin in der Belastungsechokardiografie sowie in der Kardio-Magnetresonanztomographie eingesetzt, um das Herz medikamentös zu belasten.

Gegenanzeigen und Warnhinweise

Aufgrund der agonistischen Wirkung auf β2-Rezeptoren und der damit verbundenen peripheren Vasodilatation kann es[10] bei Volumenmangel zu einer zusätzlichen Reduktion der kardialen Füllungsdrücke kommen, weshalb es bei Schockzuständen durch Volumenmangel kontraindiziert ist. Weitere Kontraindikationen sind die Perikardtamponade und die hypertrophe obstruktive Kardiomyopathie.

Nebenwirkungen

Häufig auftretende unerwünschte Wirkungen resultieren aus der Beta-mimetischen Wirkung: Tachykardie, Tachyarrhythmien, Extrasystolen und pectanginöse Beschwerden. Nebenwirkungen wie Tachykardie beruhen wahrscheinlich auf relativ hohen Plasmaspiegeln[11] an freiem Dobutamin.

Chemie

Stereochemie

Dobutamin ist ein chirales synthetisches Katecholamin mit einem Stereozentrum. Die beiden Stereoisomere besitzen unterschiedliche pharmakologische Eigenschaften (siehe oben, Abschnitt Wirkungsweise). Therapeutisch wird das Racemat, die 1:1-Mischung des (S)- und des (R)-Isomeres, als Hydrochlorid eingesetzt.[12]

Handelsnamen

Monopräparate

Dobutrex, Inotop (A)

Literatur

  • F. Kersting, Hanjörg Just: H.-D. Bolte (Hrsg.): Therapeutischer Nutzen von Dobutamin im Vergleich zu anderen Katecholaminen. In: Katecholamine und Vasodilatantien bei Herzinsuffizienz. Springer, Berlin / Heidelberg / New York 1981.

Einzelnachweise

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