Dolly Haas

deutsch-US-amerikanische Schauspielerin From Wikipedia, the free encyclopedia

Dorothy Clara Louise Haas (geboren 29. April 1910 in Hamburg; gestorben 16. September 1994 in New York City) war eine deutschamerikanische Schauspielerin, die für Theater, Kabarett und Film arbeitete.

Dolly Haas (1940)
Dolly Haas (1936)

Leben und Werk

Dolly Haas’ Eltern waren der Verlagsbuchhändler Charles Oswald Haas (* 1864 in Leipzig; † 1920 in Hamburg; seit 1905 britischer Staatsbürger) und Margarethe Haas, geb. Jagemann (* 1871 in Wien; † nach 1941 in den USA).[1] Seit ihrem sechsten Lebensjahr erhielt sie Ballettunterricht von Olga Brandt-Knack. Sie besuchte das private jüdische Lyzeum von Jacob Loewenberg.[2] Mit 14 Jahren wurde Haas von den Hamburger Kammerspielen für die Kinderrolle in Frank Wedekinds Franziska engagiert.

Nach ihrem Schulabschluss trat sie ab 1927 in Berlin bei verschiedenen Bühnenveranstaltungen auf: in zwei Revuen von Eric Charell, bei Rudolf Nelson und in den Kabaretts Larifari, Die Katakombe und dem Kabarett der Komiker. 1929 tanzte sie die Prinzessin Bibi in der als Revue inszenierten Operette Ein Walzertraum, eine Rolle, die der Komponist Oskar Straus eigens für sie geschrieben hatte (Deutsches Theater München), 1930 engagierte sie Max Reinhardt für die Revue Wie werde ich reich und glücklich, Musik von Mischa Spoliansky (Komödie am Kurfürstendamm).[3]

Ihr Talent als Tänzerin, Sängerin und Schauspielerin wurde auch im Film schnell erkannt. Sie wirkte vor 1936 in 16 deutschen Spielfilmen mit, in denen die zierliche Darstellerin oft in Hosenrollen zu sehen ist: So geht sie in Liebeskommando an Stelle ihres Bruders zum Militär und legt als Der Page vom Dalmasse-Hotel Betrügern das Handwerk.

Nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten emigrierte Haas 1936 aus Deutschland und arbeitete in Großbritannien weiter. Im Oktober 1936 siedelte sie in die Vereinigten Staaten über und wurde im August 1944 US-Bürgerin.[4] Da Filmangebote ausblieben, spielte sie erfolgreich Theater am Broadway. Alfred Hitchcock besetzte sie in seinem 1953 entstandenen Thriller Ich beichte als Ehefrau von O. E. Hasse. 1983 gehörte sie zu den Schauspielern, die von der Stiftung Deutsche Kinemathek im Rahmen der Internationalen Filmfestspiele Berlin zu der Retrospektive Exil. Sechs Schauspieler aus Deutschland eingeladen wurden. Im Jahr 1987 wirkte Haas in Rosa von Praunheims Film Dolly, Lotte und Maria mit.

Dolly Haas war von 1937 bis 1941 in erster Ehe mit Hans (John) Brahm und von 1943 bis zu ihrem Tode mit dem Karikaturisten Al Hirschfeld verheiratet, mit dem sie die Tochter Nina (geboren 1945) hatte.

Filmografie

Auszeichnungen

Literatur

  • Gero Gandert, Karsten Witte, Angelika Kapps: Dolly Haas (= Exil : Sechs Schauspieler aus Deutschland). Stiftung Deutsche Kinemathek, Berlin 1983
  • Corinna Müller: Dolly Haas – Schauspielerin. In: CineGraph – Lexikon zum deutschsprachigen Film, Lieferung 25, 1995.
  • Kay Weniger: Das große Personenlexikon des Films. Die Schauspieler, Regisseure, Kameraleute, Produzenten, Komponisten, Drehbuchautoren, Filmarchitekten, Ausstatter, Kostümbildner, Cutter, Tontechniker, Maskenbildner und Special Effects Designer des 20. Jahrhunderts. Band 3: F – H. John Barry Fitzgerald – Ernst Hofbauer. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2001, ISBN 3-89602-340-3, S. 464 f.
  • Haas, Dolly, in: Ernst Klee: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. Frankfurt am Main : S. Fischer, 2007, ISBN 978-3-10-039326-5, S. 208.
  • Kay Weniger: ‘Es wird im Leben dir mehr genommen als gegeben …’. Lexikon der aus Deutschland und Österreich emigrierten Filmschaffenden 1933 bis 1945. Eine Gesamtübersicht. ACABUS-Verlag, Hamburg 2011, ISBN 978-3-86282-049-8, S. 223 ff.
  • Peer Moritz: Dolly Haas und Sigi Arno. Das Mädchen mit den märchenroten Haaren und „der schönste Mann im Staate“. In: René Senenko (Hrsg.): „Mit revolutionären Grüßen“. Postkarten der Hamburger Arbeiterbewegung 1919–1945 für eine Welt ohne Ausbeutung, Faschismus und Krieg. VSA Verlag, Hamburg 2022, ISBN 978-3-96488-108-3, S. 206–211.

Einzelnachweise

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