Domfriedhof I

Friedhof in Mitte, Berlin From Wikipedia, the free encyclopedia

Der Domfriedhof I ist ein Friedhof der Berliner Domgemeinde. Er befindet sich in der Liesenstraße 6 in Berlin-Mitte.

Domfriedhof I

Geschichte

Oranienburger Vorstadt, 1897, mit den vier Friedhöfen in der Liesenstraße, der Domfriedhof I ist der südlichste

1830 erwarb die Gemeinde der Oberpfarr- und Domkirche (zu der in dieser Zeit vor allem Mitarbeiter des Schlosses und deren Angehörige gehörten) eine Fläche von etwa einem Hektar unmittelbar an der Berliner Stadtgrenze.[1] Diese sollte den bisherigen Domkirchhof in der Elisabethstraße am Alexanderplatz ersetzen. In den folgenden Jahren entstanden benachbart drei weitere Begräbnisplätze von Innenstadtgemeinden (Französisch-reformierter Friedhof, katholischer St. Hedwigs-Friedhof und Neuer Dorotheenstädtischer Friedhof). 1870 eröffnete die Domgemeinde einen weiteren Friedhof in Wedding in der Müllerstraße, nutzte den bisherigen an der Liesenstraße aber weiter. 1896 wurde eine neue Friedhofskapelle nach Plänen des Architekten Schwarzkopff im neugotischen Stil erbaut.[2]

1961 wurde auf dem nordwestlichen Teil des Domfriedhofs die Berliner Mauer und der davorliegende Grenzstreifen mit einer Breite von etwa vierzig Metern angelegt. Dafür wurden alle dortigen Grabanlagen eingeebnet und einige Grabsteine für den gepflasterten Patrouillenweg genutzt. Der Haupteingang wurde geschlossen, nur nahe Angehörige konnten ihre Familiengräber mit einer besonderen Genehmigung (Grabkarte) besuchen, der Zugang war durch einen kleinen Nebeneingang in der Wöhlertstraße für alle drei östlichen Friedhöfe möglich. In dieser Zeit gab es zumindest in den ersten Jahren noch einige Bestattungen.

Ehemaliges Kuppelkreuz vom Berliner Dom

1990 wurden die Grenzanlagen beseitigt und das gesamte Gelände an die Domgemeinde zurückgegeben. Es wurden Aufräumarbeiten vorgenommen, umgefallene Grabsteine wieder aufgestellt, ein Hauptweg rekonstruiert und die Kapelle 1992 umfassend saniert. Der ehemalige Grenzstreifen wurde in ein Biotop umgewandelt.[3] Seitdem gab es wieder mehr Bestattungen. 2006 wurde das große goldene Kuppelkreuz vom Dom hier aufgestellt, das wegen erheblicher Rostschäden ausgetauscht werden musste.

Grabstätten

Grab von Johann Christoph Bendler
Grab der Familie Vahl

An den drei Friedhofsmauern gibt es einige historische Wandgrabmäler. Ansonsten sind im südöstlichen Teil mehrere historische Gräber erhalten, dazu kamen seit 1992 neue Bestattungen.[4] Auf dem Domfriedhof in der Liesenstraße gibt es keine denkmalgeschützten Objekte und keine Ehrengräber.[5]

Erhaltene Grabstätten
  • Max Bäckler (1856–1924), Förderer der Stenographie
  • Johann Christoph Bendler (1789–1873), Rats-Maurermeister
  • Wilhelm Hoffmann (1806–1873), Oberhof- und Domprediger, mit großem Marmorkreuz
  • Bernhard Heinrich Irrgang (1869–1916), Hof- und Domorganist, Stele mit Porträtrelieftondo
  • Rudolf Rieck (1831–1892), Hofstallmeister von Wilhelm I., mit Valeska Rieck (1840–1892), (nördlich der Kapelle)
  • Heinrich August Wilhelm Stolze (1798–1869), Begründer eines Kurzschriftsystems
Nicht erhaltene Grabstätten

Literatur

  • Alfred Etzold: Der Dorotheenstädtische Friedhof. Die Begräbnisstätte an der Berliner Chausseestraße. Links, Berlin 2001, S. 93–96, mit kurzen Angqben zur Geschichte und den wichtigsten Gräbern
Commons: Domfriedhof I – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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