Domkapitel Worms
zentrale geistliche Institution am Wormser Dom
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Das Domkapitel Worms war die zentrale geistliche Institution am Wormser Dom.

Funktion
Innerhalb des Bistums Worms hatte es in weltlichen und kirchlichen Angelegenheiten eine erhebliche Machtfülle und nahm, nach dem Bischof, den ersten Platz ein. Dies war von besonderer Bedeutung, da der Bischof in der frühen Neuzeit meist nicht in der Diözese residierte und das Kapitel damit einen großen Einfluss auf die Landesverwaltung gewinnen konnte. Der Generalvikar für die geistliche und der Statthalter für die weltliche Verwaltung waren stets Mitglieder des Domkapitels.
An der Spitze des Domkapitels stand der Dompropst. Er war zugleich einer der vier Archidiakone und für die Stadt Worms und das linksrheinische Hinterland zuständig. Weiter war er in Personalunion auch Propst des Liebfrauenstifts in Worms.[1]
Neben der Bischofswahl oblag dem Kapitel die Zustimmung zum Testament des Bischofs.
Geschichte
Mittelalter
Das Kapitel bestand seit dem 13. Jahrhundert in voller Selbständigkeit, war also dem Einfluss des Bischofs entzogen. Die Domherren entstammten alle dem Adel, vor allem aus der Pfalz, da das Domkapitel schon seit 1281 keine bürgerlichen Mitglieder mehr aufnahm. Die adligen Domherren hielten sich nur sehr unregelmäßig an ihre Residenzpflicht und ließen sich von Vikaren vertreten.
Das Kapitel verfügte um 1270 über 50 Präbenden, 1290 waren es 44 und 1475 noch 43. Kurz darauf wurde die Zahl auf 35 Kanoniker und 6 Präbendare festgelegt. Letztere mussten die Priesterweihe besitzen, während bei Ersteren das Subdiakonat genügte.
Frühe Neuzeit
Da das Bistum Worms nach der Reformation zunächst bis auf nur noch 15 Pfarreien zusammenschrumpfte und kaum noch Wirtschaftskraft besaß wurde die Zahl der Domherren im 17. Jahrhundert auf 13 verringert und das Kapitel wählte nur noch Bischöfe, die bereits außerhalb der Diözese Worms bepfründet waren. Nach dem Dreißigjährigen Krieg verzichtete es dann ganz auf die Wahl eines Bischofs aus den eigenen Reihen und postulierte nur noch auswärtige geistliche Reichsfürsten. Hierdurch vergrößerte sich sein Einfluss auf die Verwaltung des Bistums noch einmal erheblich.
Zugeordnete geistliche Einrichtungen
Zum Domkapitel gehörten Kapellen im Gebiet der Stadt Worms, vor allem aber im Dom und in dessen unmittelbarer Umgebung:
- St. Ägidius ist ein nördlicher Anbau an den Dom und heute Marienkapelle.[2]
- St. Anna wurde an den Strebepfeiler des Südportals des Domes angebaut und trägt heute das Patrozinium St. Joseph[3]
- St. Bartholomäus lag auf dem Gelände der Dompropstei westlich des Doms und war an die Stadtmauer angebaut. Die Kapelle ist nicht erhalten.[4]
- St. Georg wurde an die Ostwand der St. Anna-Kapelle angebaut und trägt heute das Patrozinium Herz-Jesu.[5]
- St. Katharina lag am Ostflügel des Kreuzgangs des Domes, südlich der Nikolauskapelle. Eventuell bildete sie das Obergeschoss der historischen Marienkapelle. Das Gebäude ist nicht erhalten.[6]
- St. Kilian lag in der Zwerchgasse (heute: Römerstraße) und ist nicht erhalten.[7] und ist nicht erhalten.
- St. Maria lag im Ostflügel des Kreuzgangs, südlich der Nikolauskapelle.[8]
- St. Mauritius / St. Blasius lag wahrscheinlich im Winkel zwischen nördlichem Kreuzgangflügel und Dom und ist nicht erhalten.[9]
- St. Nikolaus ist ein Anbau an der Südseite des Doms.[10]
- St. Thomas stand nördlich des Domes.[11]
Siehe auch
Literatur
- Peter Hersche: Die deutschen Domkapitel im 17. und 18. Jahrhundert. Bern 1984 (3 Bände); Band 1, S. 187–191.
- Erich Schwan, Eckhart G. Franz (Hg.): Die Protokolle des Wormser Domkapitels 1544–1802 (Abt. C 1 B Nr. 132–164). Analytischer Index (Personen und Orte), Darmstadt 1992.
- Friedhelm Jürgensmeier: Das Bistum Worms. Von der Römerzeit bis zur Auflösung 1801. Echter Verlag, Würzburg 1997. ISBN 978-3-42901876-4
- Jürgen Keddigkeit, Britta Hedtke, Matthias Untermann: Worms, St. Peter (und Paul). Domstift. In: Jürgen Keddigkeit, Matthias Untermann, Sabine Klapp, Charlotte Lagemann, Hans Ammerich (Hg.): Pfälzisches Klosterlexikon. Handbuch der pfälzischen Klöster, Stifte und Kommenden Band 5 = Beiträge zur pfälzischen Geschichte Band 26.5. Institut für pfälzische Geschichte und Volkskunde, Kaiserslautern 2019. ISBN 978-3-927754-86-7, S. 409–504.
- Christian Kruse: Die Aufschwörurkunden des Domkapitels Worms aus den Jahren 1690 bis 1786. In: Archiv für mittelrheinische Kirchengeschichte, 56 Jg. (2004) S. 389–415.
Weblinks
- Domstift Worms. In: Germania Sacra.