Dora Hitz
deutsche Malerin
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Dora Hitz (* 30. März 1853[1][2] in Altdorf bei Nürnberg als Emilie Barbara Dorothea Hitz[3]; † 20. November 1924 in Berlin) war eine deutsche Malerin, die vom Symbolismus und vom Impressionismus beeinflusst war. Hitz war Ende der 1870er Jahre Hofmalerin des rumänischen Königshauses und im Jahr 1898 Mitbegründerin der Berliner Secession.


Leben
Als Dora Hitz acht Jahre alt war, zog sie mit ihren Eltern Lorenz Johannes Hitz und Anna Elisabeth, geborene Meyer nach Ansbach, wo ihr Vater ab 1861 als Zeichenlehrer an der Landwirtschafts- und Gewerbeschule tätig war. Mit sechzehn ging sie nach München, um an der dortigen „Damenmalschule der Frau Staatsrat Weber“ zu studieren. Ihre Lehrer waren Wilhelm von Lindenschmit der Jüngere und Heinrich Stelzner. In München lernte Hitz bei der Kunst- und Industrieausstellung 1876 Elisabeth zu Wied (1843–1916) – durch Heirat mit einem Hohenzollern-Prinzen Königin von Rumänien – kennen. Diese berief sie als Hofmalerin an den rumänischen Königshof. Für den Musiksaal von Schloss Peleș in Sinaia (Karpaten) malte Dora Hitz Wandfresken nach dichterischen Motiven der Königin, die als Literatin unter dem Pseudonym Carmen Sylva bekannt war. Hitz entwarf für sie außerdem Buchschmuck und führte Ölgemälde aus.
Ab 1880 lebte Hitz in Paris, um dort bei Luc-Olivier Merson, Gustave Courtois, Jean-Joseph Benjamin-Constant und Eugène Carrière zu studieren, der sie besonders förderte. 1886/87 kehrte sie für kurze Zeit nach Rumänien zurück. In Paris, wo sie Hermann Bahr kennenlernte, verbrachte sie viel Zeit mit Eugen Jettel, Otto Thoren sowie Karl Köpping.[4][5] Es folgten Aufenthalte in der Bretagne (1890) und der Normandie (1891/92). 1890 wurde sie als Mitglied in den Salon der „Société des Artistes Français“ aufgenommen; dort wurde sie mit einer Medaille ausgezeichnet. 1891 erhielt sie die Mitgliedschaft in der impressionistischen „Associé du Champs de Mars“, ab 1892 in der „Société Nationale des Beaux Arts“, an deren Ausstellungen sie sich regelmäßig beteiligte. In Belgien war sie Ehrenmitglied in der „Société royale belge des aquarellistes“.
Nach einem kurzen Aufenthalt in Dresden (1891) übersiedelte Dora Hitz 1892 nach Berlin, wo sie als Mitglied des „Vereins Berliner Künstlerinnen und Kunstfreundinnen“ (siehe unten VdBK) Zugang zu großbürgerlichen liberalen Kreisen fand, der ihr viele bedeutende Porträtaufträge verschaffte. Sie gründete 1894 eine Damenmalschule.[6] Daneben betrieb sie ein Atelier am Lützowplatz am Tiergarten. Sie porträtierte u. a. Margarethe Hauptmann, die Ehefrau des Schriftstellers Gerhart Hauptmann.[7] Mit Käthe Kollwitz verband sie eine Freundschaft.
1893 war Dora Hitz – neben Catharina Klein und Marie von Keudell – auf der Weltausstellung in Chicago mit ihren Bildern vertreten.[8]
Von 1892 bis 1921 war sie Mitglied des Vereins der Berliner Künstlerinnen(VdBK). 1898 war sie Mitglied der Vereinigung der XI, der Vorläufergruppe der Berliner Secession, zu deren Gründungsmitgliedern sie zählte. Als frühes Mitglied des Deutschen Künstlerbundes beteiligte sich Dora Hitz 1906 an dessen dritter Jahresausstellung in Weimar mit dem Ölgemälde Portrait von Frau M. H.[9] – dafür erhielt Hitz noch auf der Ausstellung den Villa-Romana-Preis des DKB und ein Stipendium, verbunden mit einem Aufenthalt in Florenz.[10] 1913 trat sie der „Freien Secession“ bei. Mit Max Beckmann war sie befreundet.
Während des Ersten Weltkrieges bekam die Malerin finanzielle Probleme, sie erkrankte und geriet immer mehr in soziale Isolation. 1924 starb sie in ihrer Wohnung am Lützowplatz 12.[3] Die Galerie F. Gurlitt richtete 1925 eine Gedächtnisausstellung für Dora Hitz aus.
Im Nachlass von Dora Hitz fand man eine Zeichnung, die ihr Vater Johannes Hitz von Kaspar Hauser angefertigt hatte.[11]
Werk
Dora Hitz malte schwerpunktmäßig Figurenbilder, vor allem Bildnisse von Frauen, Mädchen und Müttern, teilweise im Stil des Symbolismus. Seit ihrem Frankreich-Aufenthalt malte sie Ölbilder, Gouachen und Aquarelle im impressionistischen Stil.
Werke von Dora Hitz befinden sich heute unter anderem in der Berliner Nationalgalerie, im Museum der bildenden Künste Leipzig und in der Gemälde- und Skulpturensammlung der Stadt Nürnberg. Anfang 2016 war die Künstlerin in der Gemeinschaftsausstellung Einfühlung und Abstraktion. Die Moderne der Frauen in Deutschland in der Bielefelder Kunsthalle vertreten.[12]

- Dämmerung
- Der Blumenkelch
- Der Maler Ed. Francois Aman-Jean
- Porträt eines Mädchens
- Porträt der Prinzessin Wilhelm zu Wied
Rezeption
Künstlerische Rezeption
Das Vergessen von Dora Hitz setzte bereits kurz nach ihrem Tod im Jahr 1924 ein. So hielt der Kunstkritiker Fritz Schotthöfer 1925 fest: „Die jüngste Generation fragt: Wer war Dora Hitz? […] Aber über die große Revolution in der modernen Kunst hinweggesehen, erscheint diese Malerei wie eine sanfte Legende. Doch stand auch Dora Hitz einmal in der ersten Reihe der Ringer, die mit dem Alten um das Neue kämpften.“[13]
Forschungsgeschichte und Ausstellungen
Als Mitglied der Berliner Secession wurde Dora Hitz in der Forschung zu dieser Künstlervereinigung mitbehandelt, eine gezielte Auseinandersetzung mit ihrer Biographie und ihrem künstlerischen Schaffen blieb jedoch aus. Erst 2019 erschien die erste Monographie über Dora Hitz.[14]
Anlässlich ihres 100.Todestags veranstaltete die Liebermann-Villa in Berlin vom 19. Oktober 2024 bis zum 20. Januar 2025 die erste Einzelausstellung von Dora Hitz seit 1925, die sich ihrem Berliner Schaffen widmete. Dieses Ausstellungsprojekt mit dem Titel Mit dem Alten um das Neue kämpfen ging auf eine Kooperation des Ausstellungshauses mit der Kuratorin Rahel Schrohe und der Professorin Claudia Blümle an der Humboldt-Universität zu Berlin zurück. So fand im Oktober 2023 ein vorbereitendes zweitägiges Symposium zur Ausstellung am Institut für Kunst- und Bildgeschichte der Humboldt-Universität statt.[15] Ein weiterer Kooperationspartner war das Bröhan-Museum. In ihrer Ausstellungskritik für den Tagesspiegel setzte Elke Linda Buchholz den Ausstellungstitel mit der Entwicklung an der Liebermann-Villa in Verbindung, nachdem der Vorstand des Trägervereins nach internen Zerwürfnissen und Konflikten um die Austrichtung vollständig ausgetauscht worden war und im November 2024 Evelyn Wöldicke ihr Amt als neue Direktorin des Hauses antrat. Buchholz erwartete, dass Wöldicke das Ausstellungsprogil ihrer Vorgängerin Lucy Wasensteiner fortsetzen würde, welche die Liebermann-Villa für Ausstellungen zu den Zeitgenossen Liebermanns – wie nun auch Dora Hitz – und den Kontexten von Liebermanns Schaffen geöffnet hatte, und urteilte, dass „[…] wissenschaftlich solide Ausstellungen mit publikumswirksamem Schauwert – die durchaus Lücken füllen […]“ wie die Hitz-Ausstellung einen Bedarf befriedigen würden.[16] Andreas Kilb besprach in seiner Ausstellungskritik für die Frankfurter Allgemeine Zeitung ausführlich das Gemälde Weinernte, das er als frühe Expressionismus-Rezeption wertet, und stellte die feministische Positionierung von Ausstellung und Katalog seiner Erfahrung der Werke im Ausstellungsraum gegenüber: „Der Katalog der Ausstellung betont die feministischen Akzente in der Malerei von Dora Hitz und ihrer Wiederentdeckung. In den Räumen der Liebermann-Villa spürt man davon nichts. Zu sehen ist eine Künstlerin, die sich geschickt den ästhetischen und gesellschaftlichen Normen ihrer Epoche anpasste und zugleich den Kontakt zur Avantgarde suchte. Was Dora Hitz gemalt hätte, wenn sie gänzlich frei über ihre Themen hätte entscheiden dürfen, liegt in der Tiefe ihrer Bilder verborgen. Was sie stattdessen geschaffen hat, ist eindrucksvoll genug.“[17]
Literatur
- Hitz, Dora. In: Friedrich von Boetticher (Hrsg.): Malerwerke des 19. Jahrhunderts. Beitrag zur Kunstgeschichte. Band 1/2, Bogen 31–61: Heideck–Mayer, Louis.. Fr. v. Boetticher’s Verlag, Dresden 1895, S. 544–545 (Volltext [Wikisource]).
- Hitz, Dora. In: Dresslers Kunstjahrbuch. Ein Nachschlagebuch für deutsche bildende und angewandte Kunst. Heft 2. Dressler, Rostock 1907, S. 90, urn:nbn:de:gbv:601-1872 (digishelf.de).
- Hitz, Dora. In: Hans Vollmer (Hrsg.): Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Begründet von Ulrich Thieme und Felix Becker. Band 17: Heubel–Hubard. E. A. Seemann, Leipzig 1924, S. 153 (biblos.pk.edu.pl).
- Dora Hitz. In: Hans Vollmer (Hrsg.): Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler des XX. Jahrhunderts. Band 6, Nachträge H–Z. E. A. Seemann, Leipzig 1962, S. 61 (Textarchiv – Internet Archive – Leseprobe).
- Profession ohne Tradition – 125 Jahre Berliner Künstlerinnen. Berlin 1992.
- Margrit Bröhan: Dora Hitz (1856–1924). In: Britta Jürgs (Hrsg.): Da ist nichts mehr, wie es die Natur gewollt. Porträts von Künstlerinnen und Schriftstellerinnen um 1900. AvivA, Berlin 2001, ISBN 3-932338-13-8, S. 180–192. (mit weiteren Literaturhinweisen).
- Natalie Gutgesell: Dora Hitz. Fränkische Künstlerin, rumänische Hofmalerin, europäische Avantgardistin. Mitteldeutscher Verlag Halle (Saale) 2019, ISBN 978-3-96311-251-5.
- Anna Grosskopf: Dora Hitz. In: Tobias Hoffmann, Anna Grosskopf (Hrsg.): Ansehen! Kunst und Design von Frauen 1880–1940. Hirmer, München 2022 (Veröffentlichungen des Bröhan-Museums; 43), ISBN 978-3-7774-4009-5, S. 46–53.
- Rahel Schrohe: Dora Hitz – Wechselspiele von Weiblichkeit und Raum. Reimer, Berlin 2024, ISBN 978-3-496-01711-0.
- Natalie Gutgesell, Shona Kallestrup: Dora Hitz. Aus Franken nach Rumänien in die Welt. Mitteldeutscher Verlag, Halle/S. 2025, ISBN 978-3-96311-987-3.