Dorothee Elmiger
Schweizer Schriftstellerin
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Dorothee Elmiger (* 13. Oktober 1985[1] in Wetzikon, Kanton Zürich) ist eine Schweizer Schriftstellerin und Übersetzerin.

Leben
Dorothee Elmiger studierte Literatur am Schweizerischen Literaturinstitut in Biel/Bienne und am Deutschen Literaturinstitut Leipzig sowie Geschichte, Philosophie und Politikwissenschaft an der Universität Luzern und der Freien Universität Berlin.
Auf Einladung von Juror Paul Jandl las Elmiger beim Ingeborg-Bachmann-Preis 2010 einen Auszug aus ihrem Roman Einladung an die Waghalsigen und gewann dort den mit 10'000 Euro dotierten Kelag-Preis.[2][3]
Für ihr Werk erhielt Elmiger zahlreiche Auszeichnungen. Im Jahr 2020 erschien ihr Band Aus der Zuckerfabrik, der für die Shortlist des Schweizer und des Deutschen Buchpreises nominiert wurde.[4] 2022 wurde sie in die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung aufgenommen.[5]
Im Jahr 2025 veröffentlichte Elmiger den Roman Die Holländerinnen. Der Roman wurde von der Kritik gelobt und mehrfach ausgezeichnet. Er gewann sowohl den Deutschen Buchpreis, den Schweizer Buchpreis sowie den Bayerischen Buchpreis.[6][7]
Dorothee Elmiger lebte lange Zeit in Zürich und zog 2022 nach New York.[8]
Werk
Elmiger ist für ihre experimentellen und gesellschaftskritischen Texte bekannt, in denen sie sich mit Themen wie Kapitalismus, Geschichte und Identität befasst. Ihre Werke verbinden fiktionale Elemente mit dokumentarischen Ansätzen und werden für ihre poetische und dichte Sprache gelobt.[9][10]
Im Roman Die Holländerinnen (2025) stellt eine Theatergruppe die letzte Wanderung zweier in einem lateinamerikanischen Urwald verschwundener Niederländerinnen nach; die Erzählerin – eine Schriftstellerin – berichtet in indirekter Rede von der Expedition und ihrer Krise.[11][12] Der Text kreist um Fragen der Mimesis und einer – an Werner Herzog angelehnten – «ekstatischen Wahrheit», zieht Bezüge zur Dialektik der Aufklärung von Adorno und Max Horkheimer und verhandelt Machtverhältnisse des Kolonialismus sowie Nord-Süd-Asymmetrien, womit Elmiger an Motive aus Aus der Zuckerfabrik anschliesst.[12][13] Es entsteht ein «Netz aus Verweisen» und eine Sammelpoetik, die Elmiger selbst mit Ursula K. Le Guins Konzept der Carrier Bag Fiction in Verbindung gebracht hat.[12]
Veröffentlichungen (Auswahl)
Einzeltitel
- Einladung an die Waghalsigen. Roman. DuMont, Köln 2010, ISBN 978-3-8321-9612-7.
- Schlafgänger. Roman. DuMont, Köln 2014, ISBN 978-3-8321-9742-1.
- Aus der Zuckerfabrik. Roman/Essay. Hanser, München 2020, ISBN 978-3-446-26750-3.[14]
- Die Holländerinnen. Roman. Hanser, München 2025, ISBN 978-3-446-28298-8.[15]
Beiträge in Zeitschriften und Anthologien
- Üblicher Horizont. In: BELLA triste, Nr. 22, Hildesheim 2008.
- Dorothee Elmiger u. a.: Dorf. Uerste Verlag, 2009.
- Über die Umstände meiner Jugend. In: Edit, Nr. 51, Leipzig 2010.
- Die Wirklichkeit und nicht die Wirklichkeit. Essay. In: BELLA triste, Nr. 28. Hildesheim 2010.
- XERXES (DIE ANWESENDEN). In: Julius von Bismarck: Tiere sind dumm und Pflanzen noch viel dümmer/Animals are dumb and plants are even dumber. Kerber 2015, ISBN 978-3-7356-0138-4.
- Soft Eyes. In: Edit, Nr. 71, Leipzig 2017.
- Das Problem des Jägers / (Magic) Pocket Theory of Fiction. In: Carrier Bag Fiction, Das Neue Alphabet, Bd. 6, hg. v. Sarah Shin u. Mathias Zeiske, Berlin 2021, ISBN 978-3-95905-462-1.
Übersetzungen
- Kate Zambreno: Mutter (Ein Gemurmel). Aki, Zürich 2023, ISBN 978-3-311-35012-5.
- Kate Zambreno: Drift. Aki, Zürich 2024, ISBN 978-3-311-35018-7.
Auszeichnungen (Auswahl)
- 2010: Kelag-Preis beim Ingeborg-Bachmann-Preis für einen Auszug aus Einladung an die Waghalsigen[2][16]
- 2010: aspekte-Literaturpreis für Einladung an die Waghalsigen
- 2010: Rauriser Literaturpreis für Einladung an die Waghalsigen
- 2014: Hermann-Hesse-Förderpreis für Schlafgänger[17]
- 2014: Werkjahr der Stadt Zürich
- 2015: Schweizer Literaturpreis des Bundesamts für Kultur für Schlafgänger
- 2015: Erich-Fried-Preis[18]
- 2018: Conrad-Ferdinand-Meyer-Preis für Einladung an die Waghalsigen und Schlafgänger[19]
- 2018: Förderpreis des Max-Frisch-Preises der Stadt Zürich[20]
- 2020: Literarische Auszeichnung der Stadt Zürich für Aus der Zuckerfabrik[21]
- 2020: Shortlist des Schweizer Buchpreises mit Aus der Zuckerfabrik
- 2020: Shortlist des Deutschen Buchpreises mit Aus der Zuckerfabrik
- 2021: Literaturpreis „Text & Sprache“ des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft, mit Bezug auf das Werk Aus der Zuckerfabrik[22]
- 2021: Franz-Hessel-Preis für Aus der Zuckerfabrik
- 2021/2022: Stadtschreiberin von Bergen
- 2022: Nicolas-Born-Preis
- 2025: Deutscher Buchpreis für Die Holländerinnen[23]
- 2025: Bayerischer Buchpreis für Die Holländerinnen[24]
- 2025: Schweizer Buchpreis für Die Holländerinnen[25]
Literatur
- Frauke Bolln: Welt und Provinz in Text und Bild bei Dorothee Elmiger und Stefan Ettlinger. In: Christian Moser, Linda Simonis (Hrsg.): Figuren des Globalen. Weltbezug und Welterzeugung in Literatur, Kunst und Medien. V&R Unipress, Göttingen 2014, ISBN 978-3-8471-0170-3, S. 523–532, doi:10.14220/9783737001700.523 (vr-elibrary.de [abgerufen am 13. Oktober 2025]).
- Jan Lietz: Im Gestrüpp: Postdigitales Schreiben und poetische Kritik in Aus der Zuckerfabrik (2020) von Dorothee Elmiger (= Literatur in der digitalen Gesellschaft. Nr. 6). transcript Verlag, Bielefeld 2023, ISBN 978-3-8376-6561-1, S. 237–252, doi:10.14361/9783839465615-013 (transcript-open.de [abgerufen am 13. Oktober 2025]).
- Malcolm Pender: Grenzen in den Romanen von Dorothee Elmiger. In: Transkulturalität der Deutschschweizer Literatur. Entgrenzung durch Kulturtransfer und Migration. Springer Fachmedien Wiesbaden, Wiesbaden 2017, ISBN 978-3-658-18075-1, S. 141–153, doi:10.1007/978-3-658-18076-8_12 (springer.com [abgerufen am 13. Oktober 2025]).
- Linda Shortt: Borders, Bordering, and Irregular Migration in Novels by Dorothee Elmiger and Olga Grjasnowa. In: Modern Language Review. Band 116, Nr. 1, 2021, ISSN 2222-4319, S. 132–150, doi:10.1353/mlr.2021.0094 (englisch, jhu.edu [abgerufen am 13. Oktober 2025]).
- Kaspar Surber: «Meine Fragen sind: Wer ist noch da, wo sind sie, und mit wem kann ich mich verbünden? Die Herstellung solcher Beziehungen ermöglicht erst ein politisches Handeln.» In: WOZ Die Wochenzeitung, 30. September 2010.
Weblinks
- Literatur von und über Dorothee Elmiger im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Publikationen von und über Dorothee Elmiger im Katalog Helveticat der Schweizerischen Nationalbibliothek
- Eintrag über Dorothee Elmiger im Lexikon des Vereins Autorinnen und Autoren der Schweiz
- Kurzbiografie und Rezensionen zu Werken von Dorothee Elmiger bei Perlentaucher
- Dorothee Elmiger. Biografie und Bibliografie auf Viceversa Literatur
- Offizielle Webpräsenz Dorothee Elmigers
- Christine Lötscher: Dorothee Elmigers Roman Schlafgänger – Laudatio zur Verleihung des Literaturpreises der A und A Kulturstiftung 2019 an Dorothee Elmiger