Dorothy G. Singer
US-amerikanische Psychologin und Professorin
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Dorothy G. Singer (* 4. Februar 1927 in New York City; † 19. November 2016 in New Haven) war eine US-amerikanische Wissenschaftlerin, Beraterin, Kindertherapeutin und emeritierte Professorin der Yale University.[1]
Leben
Sie wurde als Tochter von Alexander and Nettie (Katz) Gottlieb New York geboren. Sie erwarb 1948 einen Bachelor-Abschluss am Hunter College und 1952 einen Master-Abschluss in Psychologie an der New York University. Dann wechselte sie an das Teachers College der Columbia University und bekam 1966 einen Doctor of Education (EdD). Sie wurde Professorin für Psychologie, zunächst am Manhattanville College in Purchase, wo sie als Fachbereichsleiterin tätig war und Kindesentwicklung lehrte. Sie leitete hier u. a. ein Praktikum, in dem sie Studierenden Projekte in verschiedenen Kindertagesstätten zuwies und sie entwickelten einen Fragebogen und ein Beobachtungsformular, um die gesammelten Daten zum Spielverhalten der Kinder zu quantifizieren. 1972 wechselte sie an der University of Bridgeport in Bridgeport, wo sie bis 1990 den Lehrstuhl für Psychologie (William Benton Professor of Psychology) innehatte. 1974 wurde sie zur leitenden Wissenschaftlerin am Fachbereich Psychologie der Yale University ernannt. Dort leitete sie gemeinsam mit ihrem Ehemann Jerome L. Singer, Professor für Psychologie an der Yale University, über 30 Jahre lang das von ihnen gegründete Yale University Family TV Research and Consultation Center, das zahlreiche einflussreiche Kindersendungen unterstützte, darunter Mister Rogers’ Neighborhood oder Barney und seine Freunde. Nach ihrer Pensionierung beriet sie weiterhin Stiftungen, Unternehmen und Regierungsbehörden bis zu ihrem Tod zu den Themen Spiel, Fernsehen und kindliche Vorstellungskraft.
Werk
Sie befasste sich mit der frühkindlichen Entwicklung, den Auswirkungen des Fernsehens auf Jugendliche und der Elternschulung im Bereich des fantasievollen Spiels. Dabei erarbeitete sie Erkenntnisse zur kindlichen Entwicklung, insbesondere im Bereich des Fantasiespiels und der Auswirkungen des Fernsehens auf Kinder. Sie setzte sich für die Bedeutung des Spiels im Leben von Kindern ein und sie entwickelte Leitlinien für Eltern, damit diese besser verstehen, worum es im Fernsehen geht und wie sie gemeinsam mit ihren Kindern das Fernsehen zu einem deutlich positiveren Erlebnis machen können. In vielen Studien brachten sie Bedenken hinsichtlich der Auswirkungen der Massenmedien auf das kindliche Spiel zum Ausdruck. Sie beobachtete, wie bestimmte Filme, Fernsehsendungen und Videospiele einen Großteil der kindlichen Kreativität beim Erfinden von Welten und Geschichten beschränkten. Dennoch sah sie Fernsehen und Videospiele nicht grundsätzlich als problematisch an. Vielmehr argumentierte sie, dass die Reaktionen von Kindern auf solche Medien von verschiedenen Faktoren abhingen, darunter die Qualität der Inhalte, die konsumierte Menge und ob Bezugspersonen den Kindern halfen, das Konsumierte zu verarbeiten, indem sie mit ihnen darüber sprachen.
Ehrungen/Positionen
- Mitglied der American Psychological Association
- Mitglied des National Institute of Mental Health
- 2004: Preis für herausragende wissenschaftliche Beiträge zur Medienforschung der Division 46 der APA
- 2006: Distinguished Alumni Award des Teachers College
- 2009: Preis für ihr Lebenswerk zur Medienpsychologie der APA
Privates
Ihren späteren Gatten, Jerome L. Singer, lernte sie 1949 in einem Musikgeschäft kennen. Ein halbes Jahr später heirateten sie und sie war mit ihm 67 Jahre lang verbunden. Das Ehepaar bekam die Söhne Jon, Bruce und Jefferson, letztere beide ebenfalls Psychologen. Während ihrer Zeit an der Yale University arbeitete sie mit ihrem Ehemann eng zusammen und gemeinsam leiteten sie über 30 Jahre lang das Forschungs- und Beratungszentrum für Familienfernsehen der Yale University (Yale Family Television Research and Consultation Center). Er überlebte sie um drei Jahre. Genau wie ihr Ehegatte liebte sie Oper, Poesie und Reisen.
Publikationen (Auswahl)
- Monografien
- Mit Jerome L. Singer: Television, Imagination, and Aggression: A Study of Preschoolers. Taylor & Francis Ltd, Milton Park, Abingdon, Oxfordshire 2017, ISBN 978-1-138-46738-5.
- Mit Jerome L. Singer: Imagination and Play in the Electronic Age. Harvard University Press, Cambridge, Massachusetts 2007, ISBN 978-0-674-02418-2.
- Mit Jerome L. Singer: Make-Believe: Games and Activities for Imaginative Play: Games & Activities for Imaginative Play. American Psychological Association, Washington D.C. 2000, ISBN 978-1-55798-717-4.
- Mit Tracey A. Revenson: A Piaget Primer: How a Child Thinks. Penguin, London 1996, ISBN 978-0-452-27565-2.
- Mit Jerome L. Singer: The House of Make-Believe: Children's Play and the Developing Imagination. Harvard University Press. Cambridge, Massachusetts 1992, ISBN 978-0-674-40875-3.
- Mit Jerome L. Singer: The Parent's Guide: Use TV to Your Child's Advantage. Acropolis Books Inc, Bloomington, Indiana 1990, ISBN 978-0-87491-964-6.
- Teaching television: How to use TV to your child's advantage. Dial Press, New York City 1981, ISBN 978-0-8037-8515-1.
- Mit Jerome L. Singer: Partners in play: a step-by-step guide to imaginative play in children. Harper & Row, San Francisco 1977, ISBN 978-0-06-013891-2.
- Herausgeberschaften
- Mit Roberta Michnick Golinkoff; Kathy Hirsh-Pasek: Play = Learning: How Play Motivates and Enhances Children's Cognitive and Social-Emotional Growth. Oxford University Press, Oxford 2006, ISBN 978-0-19-530438-1.
- Mit Nancy E. Dowd; Robin Fretwell Wilson: Handbook of Children, Culture, and Violence. Sage Publications, Thousand Oaks 2005, ISBN 978-1-4129-1369-0.
- Zeitschriftenartikel/Buchbeiträge
- Television and its potential for imagination. In: Television, International Central Institute for Youth- and Educational Televizion, IZI, 2003, 16 (1).
- Play as healing. In: Research Information for Teachers, 1996, 1, 1–4.
- A time to reexamine the role of television in our lives. In: American Psychologist, 1983, 38 (7), S. 815–816.
- Mit Jerome L. Singer: Psychologists look at television: Cognitive, developmental, personality, and social policy implications. In: American Psychologist, 1983, 38 (7), S. 826–834.
- Review of Mindstorms: Children, computers and powerful ideas. In: American Journal of Orthopsychiatry, 1982, 52 (1), S. 183–185.
- Mit Roni Beth Tower; Singer, Jerome L.: Differential effects of television programming on preschoolers' cognition, imagination, and social play. In: American Journal of Orthopsychiatry, 1979, 49 (2), S. 265–281.
- Mit Larke Nahme-Huang; Jerome L. Singer: Imaginative play training and perceptual-motor interventions with emotionally-disturbed hospitalized children. In: American Journal of Orthopsychiatry, 1977, 47 (2), S. 238–249.
- Mit Jerome L. Singer: Family television viewing habits and the spontaneous play of preschool children. In: American Journal of Orthopsychiatry, 1976, 46 (3), S. 496–502.
- Mit Barbara Kornfield: Conserving and consuming: A developmental study of abstract and action choices. In: Developmental Psychology, 1973, 8 (2), S. 314.
- Reading, writing and race relations: Mutual tolerance can be learned in school – requirements include intelligence and integration. In: Society, 1967, 4 (7), S. 27–31.
Weblinks
- Literatur von und über Dorothy G. Singer im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Reflections on Pretend Play, Imagination, and Child Development an Interview with Dorothy G. Singer and Jerome L. Singer (PDF; 0,1 MB) Museum of Play, abgerufen am 8. November 2025
- Dorothy G. Singer (1927–2016) Research Gate, abgerufen am 8. November 2025
- Dorothy G. Singer's research while affiliated with Yale University and other places Research Gate, abgerufen am 8. November 2025
- Dorothy G. Singer Prabook, abgerufen am 8. November 2025