Stellwerksbauform Dr S2
Bauform für Drucktastenstellwerke der Firma Siemens
From Wikipedia, the free encyclopedia
Das DrS2 ist eine Drucktastenstellwerk-Bauform der Firma Siemens. Es wurde für kleinere Kreuzungs- und Überholbahnhöfe entwickelt, in großer Stückzahl produziert und im Bereich der Deutschen Bundesbahn eingesetzt.
Das erste DrS2-Stellwerk wurde am 8. September 1952 im Bahnhof Steinheim (Main) in Betrieb genommen.[1] 1969 waren 366 Stellwerke der Bundesbahn in Bauform DrS2 im Betrieb, das waren 41 % aller Gleisbildstellwerke der DB.[2] Anfang 2026 waren noch 197 Stellwerke der Bauform DrS2 in Betrieb.[3]
Allgemeines
Die DrS2-Stellwerke sind als Zentralstellwerk ausgeführt.[4]
Die DrS2-Stellwerke haben in der Regel zwei Einfahr- und zwei Ausfahrzugfahrstraßen pro Bahnhofskopf, also insgesamt acht Zugfahrstraßen. Zu diesen Zugstraßen gehören zwei Einfahr- und Ausfahrsignale mit den zugehörigen Vorsignalen. An das Stellwerk können in der Regel acht bis höchsten zehn stellwerksbedienbare sowie beliebig viele ortsbedienbare Weichen und Gleissperren angeschlossen werden.[5.1][6.1]
Innenanlagen
Die Innenanlagen eines DrS2-Stellwerks bestehen aus einem Stellkasten und einem Relaisschrank mit Schalteinrichtungen. In der Regel befinden sich beide im Bedienungsraum.[5.1]
Stellkasten

Alle Bedienungs- und Meldeeinrichtungen sind im Stellkasten enthalten, der auf seiner Vorderseite das ausleuchtbare Gleisbild des Bahnhofs bzw. Stellbezirks zeigt. Die Tischoberfläche besteht aus rechteckigen Tischfeldern. Es gibt Tischfelder mit Gleis-, Weichen- oder Signalsymbolen, mit Tasten, mit Meldelampen, mit Leerfeldern und so weiter. Mithilfe dieser Tischfelder konnte das Gleisbild jedes Bahnhofs schematisch dargestellt werden.[5.2]
Die Tasten zum Stellen der Weichen, Gleissperren und Signale, zum Einstellen von Fahrstraßen sowie zur Bedienung der Blockeinrichtungen befinden sich unmittelbar im Gleisbild neben den entsprechenden Symbolen der zu bedienenden Einrichtungen. Diese werden auch als Innentasten bezeichnet. Tasten außerhalb des Gleisbildes werden dagegen als Außentasten bezeichnet. Außentasten sind beispielsweise die zur Regelbedienung erforderlichen Gruppentasten. Einige Außentasten sind durch Zählwerke überwacht.[5.2]
Im Stellkasten wird mit rot leuchtende Meldelampen angezeigt, ob der betreffende Gleisabschnitt von Fahrzeugen besetzt ist. Ebenfalls mit Meldelampen wird die Weichenlage und das Signalbild angezeigt.[5.2]
Relaisschrank
Die Schalteinrichtungen des DrS2-Stellwerks sind in der Regel in einem Relaisschrank mit vier Relaisgestellen untergebracht. Es gibt folgende Gestelle:[5.3][6.2]
- Weichengestell
- Fahrstraßen- und Signalgestell
- Blockgestell
- Stromversorgungsgestell mit Schalttafel
Schalteinrichtungen für zusätzliche Signalanlagen, wie beispielsweise Vorsignalwiederholer, sind in separaten Gestellen untergebracht und per Stecker mit dem Relaisschrank verbunden.[5.3]

Die Signalrelais sind die wichtigsten Bauteile der Relaisanlage. Jeder Schaltvorgang innerhalb eines Stellwerks setzt die Funktion eines solchen Relais voraus. Hauptsächlich kam das K 50-Relais zum Einsatz.[6.3]
Alle Relais, die in wiederkehrender Schaltung eine Einheit bilden, sind zu Relaisgruppen zusammengefasst.[5.3] Die Relaisgruppen beinhalten auch weitere Elemente, wie beispielsweise Kondensatoren, Sperrzellen, Widerstände und Transformatoren. Es gibt unter anderem folgende Relaisgruppen:[6.4]
- Weichengruppe
- Fahrstraßensignalgruppe Einfahrt
- Fahrstraßensignalgruppe Ausfahrt
- Relaisblockgruppe Anfangsfeld
- Relaisblockgruppe Endfeld
- Zusatzgruppen, wie z. B. Weichentastenrelaisgruppe, Weichenschlüsselsperrengruppe, Fahrstraßentastenrelaisgruppe und, wenn vorhanden, die Zusatzgruppe für den Durchgangsbetrieb
Die Relaisgruppen sind steckbar ausgeführt und können nach dem Lösen der Befestigungsschrauben ausgetauscht werden.[6.4]
Außenanlagen
Lichtsignale
Bei DrS2-Stellwerken werden grundsätzlich Lichtsignale im H/V-Signalsystem verwendet. Die verwendeten Signalglühlampen sind je nach Anwendung mit einer oder zwei Wendeln, dem sogenannten Haupt- und Nebenfaden, ausgestattet.[6.5] Der Nebenfaden schaltet automatisch ein, wenn der Hauptfaden zerstört ist. Die Einfahrsignale sind mit einer zweiten Rotlampe ausgestattet, dem sogenannten Notrot; die Ausfahrsignale nicht. Als Ausfahrsignale werden Haupt/Sperrsignale verwendet.[6.6]
Weichen und Gleissperren
Zum Umstellen der Weichen und Gleissperren werden elektrische Antriebe verwendet. Die Antriebe sind mit einem Drehstrom-Asynchronmaschine ausgestattet. Die Weichenantriebe der elektrisch fernbedienten Weichen und Gleissperren werden mit der Vierdraht-Weichenschaltung an das DrS2 angeschlossen. Mechanisch ortsgestellte Weichen können über Schlüsselabhängigkeiten und in Verbindung mit Schlüsselsperren signaltechnisch sicher eingebunden werden.[6.7]
Gleisfreimeldung
Gleise und Weichen, deren Freisein vom Standort des Bedieners aus nicht einwandfrei festgestellt werden kann, sind mit einer selbsttätigen Gleisfreimeldeanlage ausgestattet. In der Regel kommen dafür isolierte Gleisstromkreise zum Einsatz. In nicht elektrifizierten Bahnhöfen werden die Gleisabschnitte einschienig, in elektrifizierten Bahnhöfen dagegen zweischienig isoliert.[5.4][6.8] Bei Oberbau-Bauarten mit Stahlschwellen oder wenn aus anderen Gründen nicht die isoliertechnischen Voraussetzungen für isolierte Gleisstromkreise gegeben sind, werden Achszählanlagen verwendet. Bei Selbstblockabschnitten mit Isolierabschnitten die länger als 2,3 km sind, werden ebenfalls Achszählanlagen eingesetzt.[6.9]
Bedienung

Die Bedienung des Stellwerks erfolgt über die Bedienelemente im Stellkasten. Die meisten Bedienhandlungen erfolgen durch das gleichzeitige Drücken von zwei Tasten. So kann eine Weiche beispielsweise durch das gleichzeitige Drücken der Weichentaste und der Weichengruppentaste (WGT) umgestellt werden. Während des Umstellvorgangs blickt im Gleisbild der Weichenstellungsmelder. Hat die Weiche eine Endlage erreicht, wird diese durch den Weichenstellungsmelder als gelbes Dauerlicht angezeigt. Bei besetzten Weichen-Gleismeldeabschnitten leuchtet der Weichenstellungsmelder als rotes Dauerlicht.[5.5]
Die Stellwerke haben keinen Weichenselbstlauf, d. h., jede Weiche muss einzeln in die richtige Position gebracht werden, um eine Fahrstraße einzustellen. Das Einstellen einer Zugfahrstraße wird durch das gleichzeitige Betätigen einer Start- und einer Zieltaste eingeleitet. Die Starttaste befindet sich an dem Signal, an dem die Fahrstraße beginnt. Die Zieltaste kann sich entweder am Gleis, an der Strecke oder an einem Signal befinden. Sind alle im Verschlussplan für die ausgewählte Fahrstraße gekennzeichneten Weichen in der richtigen Stellung und sind die zugehörigen Gleisabschnitte nicht besetzt, wird die Fahrstraße verschlossen und das Signal kommt in Fahrtstellung.[5.5]
Weblinks
- Stellwerke der Bauform DrS2 in der Stellwerksdatenbank. In: stellwerke.info.