Dreidel
ein Kreisel mit vier Seiten, mit dem während des Chanukka-Festes gespielt wird
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Ein Dreidel (jiddisch דריידל), Trendel (westjiddisch טרענדל) oder Sewiwon (hebräisch סביבון) ist ein Kreisel mit vier Seiten. Es handelt sich um ein traditionsreiches Spielzeug, das von europäisch-jüdischen Kindern während des achttägigen Lichterfestes Chanukka gedreht wird.


Gestaltung
Jede Seite des Dreidels zeigt einen anderen hebräischen Buchstaben: נ (Nun), ג (Gimel), ה (He), ש (Schin; außerhalb Israels) bzw. פ (Pe; innerhalb Israels). Sie stehen für den Satz נס גדול היה שם Nes gadol haja scham, deutsch ‚Ein großes Wunder geschah dort‘ bzw. נס גדול היה פה Nes gadol haja po, deutsch ‚Ein großes Wunder geschah hier‘.
Entstehung
Der Legende nach verboten die Seleukiden während ihrer Herrschaft über Israel im 2. Jahrhundert v. Chr. den Juden das Lehren und Erlernen der Torah. Die Ausübung des jüdischen Glaubens wurde mit Gefängnis oder Tod bestraft. Die gläubig gebliebenen Juden hielten ihre Kinder trotz des Verbotes zum Studium der religiösen Traditionen an. Tauchten syrische Patrouillen auf, hatten die Kinder schnell den Dreidel zur Hand und taten so, als spielten sie damit. Man behauptete, man habe sich nur zum Spielen getroffen. So trug der Dreidel zur Erhaltung des Judentums bei.
Spielablauf
Das Spiel wird auch heute noch zu Chanukka zumeist um Süßigkeiten gespielt.
Die Spieler drehen reihum den Dreidel. Die Seite, welche nach oben zeigt, gibt den Gewinn an:
- נ Nun = (jiddisch נישט nisht, ‚nichts‘) – Man gewinnt nicht, verliert aber auch nichts.
- ג Gimel = (jidd. גאַנץ gants, ‚ganz‘, d. h. „alles“) – Man gewinnt den gesamten Kasseninhalt, danach muss jeder Spieler wieder ein Stück in den Pott legen.
- ה He = (jidd. האַלב halb) – Man gewinnt die Hälfte der Kasse (aufgerundet). Manchmal wird verlangt, dass, wenn nur ein Stück verbleibt, jeder eines nachlegen muss.
- ש Schin = (jidd. שטעל אײן shtel ayn, ‚stell ein‘, d. h. „leg [ein Stück] ein“) – Man muss ein Stück in die Kasse legen.
Wer nichts mehr in die Kasse legen kann, scheidet aus. Der Einsatz kann von einem Stück „Geld“ (jidd. געלט Gelt) auf zwei erhöht werden.
Mathematisch hat ein Spieler gegenüber dem jeweils nachfolgenden einen möglichen Vorteil.[1]
Varianten

Im Dreidel lebt ein Kreiselspiel aus dem 16. Jahrhundert fort. Den Würfelkreisel nannte man damals Toton, er trug die (lateinischen) Buchstaben P–N–J–F bzw. A–R–J–F.[2] Auf Pieter Brueghels Gemälde Die Kinderspiele (1560) hält ein Mädchen unten links einen Toton in die Höhe.
Ein weiteres ähnliches Spiel ist das Nimm-Gib-Kreiselspiel.
Buchstaben mit Schreibvarianten
Weblinks
Literatur
- Robert Feinerman: An ancient unfair game, American Mathematical Monthly 83 (Oktober 1976), S. 623 – 625 (englisch)
- Felicia Moss Trachtenberg: The game of dreidel made fair, College Mathematics Journal 27 (September 1996), S. 278 – 281 (englisch)