Durchreiche

Öffnung in der Wand, durch die Dinge (meist Speisen) durchgereicht werden können From Wikipedia, the free encyclopedia

Durchreiche ist eine Öffnung in der Wand, durch die Dinge (meist Speisen) durchgereicht werden können. Dieses Bauelement ist bereits in mittelalterlichen Klöstern und Adelssitzen zu finden.[1]

Durchreiche neben Zellentür (Klostermuseum Ittingen)

Geschichte

Im 12. Jahrhundert wurde aufgrund der Rauchentwicklung und der Brandgefahr, abgesehen vom Bauernhaus und den Hütten der Armen, eine Küche getrennt von Ess-, Wohn- und Schlafraum eingerichtet.[2]

In Klöstern waren Durchreichen verbreitet in Küchen angeordnet, um die Speisen ohne unnötige Wege in den angrenzenden Raum, z. B. Refektorium zu transportieren.[3][4][5] Wärmestube und Küche befanden sich nebeneinander, eine Durchreiche verband den Speisesaal direkt mit der Küche.[6] Die Zisterzienser bauten ihre Küche zwischen die Refektorien der Mönche und jener der Laienbrüder, um beide Speiseräume bequem bedienen zu können, daher befand sich meist jeweils eine Durchreiche in der Wand in Richtung Küche.[2]

Für die Ausgabe der Klostersuppe oder anderer Speisen an Arme oder Bedürftige war ebenso eine Durchreiche nötig, da Klosterfremde die Klausur oder das Kloster nicht betreten durften. Bei den eremitisch lebenden Orden wie den Karmeliten hatte jede Zelle Tür und Durchreiche. In Bauernhäusern waren ebenso oft Durchreichen zwischen Küche und Stube vorhanden, die meist mit Holzschiebeläden geschlossen wurden.

In vielen älteren Häusern Südwestdeutschlands befinden sich Türen zwischen der Stube und der Küche, die manchmal nur Durchreichen sind.[7] Diese Türen oder Fenster bestanden als Durchreichen jedoch oft nicht original, sondern stellten sich in allen Wohngebäuden des Spätmittelalters bei genaueren Bauuntersuchungen als nachträglich heraus.[7] Bei tiefen Grundrissen mit drei hintereinander angeordneten Räumen in einer engen Zeilenbebauung ist es nachvollziehbar, dass eine Öffnung zur helleren Stube etwas Tageslicht in den sonst dunklen Küchenraum gebracht hat. Eine direkte Verbindung zwischen diesen wichtigen Räumen konnte erst eingeführt werden, als das offene Feuer und der Rauch in geschlossene Herde und Kachelöfen gebannt wurde, was erst im späten 19. Jahrhundert üblich wurde. Ein Sichtfenster allerdings taucht häufiger auf, wie in der Pfarrgasse 9 in Schwäbisch Hall, das zumindest seit dem 17. Jahrhundert nachzuweisen ist. Es ist vielleicht auch als frühes Beispiel einer „Durchreiche“ anzusehen.[7]

Moderne

Wohnraum in einer typischen Plattenbauwohnung Typ P2 mit Durchreiche zur Küche
Grundriss Plattenbau P2 mit Durchreiche zwischen Küche und Wohnzimmer

Anfang der 1920 wurden zum Beispiel vom Ingenieur Ludwig Schultheiss technische Empfehlungen herausgegeben, wie die Wege einer Hausfrau bzw. des Geschirrs verkürzt werden können, dabei spielte eine Durchreiche zwischen Küche und Esszimmer eine wesentliche Rolle. Schultheiss wies auch darauf hin, dass die Durchreiche nicht unbedingt vorteilhaft ist, wenn die Hausfrau die Speisen, Getränke oder Geschirr zwar darin abstellen kann, aber anschließend zwischen den Räumen hin und her laufen muss, um diese weiterzubefördern.[8][9] Die sogenannte Frankfurter Küche wurde in den 1930ern von der heraufdämmernden Nazi-Ideologie verdrängt, die eine Wohnküche bevorzugte. Die nach Ende des Zweiten Weltkrieges gebotene Sparsamkeit ließ die Küchenplaner dann wieder auf die funktionellen Avantgarde-Überlegungen zurückgreifen, der Begriff Küche wurde 1957 in der DIN18022 als allgemeinverbindlich verankert, wonach in der sogenannten „Arbeitsküche“ (im Unterschied zur Essküche oder Wohnküche) eine verschließbare Durchreiche optional eingebaut werden kann.[10]

Durchreichen wurden besonders in den 1960er Jahren modern.[7] Auch im medizinischen Bereich erwies sich bei Blut- , Urin- und serologischen Untersuchungen eine Durchreiche als Verbindung zu den WC-Anlagen als sehr zweckmäßig, um einen kontinuierlichen Untersuchungsablauf in den Laboren zu gewährleisten.[11] Die amerikanische Standardküche mit einer Durchreiche ins Speisezimmer wurde zu Hunderttausenden in Amerika verwendet.[12]

Im modernen Bauen war die Durchreiche ein Mittel, um platzsparende Grundrisse zu ermöglichen. Beispiele sind die Weißenhofsiedlung oder Le Corbusiers Apartmenthaus in Berlin.[13] Im Einfamilienhaus wurde die Gestaltung mit einer Durchreiche zwischen Küche und Wohn- bzw. Esszimmer dann oft übernommen. In letzter Zeit oder bei sehr kleinen Wohnungen kommt meist eine Wohnküche oder Wohnraum mit Kochnische zur Ausführung. In den Plattenbauten der DDR gab es z. B. im Typ P2 eine Durchreiche zwischen Küche und Wohnzimmer.

Die Durchreiche in der Lyrik

Literatur

  • Jane Murphy: Küche als Objekt – Küche als Raum. In: Elfie Miklautz, Herbert Lachmayer, Reinhard Eisendle: Die Küche. Zur Geschichte eines architektonischen, sozialen und imaginativen Raumes. Böhlau, Wien/Köln/Weimar 1999 (Google Buch).
Commons: Durchreiche – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Durchreiche – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

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