EMD MRS-1

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MRS-1 (MRS für Military Road Switcher) ist die Herstellerbezeichnung einer Reihe von Diesellokomotiven mit elektrischer Leistungsübertragung, die 1952 von General Motors Electro-Motive Division (EMD) in dreizehn Exemplaren für das United States Army Transportation Corps (USATC) als universell einsetzbare Kriegslokomotive gebaut wurde.

Schnelle Fakten
EMD MRS-1
Erhaltene 1811 im U.S. Army Transportation Museum in Fort Eustis, Virginia (April 2008)
Erhaltene 1811 im U.S. Army Transportation Museum in Fort Eustis, Virginia (April 2008)
Erhaltene 1811 im U.S. Army Transportation Museum in Fort Eustis, Virginia (April 2008)
Nummerierung: USATC: 1808–1820
U.S. Navy: 570–574
ARR: 1714, 1718
Anzahl: 13
Hersteller: EMD
Baujahr(e): 1952
Ausmusterung: 1981–1999
Achsfolge: Co’Co’
Spurweite: 1435 mm
1524 mm
1668 mm
1676 mm
Länge über Kupplung: 17501 mm (Janney)
17590 mm (SA-3)[1]
Breite: 2946 mm
Höhe: 4115 mm (maximal)
4064 mm (Dach)
Drehzapfenabstand: 9449 mm
Drehgestellachsstand: 4013 mm
Gesamtachsstand: 13460 mm
Treibraddurchmesser: 1016 mm (neu)
940 mm (abgenutzt)
Dienstmasse: 108 t
108,86 t*
Reibungsmasse: 108 t
108,86 t*
Radsatzfahrmasse: 18,14 t (durchschnittlich)
Höchstgeschwindigkeit: 124 km/h
Installierte Leistung: 1193 kW
Leistungskennziffer: 10,81 kW/t*
11,0 kW/t
Anfahrzugkraft: 410 kN
Motortyp: EMD 16-567B
Motorbauart: 1 × Sechszehnzylinder-V-Dieselmotor mit Roots-Gebläse,
2-Takt, wassergekühlt, 149 l Hubraum
Nenndrehzahl: 835 min−1
Leistungsübertragung: elektrisch
Fahrmotoren: 6 × EMD D27
Antrieb: Tatzlager
Übersetzungsverhältnis: 3,529 : 1
Lokomotivbremse: Druckluft, teilweise Widerstandsbremse[2], Handbremse
Zugbremse: Druckluft
Kleinster Halbmesser: 59 m (84 m mit Zug)
Kupplungstyp: Janney (Umrüstung auf andere Bauarten möglich)
Zugheizung: teilweise Dampf
Tankinhalt: 3028 l*
6057 l
* mit Dampfheizung
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Geschichte

Beschaffung

Der Koreakrieg und die Verschärfung des Kalten Krieges zu Beginn der 1950er Jahre führte dazu, dass sich das United States Army Transportation Corps (USATC) auf einen möglichen neuen Landkrieg in Europa vorbereitete. Es wurde eine Lokomotive benötigt, die in vielen Ländern mit unterschiedlichen Spurweiten und Systemen eingesetzt werden konnte. Die wichtigsten Baumerkmale waren Spurwechselradsätze, ein kompakter Aufbau zur Einhaltung enger Fahrzeugbegrenzungslinien, eine geringe Achslast, austauschbare Kupplungen sowie eine Leistung von 1600hp, also 1193kW.[3]

Es erfolgte eine Ausschreibung, an der sich General Motors (GM) und General Electric (GE) beteiligten. Beide Unternehmen wurden mit der Herstellung von dreizehn Lokomotiven beauftragt, die dann vom USATC bewertet werden sollten. 1952 lieferten die Hersteller ihre Baumusterlokomotiven. Mit fast 500.000USD (umgerechnet heute über 5Mio.USD) pro Fahrzeug waren diese mehr als dreimal so teuer wie vergleichbare Regelbauarten von Diesellokomotiven zu dieser Zeit. Die bei der American Locomotive Company (ALCo) gebauten GE-Maschinen gewannen die Tests und GE erhielt den Auftrag zum Bau einer weiteren Serie von 70 Lokomotiven des Typs MRS-1. Für die MRS-1 von EMD folgte keine Serienproduktion. Die dreizehn Vorserienmaschinen mit den Fabriknummern 15873 bis 15885 erhielten vom USATC die Betriebsnummern 1808 bis 1820.

Kaltwettertests

Die Lokomotive 1820 wurde nach ihrer Auslieferung bei kalten Wintertemperaturen erprobt. Über die Belt Railway of Chicago und per Schiff gelangte sie dafür im November 1952 nach Kanada, wo sie von der Canadian National Railway (CN) auf der Hudson Bay Railway zwischen The Pas und Churchill eingesetzt wurde. Im Mai 1953 kehrte sie nach Chicago zurück und wurde dort auf übermäßigen Verschleiß untersucht, wobei man keine Auffälligkeiten feststellte. Anschließend wurde sie nach Fort Eustis (Virginia) überführt und dort im Plandienst sowie für Personalschulungen verwendet.

Die 1809 wurde einem dreijährigen Kaltwettereinsatz bei der Alaska Railroad (ARR) unterzogen. Die U.S. Army stellte die 1955 mit dem Schiff zurückgebrachte Lokomotive nach einem Werkstattbesuch im Lager ab.

Einsatz in Europa

Die 1818 wurde den europäischen Normen entsprechend ausgestattet und nach Europa verschifft, um den Ablauf zu üben und Personal für den Einsatz in anderen Ländern auszubilden. Zudem sollten die Fähigkeiten der US-amerikanischen Lokomotivhersteller, in diesem Falle EMD, demonstriert werden. Ausgiebige Versuchsfahrten fanden auf dem Streckennetz der Deutschen Bundesbahn (DB) im Schnellzug-, Güterzug- und Rangierdienst statt. Anschließend wurde die 1818 bei der Société nationale des chemins de fer français (SNCF) in Frankreich und bei der Société nationale des chemins de fer belges (SNCB) in Belgien getestet. Der Einsatz in Belgien war für EMD erfolgreich, da die SNCB bald darauf bei der Société Anglo-Franco-Belge (AFB) die von EMD lizenzierten Lokomotiven der Baureihe 202 in Auftrag gab.

Militäreinsatz

Die meisten von EMD gebauten MRS-1 wurden fabrikneu im Reservelager Marietta abgestellt. Sie waren nicht für den Einsatz in Friedenszeiten gekauft worden und deshalb höchstens einige Wochen in Verwendung. Ende der 1960er Jahre entschied das Pentagon, dass in zukünftigen Kriegen nicht mehr die Übernahme und Verwendung des feindlichen Eisenbahnsystems erfolgen sollte. Somit waren die 96 von EMD und ALCo gelieferten Maschinen für ihren ursprünglichen Zweck überflüssig. Viele verließen das Lager und wurden auf militärische Einrichtungen im ganzen Land verteilt. Die EMD-Maschinen kamen zur U.S. Navy, zum Military Ocean Terminal Sunny Point (MOTSU) und zur Vandenberg Air Force Base. Bei der U.S. Navy erhielten die ursprünglich schwarz lackierten Fahrzeuge eine dunkelgelbe Farbgebung. Bis 1999 wurden alle ausgemustert. Fünf der dreizehn gebauten Lokomotiven blieben museal erhalten.

Alaska Railroad

Der Versuch von 1952 bis 1955 mit der 1809 war nicht der letzte Einsatz einer EMD MRS-1 bei der Alaska Railroad. 1977 wurden fünf Maschinen der U.S. Navy nach Alaska verkauft und dort zusammen mit einigen von ALCo gebauten MRS-1 eingesetzt. Bei der Alaska Railroad wurden die 1814 und 1818 in 1714 und 1718 umgezeichnet und blau-gelb lackiert, die anderen behielten die Nummern sowie die dunkelgelbe Farbgebung der U.S. Navy.

Technik

Die Lokomotiven besitzen einen aus dicken Stahlblechen in geschweißten Rahmen. Dieser liegt auf zwei dreiachsigen Drehgestellen auf und dient als Unterbau für das deutlich breitere Führerhaus sowie einen kleinen und einen großen Vorbau mit den Maschinenräumen.

Die MRS-1 von EMD kann leicht mit der gleichnamigen und äußerlich sehr ähnlichen Konstruktion von ALCo verwechselt werden. Daher sollen hier einige äußere Unterscheidungsmerkmale genannt werden. Das Dach der EMD-Maschinen läuft in der Mitte von beiden Längsseiten spitz zusammen, das von ALCo ist flach und abgerundet. Bei EMD ist der kleine Vorbau niedriger als der große Vorbau und das Führerhaus, bei ALCo haben die Aufbauten über die gesamte Länge die gleiche Höhe. Bei EMD haben die Seitenumläufe einen Absatz, bei ALCo bleibt deren Höhe bis an die Enden der Lok unverändert. Die Drehgestellrahmen der EMD-Lokomotiven liegen deutlich tiefer als bei denen von ALCo. Zudem befinden sich zwischen den Drehgestellen bei EMD zwei Batteriekästen, zwei Kraftstofftanks und entlang des Rahmens beidseits zwei Druckluftbehälter, bei der AlCo-Variante dagegen ein großer durchgängiger Kraftstofftank und nur ein Druckluftbehälter auf jeder Seite.

Die Drehgestelle sind in der Schwanenhalsbauweise mit drei Treibradsätzen ausgeführt. Der Antrieb erfolgt durch Gleichstromfahrmotoren des Typs D27. Die Abfederung senkrechter Bewegungen übernehmen Schraubenfedern, die Kraftübertragung in Quer- und Längsrichtung ein mittig angeordneter Drehzapfen. Die Lokomotiven besitzen Spurwechselradsätze, die für einen weltweiten Einsatz auf 1435, 1524, 1668 und 1676mm Spurweite eingestellt werden können. Die Bremseinrichtung besteht aus einer direkten Druckluftbremse der Lok, einer indirekten Druckluftbremse des gesamten Zuges, teilweise einer Widerstandsbremse sowie einer Handbremse.

Das Führerhaus befindet sich zwischen den beiden Maschinenräumen und hat eine beidseitig bedienbare Steuereinheit. Die Vorbauten sind von außenliegenden Seitenumläufen über Türen erreichbar und beinhalten den Dieselmotor, den Haupt- und Hilfsgenerator, die Kühlanlage, den elektrischen Schaltschrank und die Hilfsbetriebe. Dabei sind der Motor mit Zubehör und die Generatoren zusammen im langen Vorbau untergebracht.

Der mit einem Roots-Gebläse ausgestattete Dieselmotor des Typs 16-567B ist ein Sechzehnzylinder-Zweitaktmotor mit einer Leistung von 1193kW, einem Hubraum von 149l und einer Nenndrehzahl von 835min−1. Der stündliche Kraftstoffverbrauch liegt zwischen 13l im Leerlauf und 360l unter Volllast.[4] Der Motor treibt den Hauptgenerator des Typs D14 an, der die elektrischen Fahrmotoren mit Gleichstrom versorgt und eine maximale Spannung von 600V erzeugen kann. Zudem wird vom Dieselmotor auch der deutlich schwächere Hilfsgenerator des Typs A8102 mit einer Leistung von 80kW angetrieben, der den Wechselstrom für das Bordnetz für Beleuchtung und Hilfsbetriebe liefert.

Einige Lokomotiven verfügten über eine Dampfheizanlage, deren Speisewassertank einen der beiden Dieselkraftstofftanks von jeweils 3028l ersetzte.[5]

Lister erhaltener Fahrzeuge

Fabriknummer Betriebsnummer Verbleib
15874 1809 Vandenberg Air Force Base; 1982 an Pacific Southwest Railway Museum in Campo
15876 1811 Sunny Point Army Depot; 1995 an U.S. Army Transportation Museum in Fort Eustis
15878 1813 1990 an Heber Valley Railroad; 2023 an Coffee Depot in Mount Pleasant
15883 1818 1970 an U.S. Navy als 574; 1977 an Alaska Railroad als 1718, 1999 ausgemustert; 2000 an Museum of Alaska Transportation and Industry in Wasilla
15885 1820 1982 an Pacific Southwest Railway Museum in Campo
Quelle:[6]

Fotos

Einzelnachweise

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