EMD SD70MAC

erste Serienlok mit Wechselstrommotoren in Nordamerika (1993–2004) From Wikipedia, the free encyclopedia

SD70MAC ist die Herstellerbezeichnung für eine Reihe dieselelektrischer Güterzuglokomotiven, die zwischen 1993 und 2007 als Teil der SD-Serie von General Motors Electro-Motive Division (EMD) in 1109 Exemplaren hergestellt wurde. Sie ist die Wechselstromausführung der Reihe SD70M und konkurrierte mit der Reihe AC4400CW von GE Transportation Systems (GETS). 2004 wurde sie durch das Nachfolgemodell SD70ACe abgelöst.

Schnelle Fakten
EMD SD70MAC
ARR 4324 in Alaska (Februar 2018)
ARR 4324 in Alaska (Februar 2018)
ARR 4324 in Alaska (Februar 2018)
Nummerierung: siehe Lieferliste
Anzahl: 1109
Hersteller: General Motors Electro-Motive Division
Baujahr(e): 1993–2007
Achsfolge: Co’Co’
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Länge über Kupplung: 22560 mm
Breite: 3120 mm
Höhe: 4760 mm
Drehgestellachsstand: 4140 mm
Treibraddurchmesser: 1016/1067 mm
Dienstmasse: 188 t
Reibungsmasse: 188 t
Radsatzfahrmasse: 31,4 t
Höchstgeschwindigkeit: 113 km/h
Installierte Leistung: 2980/3210 kW
Leistungskennziffer: 15,8/17,0 kW/t
Anfahrzugkraft: 780 kN
Motortyp: EMD 16-710G3B, später
EMD 16-710G3C-T1
Motorbauart: 1 × Sechzehnzylinder-V-Dieselmotor mit Abgasturbolader,
2-Takt, wassergekühlt,
186,0 l Hubraum
Nenndrehzahl: 904 min−1
Leistungsübertragung: elektrisch
Fahrmotoren: 6 × GM 1TB2630
Antrieb: Tatzlager
Übersetzungsverhältnis: 1 : 4,12
Lokomotivbremse: Druckluftbremse, Widerstandsbremse, Handbremse
Zugbremse: Druckluftbremse
Kleinster Halbmesser: 61 m
Kupplungstyp: Janney
Steuerung: Mehrfachtraktions-steuerung
Zugheizung: elektrisch*
Tankinhalt: 18900 l
* Fahrzeuge der Alaska Railroad
Quellen:[1][2][3]
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Geschichte

Nachdem mangelnde Ausgaben für die Fahrzeugentwicklung ebenso wie die Unzuverlässigkeit der Reihe SD50 den Ruf des Lokomotivherstellers General Motors Electro-Motive Division (EMD) nachhaltig geschädigt hatten, übernahm 1987 der Konkurrent GE Transportation Systems (GETS) die führende Stellung im US-amerikanischen Lokomotivbau.[2][4][5] Die Reihe SD60 sicherte EMD die Existenz, doch erst mit der Reihe SD70 und ihren Nachfolgemodellen gelang es dem Hersteller, seine frühere Bedeutung teilweise wiederzugewinnen.[2][4] Zu den wichtigsten Neuerungen gehörten die selbstlenkenden HTCR-Drehgestelle, welche den Verschleiß an Laufwerk und Schienen reduzierten, sowie eine verbesserte elektronische Steuerung und ein überarbeiteter Dieselmotor.[2]

Mit zwei Prototypen der Reihe SD60MAC hatte EMD im Juni1991 den Drehstromantrieb eingeführt, der sich in den nächsten zwei Jahrzehnten gegen den bisher üblichen Gleichstromantrieb durchsetzte.[4] Diese Prototypen dienten als Vorlage für das Modell SD70MAC, welches parallel zum Gleichstrommodell SD70M angeboten und seit November1993 in Serie gebaut wurde.[2] Bis 2007 wurden 1109 Fahrzeuge an die Alaska Railroad (ARR)[6], die Burlington Northern Railroad (BN)[2] sowie ihren Nachfolger, die Burlington Northern and Santa Fe Railway (BNSF)[2], Conrail (CR)[7], CSX Transportation (CSXT)[8] und Transportación Ferroviaria Mexicana (TFM)[9] verkauft. Weil die Reihe SD70MAC die durch die Environmental Protection Agency (EPA) für den 1.Januar2005 beschlossene Abgasnorm TierII nicht erfüllte, entwickelte EMD in den frühen 2000er Jahren das Nachfolgemodell SD70ACe, dessen Serienproduktion im April2004 begann.[10]

Durch Modernisierungen und Umbauten entstanden aus dem ursprünglichen Modell SD70MAC zum einen die Reihe SD70MACe mit neuer elektrischer Ausrüstung von Mitsubishi für BNSF, CSXT und die Kansas City Southern Railway (KCS), zum anderen die Reihe SD70MACH mit der Achsfolge (Bo1)(1Bo) und elektrischer Zugheizung für die Metra (METX).[11]

Technische Beschreibung

Der Hauptrahmen, welcher den Vorbau, den Führerstand und die Aufbauten des Maschinenraums trägt, stützt sich auf zwei dreiachsige selbstlenkende Drehgestelle des Modells HTCR-II mit Schraubenfedern als Primär- und Gummifedern als Sekundärfederung.[1][2] Drehzapfen dienen zur Übertragung der horizontalen Kräfte auf den Hauptrahmen. Die Dienstmasse der Lokomotive liegt bei 188t, woraus sich eine mittlere Achslast von 31,4t ergibt.[1][2]

Der Vorbau beinhaltet unter anderem zwei von außen befüllbare Sandkästen für die pneumatisch betriebene Sandstreueinrichtung. An beiden Enden des Fahrzeugs ist eine durch Geländer gesicherte Plattform vorhanden. Hinter dem Führerstand befinden sich der größte Teil der elektrischen Ausrüstung und unter dem Dach die Bremswiderstände. In der Mitte des Fahrzeugs ist die aus Dieselmotor und Hauptgenerator bestehende Antriebsanlage angeordnet. Der Dieselmotor des Typs EMD16-710G3B mit 186,0l Hubraum ist ein wassergekühlter Sechzehnzylinder-V-Motor mit Abgasturbolader, arbeitet nach dem Zweitaktprinzip und liefert bei einer Drehzahl von 904min−1 eine Leistung von 2980kW.[1][2] Fahrzeuge ab Baujahr 2002 besitzen einen Motor des Modells 16-710G3C-T1 mit einer Leistung von 3210kW und sind an der geänderten Form ihrer Kühlanlage erkennbar, welche an die der Reihe SD45 erinnert.[3] Der vom Dieselmotor angetriebene Wechselstrom-Hauptgenerator GMTA17 versorgt die sechs Tatzlager-Wechselstromfahrmotoren des Typs GM1TB2630.[1][2] Das Übersetzungsverhältnis zwischen Fahrmotor und Radsatz beträgt 1:4,12, die resultierende Höchstgeschwindigkeit 113km/h und die Anfahrzugkraft 780kN.[1][2] Ein kleinerer Wechselstromgenerator des Modells GMCA7A dient als Erregermaschine des Hauptgenerators und der Hilfsgenerator GMA8589 zur Versorgung des Bordnetzes.[1][2] Den hinteren Abschluss des Maschinenraums bildet die Kühlanlage. Zwischen den Drehgestellen befindet sich der Kraftstofftank mit einem Fassungsvermögen von 18900l, über dem beiderseits des Lokomotivrahmens ein Hauptluftbehälter angeordnet ist.[1][2]

Eine indirekt wirkende Druckluftbremse dient als Zugbremse, eine direkt wirkende Druckluft-Zusatzbremse als Lokomotivbremse und eine Handbremse zur Sicherung im Stand. Die pneumatische Bremsausrüstung stammt von Westinghouse.[1][2] Die Fahrzeuge verfügen zudem über eine Widerstandsbremse sowie eine Mehrfachtraktionssteuerung.[2]

Lieferliste

Weitere Informationen Käufer, Baujahre ...
Käufer Baujahre Anzahl Nummerierung Anmerkungen
ARR 19992007 0028 40014016, 4317–4328
BN 1993–1995 0311 9400–9499, 9504–9710, 9713–9716 1995 übernommen durch BNSF
BNSF 1996–2000 0475 8800–8989, 9711–9712, 9717–9999 teilweise umgebaut in SD70MACe;
teilweise ausgemustert und verkauft/zerlegt
CR 1998 0015 4130–4144 1999 übernommen durch CSXT
CSXT 1997–2004 0205 700–774, 4701–4830 teilweise umgebaut in SD70MACe;
teilweise ausgemustert und verkauft/zerlegt
TFM 1999–2000 0075 1600–1674 2005 übernommen durch KCSM;
teilweise umgebaut in SD70MACe
gesamt: 1993–2007 1109
Quellen:[2][12][13][14][15][16]
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Fotos

Commons: EMD SD70MAC – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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