Ebo Taylor
ghanaischer Gitarrist, Sänger, Liedtexter, Produzent und Bandleader
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Ebo Taylor (bürgerlich Deroy Taylor; * 6. Januar 1936 in Cape Coast, Goldküste, jetzt Ghana; † 7. Februar 2026 in Saltpond) war ein ghanaischer Gitarrist, Sänger, Liedtexter, Produzent und Bandleader, der seit den 1960er-Jahren als bedeutender Vertreter des Highlife und als wichtiger Bezugspunkt für afrodiasporische Popmusik gilt.[1][2]

Leben
Taylor wurde 1936 in Cape Coast geboren und trat ab den späten 1950er-Jahren mit bedeutenden Highlife-Formationen wie The Stargazers und der Broadway Dance Band auf.[2] Anfang der 1960er-Jahre lebte er in London, studierte an der Eric Gilder School of Music und arbeitete dort mit der afrikanischen Musikerszene, darunter Fela Kuti; 1965 kehrte er nach Ghana zurück und führte eigene Gruppen wie die New Broadway Dance Band und die Blue Monks an.[3]
In Ghana wurde Taylor zugleich zu einem gefragten Arrangeur und Produzenten, und er arbeitete mit namhaften Künstlern wie Pat Thomas und C. K. Mann.[2] Nach einer produktiven Solophase verlegte er seinen Schwerpunkt für längere Zeit auf die Studioarbeit für andere und auf den Unterricht an der University of Ghana.[1]
2010 leitete sein international beachtetes Comeback mit dem Album Love & Death eine späte Karrierephase ein, die ihm ein neues Publikum erschloss.[4] Im Jahr 2018 erlitt Taylor einen Schlaganfall; seither war seine Kommunikation auf Englisch eingeschränkt, weshalb sein Sohn und musikalischer Leiter Henry Taylor ihn in organisatorischen und kreativen Fragen zunehmend vertrat.[1] 2022 absolvierte Taylor auf Einladung von Jazz Is Dead seine ersten US-Auftritte.[1]
Taylor starb Anfang Februar 2026[5] im Alter von 90 Jahren in einem Krankenhaus in Saltpond. Einen Tag vor seinem Tod hatte er noch das Ebo Taylor Festival eröffnet.[6]
Wirken
Als Komponist, Gitarrist und Sänger verband Taylor traditionelle ghanaische Rhythmen und Liedformen mit Jazz-Harmonik, Funk-Grooves und Elementen des entstehenden Afrobeat und trug so maßgeblich zur Popularisierung des Highlife in und außerhalb Ghanas bei.[1] Seine ästhetische Entwicklung war von einer transatlantischen Wechselwirkung geprägt: In London arbeitete er eng mit der afrikanischen Musikszene, darunter Fela Kuti, zusammen, integrierte Jazz-Idiome in Highlife-Strukturen und prägte dadurch Klang und Selbstverständnis einer Generation ghanaischer Gruppen.[3]
Mit Love & Death (2010) fand er international neue Beachtung und öffnete sich einem jüngeren Publikum von DJs, Produzenten und Sammlern.[4] Es folgten Appia Kwa Bridge (2012) und Yen Ara (2018), die seine Verbindung von Fante-Traditionen, Highlife und Funk fortführten.[3] 2025 veröffentlichte er mit Adrian Younge und Ali Shaheed Muhammad das Album Ebo Taylor JID022 in der Reihe Jazz Is Dead.[7] Kritiken hoben dabei hervor, dass Taylor – nach dem Schlaganfall 2018 und ohne Gitarre – seine Musik vor allem stimmlich und konzeptionell anleitete, während sein Sohn Henry als Bindeglied im Studio fungierte.[8]
Samples und Referenzen auf Taylors Arbeiten fanden in den 2010er-Jahren unter anderem in Titeln von Usher, den Black Eyed Peas und Vic Mensa Verwendungen und trugen wesentlich zu seiner weltweiten Wiederentdeckung bei.[1] Über sechs Jahrzehnte galt er in Ghana und in der Diaspora als Brückenfigur zwischen traditionellen und modernen Klangwelten, deren Werk die Entwicklung populärer afrikanischer Musik stark beeinflusste.[2]
Weblinks
- Ebo Taylor bei Discogs
- Ebo Taylor bei AllMusic (englisch)
- Ebo Taylor in WorldCat