Eckes-Granini Group
Deutsche internationale Unternehmensgruppe
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Die Eckes AG ist die Konzernobergesellschaft der Eckes-Granini Group, eines Herstellers von Fruchtgetränken mit Sitz in Nieder-Olm. Eckes befindet sich seit der Gründung 1857 im Familienbesitz.
| Eckes Aktiengesellschaft | |
|---|---|
| Rechtsform | AG |
| Gründung | 1857 |
| Sitz | Nieder-Olm, |
| Leitung |
|
| Mitarbeiterzahl | 1.636 (FTE) (2023)[1] |
| Umsatz | 983 Mio. EUR (2023)[1] |
| Branche | Getränkeherstellung |
| Website | www.eckes-granini.com |
| Stand: 31. Dezember 2023 | |
Ursprünge und Geschichte

Der Spediteur und Landwirt Peter Eckes (1804–1873) gründete 1857 in Nieder-Olm eine Destillerie mit Weinnebenprodukten.[2] Die Nachkommen von Peter Eckes erweiterten Landwirtschaft und Brennerei. Neben Spirituosenfabrikation und Herstellung von Weinbeeröl und Reinweinstein kam 1922 der Halbfabrikatverkauf zur Herstellung von Fertigerzeugnissen dazu. Ebenfalls in den 1920er Jahren begann das Unternehmen mit der Herstellung und Vermarktung von Fruchtsäften, basierend auf der Idee, die amerikanische Kultur des Orangensaftkonsums in Deutschland einzuführen. Ludwig Eckes gewann zu diesem Zweck Julius Koch, der damals das Institut für Obst- und Gemüseverwertung an der Forschungsanstalt Geisenheim leitete. Er baute ihm ein eigenes Institut für Getränkeforschung in Nieder-Olm. Im November 1957 wurde die Marke hohes C in das Warenzeichenregister eingetragen;[3] die Markteinführung des ersten trinkfertigen Orangensafts in Flaschen folgte 1958.[4]
Auch Spirituosen wurden weiter hergestellt. So wurde unter Verwendung des Geburtsnamens der Ehefrau von Ludwig Eckes, Marianne Eckes-Chantré, als Marke (Chantré) Weinbrand vertrieben. 1961 wurde außerdem die Marke Zinn 40, eine klare Spirituose aus Wein, in den Handel eingeführt. Eine weitere Produktinnovation, die durch Eckes eingeführt wurde, ist das weinhaltige Getränk Criss, das 1974 ein neues Marktsegment eröffnete. 1988 wurde die Sorte hohes C mit Fruchtfleisch eingeführt.[5] Nach der Wiedervereinigung Deutschlands kaufte Eckes den Traditionsbrenner Nordbrand aus Nordhausen (Nordhäuser Korn) und verlagerte einen Teil seiner Spirituosenproduktion. Viele Mitarbeiter mussten in die neuen Bundesländer wechseln oder sich eine neue Beschäftigung suchen. 1993 übernahm Eckes unter anderem SIÓ-Eckes (Ungarn).[6] Ein Jahr später folgte die Übernahme von 74 Prozent an granini von der Melitta-Gruppe, 2006 die Gesamtübernahme.[7] 1995 kaufte Eckes den italienischen Spirituosenhersteller Stock S.p.A. Die Tochtergesellschaft Eckes & Stock GmbH war in Deutschland, Österreich, Slowakei, Tschechien und Italien einer der führenden Markenspirituosen-Hersteller mit Marken wie Chantré, Mariacron, Grappa Julia und Stroh Inländer Rum. In der Folgezeit versuchte man, die bekannten Markennamen für die Einführung diverser internationaler Markenweinlinien zu nutzen. So entstanden Collection de Chantré (französische Weine), Mederaño de Freixenet (spanische Weine) und Passione di JULIA (italienische Weine). Über ein Joint Venture mit Freixenet vertrieb die Unternehmensgruppe darüber hinaus bis zum Jahr 2006 Cava in Deutschland.
Seit 2001 gehört die finnische Fruchtsaftmarke Marli zu Eckes-Granini. Das französische Fruchtgetränk-Unternehmen Joker und die 1998 übernommene Gesellschaft Les Vergers d’Alsace bilden seit 2002 die Landesgesellschaft Eckes-Granini France. Im selben Jahr wurde in Österreich die Eckes-Granini Austria als 100-prozentige Tochtergesellschaft der Eckes-Granini-Gruppe gegründet.[8]
Seit 2006 stellt das Unternehmen ausschließlich Fruchtsäfte und fruchthaltige Getränke her, das deutsche Spirituosengeschäft wurde im November 2006 an die Rotkäppchen-Mumm Sektkellereien verkauft. Dabei handelte es sich teilweise um ein innerfamiliäres Geschäft, denn Rotkäppchen-Mumm gehört mehrheitlich der Familie Harald Eckes-Chantré. Im Jahr 2006 folgte die Akquisition des Fruchtsaftherstellers Elmenhorster in Litauen. Im Jahr 2007 veräußerte das Unternehmen den internationalen Teil des Spirituosengeschäfts an den Finanzinvestor Oaktree Capital Management. Damit stieg die Eckes-Granini Group komplett aus dem Spirituosengeschäft aus.[9] Im selben Jahr erfolgte außerdem die Akquisition der Brämhults Juice, einem schwedischen Hersteller von Premium-Fruchtsaft.[10]

Ende 2012 erwarb das Unternehmen den österreichischen Fruchtsafthersteller Pago von der österreichischen Brau Union. Im Jahr 2016 übernahm die Eckes-Granini-Gruppe die Rynkeby Food in Dänemark[11] und wurde zugleich Partner und Hauptsponsor der internationalen Charity-Radsportinitiative Team Rynkeby: 2002 waren elf Rynkeby-Mitarbeiter mit dem Rad nach Frankreich gestartet, um die letzte Etappe der Tour de France anzusehen und auf dem Weg Spenden zu sammeln. Dabei kamen 5000 Euro zusammen, die an die Kinderkrebsstation des Universitätsklinikums in Odense gespendet wurden. Inzwischen starten mehr als 2000 Freizeitsportler in 59 Teams aus Dänemark, Schweden, Finnland, Norwegen, von den Färöer-Inseln, aus Island, Deutschland und der Schweiz zur jährlichen Sternfahrt nach Paris. Seit Gründung der Initiative wurden Spendengelder in Höhe von mehr als 75 Millionen Euro erreicht. 2018 startete erstmals das Team Rynkeby-hohes C von der Unternehmenszentrale in Nieder-Olm nach Paris und sammelte Spendengelder für die Deutsche Kinderkrebsstiftung. In der Saison 2020/21 nahmen erstmals Mitarbeitende aus sämtlichen Landesgesellschaften der Unternehmensgruppe teil.[12]
Mitte 2018 erwarb die Eckes-Granini Group 35 % der Anteile an dem Smoothie-Produzenten true fruits.[13] Im März 2021 erwarb Eckes-Granini eine Minderheitsbeteiligung von 49 % am 2015 gegründeten fränkischen Ingwershot-Startup Curameo und der zugehörigen Bio-Marke Kloster Kitchen.[14] Im Juli 2022 wurde dieser Anteil an die Altgesellschafter zurückverkauft.[15]
Im Dezember 2024 erwarb Eckes-Granini 100 Prozent des Fruchtsaftkonzentrat-Hersteller Wolfgang Jobmann aus Hamburg, welcher unter anderem die Marken Oranka und Frisco produziert.[16][17]
Marken und Produkte
Stand 2024 bietet Eckes-Granini ausschließlich Fruchtsäfte bzw. darauf basierende Produkte an. Zum Portfolio gehören unter anderem Granini (20 %) und Pago (7 %) sowie nationale und regionale Marken wie hohes C (20 %) in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Ungarn, Joker (13 %) in Frankreich, YO (3 %) in Österreich, Deutschland und Tschechien, God Morgon (8 %), Brämhults (3 %) und Rynkeby (6 %) in den nordischen Ländern, Marli (3 %) in Finnland, SIÓ (3 %) in Ungarn, Elmenhorster (1 %) in Litauen und Mehukatti (< 1 %) in Finnland.[18] (Anteile des Gesamtumsatzes 2021, soweit aufgeschlüsselt, in Klammern)[19]
Kontroversen
Die Verbraucherzentrale Hamburg verlieh Anfang 2025 Granini Trinkgenuss Orange den Negativpreis „Mogelpackung des Jahres 2024“. Der Hersteller hatte – bei gleichem Preis – die Hälfte des Fruchtsafts durch Zuckerwasser ersetzt. Laut Fruchtsaft- und Erfrischungsgetränkeverordnung darf Trinkgenuss seither nicht mehr als Fruchtsaft, sondern nur noch als Fruchtnektar in den Handel gebracht werden.[20][21]
Anfang 2025 erklärte Eckes-Granini, das beanstandete Produkt als eigenständiges Angebot innerhalb der Nektar-Range neu auf den Markt gebracht und der Fruchtsaft- und Erfrischungsgetränkeverordnung entsprochen zu haben; alle Inhaltsstoffe seien auf dem Produktetikett aufgeführt.[22] Allerdings sah das „neue“ und „eigenständige“ Produkt mit halbem Fruchtsaftgehalt nahezu exakt wie das frühere Produkt mit vollem Fruchtsaftgehalt aus, lediglich die Angabe „100 % Fruchtsaft“ war entfernt (und nicht etwa durch „50 % Fruchtsaft“ ersetzt) worden. Die Verbraucherzentrale nannte das eine „besonders dreiste Trickserei“.[23]
