Edith Samuel
deutsch-israelische Bildhauerin, Grafikerin, Zeichnerin, Kinderbuchautorin und Puppenmacherin
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Edith Samuel (hebräisch אדית סמואל; geboren am 28. November 1907 in Essen; gestorben am 1. Juni 1964 in Rischon LeZion) war eine deutsch-israelische Bildhauerin, Grafikerin, Zeichnerin, Kinderbuchautorin und Puppenmacherin.

Biografie
Familie
Edith Samuels Mutter Anna Friedländer war als Künstlerin ausgebildet worden. Sie war Leiterin des Israelischen Frauenvereins. Ihr Vater Salomon Samuel war Rabbiner der jüdischen Gemeinde in Essen. Edith Samuel wuchs als jüngstes Kind mit ihrem Bruder Ludwig (Elieser), ihrer Schwester Eva (Chava) und ihrem Bruder Hans Jochanan Samuel in Essen auf. Sie wurde mit einer Fehlbildung geboren.[1]
Ihre Eltern und ihre Tante Cäcilie wurden am 20. August 1941 nach Theresienstadt deportiert, wo alle drei im Oktober 1942 umgekommen sind.[1]
Ausbildung und beruflicher Einstieg
Edith Samuel besuchte die Handwerker- und Kunstgewerbeschule Essen.[1] Anschließend wurde sie an der Kunstakademie Düsseldorf bis zur Meisterklasse ausgebildet. Auf Wunsch des Vaters, der sich für seine Tochter einen Beruf mit sicherem, eigenständigen Einkommen wünschte, wechselte sie an das städtische Werklehrerseminar in Gelsenkirchen. Edith Samuel arbeitete über mehrere Jahre als Lehrerin in Schulen sowie im jüdischen Kinderhort in Essen. Zu Beginn der Zeit des Nationalsozialismus wurde sie 1933 als Jüdin aus dem Schuldienst entlassen.[2]
Nach der Pensionierung des Vaters im Dezember 1932 zogen die Eltern nach Berlin. Edith Samuel folgte der Familie nach ihrer Entlassung aus dem Schuldienst. In Berlin veröffentlichte sie selbst illustrierte Kinderbücher. Sie illustrierte auch Bücher anderer Autoren und veröffentlichte Geschichten und Zeitungsartikel. Für ein von ihr gegründetes Marionettentheater schrieb sie die Geschichten und fertigte die Puppen.[2]
Puppenmacherin


Edith Samuel zeichnete und modellierte bereits seit ihrer Kindheit. Sie begann schon früh, Stoffpuppen nach realen Personen, z. B. Nachbarskindern, zu gestalten. Ihre Puppen stellte sie erstmals 1927 in einer Ausstellung von jüdischen Künstlern in Essen aus. Später folgten Präsentationen in verschiedenen deutschen Städten und Zürich.[2]
Als Puppenmacherin fertigte Edith Samuel Porträtpuppen von ca. 50 cm Höhe an. Viele davon waren Porträts jüdischer Kinder, die als Folge der nationalsozialistischen Verfolgung getrennt von den Eltern aufwuchsen und ins sichere Ausland geschickt worden waren.[2]
Im August 1939 emigrierte Edith Samuel ins britische Mandatsgebiet Palästina. Dort lebten im Ort Rischon LeZion bereits ihr Bruder Jochanan und ihre Schwester Eva. Eva Samuel hatte sich mit einer Werkstatt selbstständig gemacht und wurde eine bedeutende israelische Keramikkünstlerin. Edith Samuel bekam nach ihrer Ankunft den Auftrag, Papierspielzeug zu entwerfen und herzustellen. Später kamen sogenannte Trachtenpuppen hinzu, ca. 15 bis 20 cm hohe Puppen, die das Leben der verschiedenen Kulturen im Staat Israel darstellten.[3][2][1]
Edith Samuel fertigte jede ihrer Puppen als Unikat und verzichtete auf gestalterische Wiederholungen. Sie legte viel Wert auf die künstlerische und handwerkliche Qualität jeder Puppe. Edith Samuel begegnete der großen Nachfrage nicht mit Abstrichen in der Qualität des Entwurfs oder bei der Ausführung. Da sie den Preis für die Puppen nicht entsprechend des hineingesteckten Aufwands festlegen konnte, war ihr Verdienst nicht hoch. Einen großen Auftrag der Armee lehnte sie mit der Begründung ab, sie sei Pazifistin. Zu ihren Puppen gab es eine große Anzahl von Nachahmungen. Diese Plagiate waren nicht individuell gestaltet, schädigten jedoch ihr Geschäft.[2]
Ab 1945 interessierten sich Museen für ihre Arbeiten, zuerst in Israel, dann in der Türkei, Italien und Japan.[2]
Nachlass
Das Center for Jewish History in New York bewahrt Briefe von Edith Samuel und Fotos der Puppen als Teil der Marion Wolff Estate Collection auf. Die Stücke wurden dem Archiv kurz nach dem Tod von Edith Samuel übergeben.[1] In der Sammlung des Jüdischen Museums Berlin befinden sich Fotos von Puppen einer Ausstellung im Auftrag des Kulturbundes und der Künstlerhilfe der Berliner Jüdischen Gemeinde im Foyer des Berliner Theaters.[4]
Werke (Auswahl)
Ausstellungen (Auswahl)
- 1935 Ausstellung im Foyer des Berliner Theaters[4]
- 1945 Museum Bezalel, Jerusalem[2]
- 1987 Reise nach Jerusalem. Puppen von Edith Samuel (1907 - 1964), Galerie Calico Essen
- 1987 Reise nach Jerusalem. Puppen von Edith Samuel (1907 - 1964), Kreismuseum in Tecklenburg
- 1988 Reise nach Jerusalem. Puppen von Edith Samuel (1907 - 1964), Mindener Museum
- 2025 Widerstände. Jüdische Designerinnen der Moderne, Jüdisches Museum Berlin
Literatur
- Eva Samuel: Edith Samuel: Bildhauerin, Zeichnerin und Puppenmacherin aus Essen, in: Das Münster am Hellweg, Mitteilungsblatt des Vereins für Erhaltung des Essener Münsters, Münsterbauverein e.V., 31. Jahrgang, 1–2, 1978, S. 11–16.
- Angela Genger: Reise nach Jerusalem: Puppen von Edith Samuel (1907-1964), Verlag Alte Synagoge Essen, Essen, 1987, ISBN 978-3-9243-8414-2 Inhaltsverzeichnis
- Thomas Parent: Reise nach Jerusalem. Puppen von Edith Samuel (1907 - 1964), in: Aus westfälischen Museen, Landschaftsverband Westfalen-Lippe, Westfälisches Museumsamt, Münster, 4 (1988) 1, ISSN 0178-3912, S. 64–66: Ill.
- Marion Freyer-Wolff (Hrsg.): Mother of a Thousend: Selected Letters by Edith Samuel written between 1934 and 1947, Rockville, Maryland, 2014.[7]
- Julia Schweisthal: Jüdische Puppenkinder als Lebensbegleiter durch dunkle Jahrzehnte, in: Denkste: puppe, Siegen, 1/2021, Seite 33–41.
- Martina Strehlen: Eva und Edith Samuel. Pionierinnen des Kunsthandwerks in Israel, Reihe Donnerstagshefte, Heft 16, Klartext Verlag, Essen, 2022. ISBN 978-3-8375-2566-3
- Michael S. Friedlander (Hrsg.): Widerstände. Jüdische Designerinnen der Moderne, Ausstellungskatalog, Jüdisches Museum Berlin, Hirmer, 2025, ISBN 978-3-7774-4623-3, S. 202, 218.