Reinhold Wittig

deutscher Künstler, Spieleautor und Verleger From Wikipedia, the free encyclopedia

Reinhold Alex Wittig (* 2. Januar 1937 in Göttingen;[1]11. April 2026[2]) war ein deutscher Künstler und Spieleautor[3] sowie Planeten-Geologe.

Reinhold Wittig 2020 nach der Aufnahme in die Hall of Fame der Academy of Adventure Gaming Arts & Design

Leben und Wirken

Bronze gegossene Stele von Reinhold Wittigs Planetenweg in Göttingen (Goetheallee)

Reinhold Wittig war der Sohn des Feinmechanikers Carl Wittig und dessen Frau Magda, geb. Müller.[1]

Wittig studierte 1957–1963 Geologie, promovierte 1969 zum Dr. rer nat. und war hauptberuflich bis zu seiner Pensionierung 2002 als Akademischer Oberrat am Geologischen Institut der Georg-August-Universität Göttingen beschäftigt.[1] Er war in erster Ehe bis 1983 mit Erika Werdermann (* 1938) verheiratet.[1] Seit 1985 war er in zweiter Ehe mit Karin Mieth (* 1958) verheiratet.[1]

Nachdem sich Wittig bereits seit 1957 mit der Entwicklung von Spielen und Spielobjekten beschäftigte, gründete und leitete er ab 1976 den Spiele-Kleinverlag Edition Perlhuhn. Zusammen mit dem kleinen Kunsthandwerks-Familienbetrieb Driehoek im Norden Namibias wurde zudem ein afrikanischer Ableger des Verlags als Namibian Games gegründet. In der Herstellung werden Buschleute beschäftigt, die auch an der angepassten „afrikanischen“ Konzeption beteiligt werden. So werden z. B. landestypische Materialien genutzt, wie Lederspielpläne, Schnitzereien aus Weichholz, Makalani-Nüsse oder Schmucksteine.[4]

Ursprünglich zusammen mit seiner Ehefrau organisierte er von 1983 bis 2016 das jährlich stattfindende Göttinger Spieleautorentreffen. Aus dem Treffen gingen 1991 der Verein Spiele-Autoren-Zunft sowie das Fachblatt Spiel & Autor hervor. In diesem Zusammenhang wurde auch der von Wittig geprägte Begriff des „Spieleautors“ bekannt,[5] der 1988 dazu führte, dass der Name eines Spieleautors nicht mehr verborgen, sondern oben auf der Schachtel erscheint.[6]

Weiterhin trat Wittig regelmäßig als Bildender Künstler in Göttingen in Erscheinung. Außerdem war Wittig bekannter Sammler von Brotschneidemaschinen.[7][8][9]

Wittig als Spiele-Erfinder

Am 26. September 1976 gründete Wittig den Spielekleinverlag Edition Perlhuhn. Inzwischen sind dort über 100 Spiele erschienen, von denen mehrere durch die Jury Spiel des Jahres ausgezeichnet wurden. Seit den 1980er Jahren wurden auch Spiele von fremden Autoren ins Programm aufgenommen. Der Sitz der Edition Perlhuhn „Spiel und Kunst“ war ursprünglich Göttingen und ist Dreieich.[10]

Auszeichnungen

Würfelspiel Das Spiel

Neben der Verleihung der Ehrenmedaille der Stadt Göttingen im Jahr 2003[11] erhielt Wittig für folgende Spiele diverse Auszeichnungen:

  • Spiel des Jahres
    • 1981 Ombagi: Auswahlliste
    • 1982 Baubylon: Auswahlliste
    • 1983 Riombo: Auswahlliste
    • 1987 Maritim: Auswahlliste
    • 1990 Dino: Auswahlliste

2020 wurde Wittig in die Hall of Fame des Origins Award aufgenommen.[12]

Wittig als Künstler und Marionettenspieler

Reinhold Wittig war Initiator des von ihm geschaffenen und 2003 eingeweihten Göttinger Planetenweges[13][14][15] sowie Initiator des Göttinger Kunstmarkts.[11] Für die Haupteingangsstraße in der Innenstadt von Göttingen, die Weender Straße, schuf Wittig 1974 als beispielhaftes Spielobjekt im Öffentlichen Raum die „Spiellokomotive“.[16] Für den Göttinger Geopark im Umfeld des Geowissenschaftlichen Zentrums der Universität Göttingen entwarf er 1990 die steinerne Installation „König Artus Tafelrunde“.[17]

Seit 1956 beschäftigte Wittig sich mit Marionettenbau und gründete 1964 in Göttingen das Puppenspieltheater »Collegium magicum«.[1] Ein Teil seiner Marionettensammlung ist 2026 an das Stadtmuseum München übergeben worden.[18]

Schriften

  • Stratigraphie und Tektonik des gefalteten Paläozoikums im Unterwerra-Sattel. Dissertation Universität Göttingen 1967.
  • (als Herausgeber): Göttinger Lesebuch zum Planetenweg. Planet Poster Edition, Göttingen 2003, ISBN 978-3-933922-96-0.

Literatur

  • Thomas Appel: Göttinger Künstlerlexikon. Maler – Grafiker – Bildhauer – Architekten: vom 14. Jahrhundert bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts. Universitätsverlag Göttingen, Göttingen 2022, ISBN 978-3-86395-504-5, S. 557 f. (Digitalisat auf univerlag.uni-goettingen.de, abgerufen am 4. März 2026) – enthält auf S. 558 eine Liste der Kunstwerke.
  • Matthias Wittig (Hrsg.): Reinhold Wittigs Collegium magicum. Verlag Ketteler, Dortmund 2023, ISBN 978-3-98741-071-0.[19]
  • Michael Brakemeier: Wohnen zwischen Marionetten und Meteoriten. Reinhold Wittig hat seine Wohnung im Göttinger Ostviertel in ein privates Museum verwandelt – voller Geschichten aus Wissenschaft, Spielkultur und Afrika. In: Göttinger Tageblatt, 27. Dezember 2025, S. 11.

Einzelnachweise

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