Edoardo Agnelli junior

From Wikipedia, the free encyclopedia

Edoardo Agnelli (* 9. Juni 1954 in New York City; † 15. November 2000 in Turin), auch bekannt als Mahdi Agnelli und Hisham Aziz, war das älteste Kind und der einzige Sohn von Gianni Agnelli,[1] dem Besitzer der Fiat S.p.A. und von Marella Agnelli, die als Donna Marella Caracciolo di Castagneto geboren wurde. Er konvertierte zum Islam, als er in New York City lebte, und änderte seinen Namen. Mitte November 2000 wurde er tot unter einer Brücke am Stadtrand von Turin aufgefunden.[2]

Edoardo Agnelli junior beim Gebet in Teheran (1981)

Laufbahn

Agnelli wurde in New York City als Sohn der italienischen Eltern Marella und Gianni Agnelli geboren, die 1953 geheiratet hatten; seine Großmutter mütterlicherseits war Amerikanerin.[3] Er hatte eine Schwester, Margherita.[2] Seine Ausbildung erfolgte am Liceo Classico Massimo d'Azeglio in Turin sowie am Atlantic College im Vale of Glamorgan in Wales. An der Princeton University beschäftigte er sich mit lateinischer Literatur und östlicher Philosophie.[4]

Nach seinem Abschluss in Princeton reiste Agnelli nach Kenia, in den Iran und nach Indien, wo er Sathya Sai Baba traf und sein Interesse an östlichen Religionen und Mystik vertiefte.[4] Bei seinen Freunden in New York war er wegen seiner unruhigen Jugend und seines wilden Verhaltens als „Crazy Eddy“ bekannt.[5][2] Wegen seiner antikapitalistischen und religiösen Ansichten, darunter seine Kritik am Kapitalismus in einem Interview im Anschluss an den Friedensmarsch von Assisi,[6] galt er als Rebell.[7] Er hielt Vorträge über Mystik, Franziskanismus und Buddhismus, lobte die Armen und kritisierte das Verhalten des Familienunternehmens Fiat, was zu Konflikten mit seinen Eltern führte.[8][9]

Agnelli konvertierte, nachdem er den Koran gelesen hatte, in den 1970er Jahren in einem islamischen Zentrum in New York zum sunnitischen Islam. Er nahm den Namen Hisham Aziz an.[10] Später traf er sich in Teheran mit Ali Khamenei und soll zum schiitischen Islam konvertiert sein. Nun nahm er den Namen Mahdi an.[11]

Ursprünglich sollte Agnelli der Erbe des Fiat-Imperiums zu werden, sein Vater bevorzugte jedoch andere Familienmitglieder. In der Nacht vom 27. Oktober 1986 machte er seine Meinungsverschiedenheiten mit seinem Vater öffentlich und erklärte sich bereit, „alle Verantwortlichkeiten zu übernehmen, die mit dem Besitz eines großen Konzerns wie dem unseren einhergehen“.[5] Sein Vater, der bereits mit seiner Konversion zum Islam unzufrieden gewesen war, sorgte dafür, dass er das Familienunternehmen nicht übernehmen würde. Die einzige offizielle Position, die er in den Familienunternehmen innehatte, war die eines Direktors bei Juventus Turin, einem mit der Agnelli-Familie verbundenem Fußballklub.[12] In dieser Funktion war er bei der Heysel-Katastrophe anwesend.[13] 1990 wurde er in Malindi wegen Heroinbesitzes angeklagt;[14][15] die Anklage wurde jedoch später fallen gelassen.[16]

Tod

Am 15. November 2000 wurde die Leiche des 46-jährigen Agnelli in der Nähe von Turin im Flussbett unter einer Autobahnbrücke gefunden, auf der sein Auto entdeckt worden war.[4] Das Viadukt ist als Selbstmordbrücke bekannt. Laut einem Bericht von Marco Ellena, dem Arzt des Gesundheitsamtes der nahegelegenen Stadt Cuneo, der Agnellis Leiche untersuchte, sagte dieser: „Er starb an den Folgen tödlicher Verletzungen, nachdem er 80 Meter in die Tiefe gestürzt war.“ Durch den Sturz hatte er innere Verletzungen erlitten. Seine Konversion zum Islam und die darauf folgende rasche Abwicklung seiner Beerdigung ließen Gerüchte über seinen Tod aufkommen.[17] Riccardo Bausone, der für den Fall zuständige Staatsanwalt, stellte die Ermittlungen ein und kam zu dem Schluss, dass Agnellis Tod ein Selbstmord war.[18] Er wurde neben seinem Cousin, Giovanni Alberto Agnelli, in der Familiengruft auf einem Friedhof beigesetzt, der oberhalb des Geländes der Villa der Familie Agnelli in Villar Perosa liegt.[17]

Giuseppe Puppo, ein italienischer Journalist und Schriftsteller, veröffentlichte 2009 ein Buch über Agnellis Tod, in dem er sich auf Interviews und bisher unveröffentlichte Zeugenaussagen stützte. Puppo stellte einige Unstimmigkeiten und Merkwürdigkeiten fest – das Fehlen der Leibwächter von Edoardo Agnelli; die zweistündige Zeitspanne zwischen der Abfahrt von zu Hause und der Ankunft auf dem Fossano-Viadukt; die Kameras von Agnelli, deren Aufnahmen nie veröffentlicht wurden; den Telefonverkehr auf den beiden Telefonen; das völlige Fehlen von Zeugen entlang eines Straßenabschnitts, auf dem zu dieser Zeit mindestens acht Autos pro Minute gezählt wurden; das Fehlen von Fingerabdrücken am Auto; und die überstürzte Beerdigung ohne ordnungsgemäße Obduktion.[19]

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI