Eduard Fehr

Schweizer Unternehmer und Politiker From Wikipedia, the free encyclopedia

Abraham Eduard Fehr (* 8. Mai 1879 in Mannenbach (Gemeinde Salenstein); † 14. Juni 1936 in Montreux) war ein Schweizer Unternehmer und FDP-Politiker.

Porträtaufnahme von Eduard Fehr

Leben

Herkunft und Familie

Eduard Fehrs Vater, Abraham Fehr, war als Weinhändler tätig und bekleidete die Position eines Kantonsrats. Sein Vater erwarb 1878 das Schloss Louisenberg.

In erster Ehe heiratete Eduard Fehr 1906 Ida Karolina († 4. April 1907), die Tochter von Johann Mathäus Schelling († 1905)[1]. Nach dem Tod seiner ersten Frau heiratete er 1909 Julie Anna (* 9. August 1879; † 31. Mai 1963)[2], die Tochter von Karl Johannes Burkhardt. Er hatte mehrere Kinder.[3]

Eduard Fehr starb am 14. Juni 1936 unerwartet in Montreux, wo er sich zur Kur aufhielt und wurde in Ermatingen beigesetzt.

Ausbildung und Geschäftstätigkeit

Fehrs schulische Ausbildung erfolgte zunächst in den Schulen von Mannenbach und des Kantons Thurgau. Anschließend besuchte er die 1883[4] gegründete Handelsschule (Ecole de Commerce) in Neuenburg, um sich auf die Übernahme des väterlichen Geschäfts vorzubereiten.

Nach seiner Rückkehr wirkte er seit 1898 zunächst als Kaufmann, erhielt 1901 die Einzelprokura[5] und leitete ab 1907[6], gemeinsam mit seinem Bruder Emil Fehr (1883–1952)[7], das Familienunternehmen. Bald bemerkte er, dass ihn die rein kaufmännische Arbeit nicht ausfüllte. Sein Tatendrang zog ihn zu öffentlichen Aufgaben. Seine Aktivität als Führer der Jungfreisinnigen markierte den Übergang zu seinem tiefergehenden politischen Engagement.

1911 wurde die Firma Fehr u. Co., Wein- und Holzhandlung in Mannenbach aufgelöst und gleich darauf die Firma E. Fehr & Co. gegründet; Eduard Fehr wurde unbeschränkt haftender Gesellschafter und Emil Fehr Kommanditist.[8]

Politische Karriere und öffentliche Ämter

Eduard Fehrs politische Laufbahn begann 1908, als er, anstelle seines Vaters, in den Thurgauer Grossen Rat gewählt wurde. Diesem gehörte er bis zu seinem Tod im Jahr 1936 an, wobei er in den Jahren 1923 bis 1924 das Amt des Ratspräsidenten innehatte. Im Plenum wie auch in den Kommissionen wurden seine gerechten und sachverständigen Voten sehr geschätzt. Besonders in seiner Tätigkeit als Kommissionsberichterstatter konnte er sein umfassendes Wissen über die Verhältnisse im Kanton mit der Gründlichkeit verbinden. Er war zuständig für die Prüfung von Bürgerrechtsgesuchen innerhalb der Petitionskommission; Begnadigungsanträge an den Grossen Rat behandelte er mit Empathie und ausgeprägtem Gerechtigkeitssinn.

Er war Mitglied des thurgauischen Erziehungsrats.

Im Jahr 1910 wurde Fehr zum Ortsvorsteher von Mannenbach gewählt. 1918 folgte seine Ernennung zum Gemeindeammann von Salenstein, wo er nicht nur administrative Aufgaben übernahm, sondern auch als Bürgerpräsident, Schulvorsteher und Kirchenvorsteher tätig war.

Von 1914 bis 1920 war Fehr Mitglied des Bezirksrates von Steckborn während zweier Amtszeiten. Im Jahr 1920 wurde er zum Bezirksrichter von Steckborn gewählt und übernahm 1923 die Präsidentschaft des Bezirksgerichts, eine Position, die er bis zu seinem Tod ausübte.

Eduard Fehr wurde 1902, nachdem er die Verwaltungsoffizierbildungsschule der Schweizer Armee bestanden hatte, zum Leutnant in den Verwaltungstruppen ernannt.[9] 1905 erfolgte seine Beförderung zum Oberleutnant[10], 1909 zum Hauptmann[11] und 1917 zum Major.[12] 1921 wurde er zum Quartiermeister der Infanterie-Brigade 24 ernannt.[13] Zuletzt war er Kommissariatsoffizier einer Landwehrbrigade; 1932 wurde er aus der Wehrpflicht entlassen.[14]

Politisch war er mit Alfred Müller (1887–1975)[15] befreundet.[16]

Tätigkeit auf nationaler Ebene

Vom 2. Februar 1920 bis zum 3. Dezember 1922 vertrat Fehr den Thurgau für zwei Jahre als Vertreter des Freisinns im Schweizerischen Nationalrat. Er rückte für Friedrich Heinrich Häberlin nach und gehörte der radikal-demokratischen Fraktion an. Nachdem er 1922 nicht wiedergewählt worden war, konzentrierte er sich danach verstärkt auf seine lokalen und kantonalen Aufgaben.

Wirken in Wirtschaft und Verkehr

Im Jahr 1919 wählte ihn der Grosse Rat in die Kantonalbankvorsteherschaft der Thurgauer Kantonalbank; diese Position behielt er bis zu seinem Tod 1936. In dieser Zeit trug er wesentlich zur Entwicklung dieser Institution bei. Im Jahr 1928 wurde er zum Aktuar der Bank befördert, 1934 zum Vizepräsidenten. Sein kaufmännisches Wissen und seine finanzpolitische Befähigung fanden hier ihre beste Verwendung. Sein Urteil in Beratungen über die Kantonalbank und deren Tätigkeit war massgebend. Das hohe Ansehen, das die Kantonalbank genoss, war zu einem großen Teil Eduard Fehrs Rat und Mitarbeit zu verdanken.

Von 1922 an gehörte Fehr dem Verwaltungsrat der Schweizerischen Schifffahrtsgesellschaft für den Untersee und Rhein an. Über mehr als fünfzehn Jahre hinweg leitete er auch den Verkehrsverein für den Untersee und Rhein. Sein Engagement für diese Organisationen war nicht allein administrativ, sondern grundlegend wirtschaftspolitisch motiviert.

1935 war er Mitglied im Verwaltungsrat der Firma W. Sallmann-Fehr, die Netze für die Fischerei und andere Zwecke in Tägerwilen fabrizierte.[17]

Von 1912 bis 1918 war er ferner im Vorstand des Thurgauer Handels- und Industrievereins tätig, wodurch er auch bei der Förderung der lokalen Wirtschaft einen Beitrag leistete.

Kirchliches Engagement

Ab 1926 war Eduard Fehr Mitglied des evangelischen Kirchenrats.

Mitgliedschaften

Eduard Fehr wurde 1913 Vorsitzender des Verkehrsvereins Untersee, Rhein und Umgebung mit Sitz in Steckborn.[18]

Als er starb, war er Präsident der Autosektion Thurgau des Touring Club Schweiz.[19]

Er war Mitglied des Historischen Vereins des Kantons Thurgau[20], des Vereins für Geschichte des Bodensees und seiner Umgebung[21] und der Thurgauischen Naturforschenden Gesellschaft.[22]

Literatur

Einzelnachweise

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