Eduard Hille

deutscher Komponist, Musikpädagoge und Akademischer Musikdirektor an der Universität Göttingen From Wikipedia, the free encyclopedia

Leben

Eduard Hille studierte Philosophie und Musik an der Georg-August-Universität Göttingen beim damaligen Göttinger Akademischen Musikdirektor Johann August Günther Heinroth. Danach lebte er zunächst einige Jahre in Hannover als Musiklehrer und Chorleiter.[1] 1849 wurde seine Oper Der neue Oberst in Hannover mit Erfolg aufgeführt.[2] 1850 gründete Hille in Hannover die „Neue Singakademie“,[3] mit der er bereits ein Jahr später erfolgreich auftrat.[4] Im Auftrag des Kultusministeriums unternahm Hille 1853 eine Studienreise zu den Musikzentren Berlin, Dresden, Leipzig und Wien und formulierte 1854 in seinem Bericht Vorschläge für die Einrichtung eines Kirchenchores für die Königliche Schlosskirche in Hannover.[5] Seine 1853 eingereichte[6] Oper Bianca Capello wurde dort 1854 angenommen.[7] Ihre Premiere wurde aber über Jahre hinausgeschoben.[8]

1855 wurde Hille zum Akademischen Musikdirektor an der Universität Göttingen ernannt. Die Leitung der „Neuen Singakademie“ in Hannover übernahm der als Hofkapellmeister an den Hof geholte, vorherige Göttinger Akademische Musikdirektor Arnold Wehner.[9][10] Hille übernahm damit sowohl musiktheoretische Lehrveranstaltungen als auch praktische Übungen und Aufführungen von Chor und Orchester.[11] Dazu gründete er in Göttingen einen Gesangsverein, richtete den Orchesterverein wieder ein und belebte so die akademischen Konzerte:[12] Er setzte diese Tradition mit 160 Konzerten über 32 Jahre fort.[13.1] Darunter fanden sich auch eine Reihe Oratorien von Georg Friedrich Händel, sowohl bekanntere wie Judas Maccabaeus (1859),[14] Saul (1867),[15][16] Samson (1868),[17] Messias (1877)[18] als auch einige weniger bekannter Oratorien wie Herakles (1876)[19][20] oder Josua (1882).[21] Hille bereitete damit bereits eine Tradition der Aufführungen von Händel-Oratorien in der Stadt vor, die einige Jahrzehnte nach seiner Amtszeit zur Gründung der Internationalen Händelfestspiele in Göttingen führte. Seine letzten Konzerte leitete er 1887 zur 150-Jahr-Feier der Georg-August-Universität Göttingen.[13.2]

Als Komponist veröffentlichte er vor allem im Verlag Nagel Hannover über 50 Werke. Darunter sind über 150 Lieder, aber auch Chormusik, Klaviermusik und eine Sonate für Violine und Klavier. Die meisten finden sich heute in der historischen Sammlung der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen in mehreren Sammelbänden Opera privato studio collecta.[22] Ab 1875 wurde er auch als Göttinger Mitherausgeber der Allgemeinen musikalischen Zeitung genannt.[23] Außer einer Reihe von 25 „Kritischen Briefen“ verfasste er auch Aufsätze zur Rolle eines Akademischen Musikdirektors sowie zum Volkslied in der Volksschule.[24] Ab 1865 gab er mehrere Sammlungen deutscher, schottischer, walisischer und irischer Volkslieder heraus. Die Veröffentlichung seines Choralbuch zum evangelisch-lutherischen Gesangbuch der Hannoverschen Landeskirche (1885) führte zur Verleihung des Professorentitels (1887).[13.3]

Veröffentlichte musikalische Werke

  • Op. 1: Rondo giocoso über den Bauernhochzeitsmarsch aus „Hans Heiling“ von Heinrich Marschner (Nagel)
  • Op. 2 (1,2,3): Fleurs de l’Opera. Petites Pieces sur des Melodies les plus favorites (Nagel)
  • Op. 3: Romanze von Tiedge, für eine Singstimme mit Begleitung des Pianoforte (Bachmann)
  • Op. 4: Trois Rondolettos pour le Piano-Forte sur des themes favoris de l’Opera „Hans Sachs“ de Albert Lortzing (Bachmann)
  • Op. 5: Sonate für Pianoforte und Violine D-Dur
  • Op. 6: Der wandernde Knabe, für eine tiefere Stimme mit Begleitung des Pianoforte
  • Op. 7: Der Landsknecht, für eine tiefere Stimme mit Begleitung des Pianoforte
  • Op. 8: Zwei Scherzos g-Moll, c-Moll (Nagel)
  • Op. 9: Sechs Lieder für eine Singstimme mit Begleitung des Pianoforte (Nagel)
  • Op. 10: Vier Gesänge für Sopran oder Tenor-Stimme mit Begleitung des Pianoforte (Nagel)
  • Op. 11: Drei Gesänge für Alt oder Bass-Stimme mit Begleitung des Pianoforte (Nagel)
  • Op. 12: Drei Gedichte mit Begleitung des Pianoforte (Nagel)
  • Op. 13: Zeitklänge, drei Lieder von Herwegh für eine Singstimme mit Chorschluss mit Begleitung des Pianoforte 1848 (Nagel)
  • Op. 14: Thürmerlied, für eine tiefe Stimme mit Begleitung des Pianoforte
  • Op. 15: Drei Architektenlieder, für eine Singstimme mit Begleitung des Pianoforte (Nagel)
  • Op. 16: Drei Lieder für eine Singstimme mit Begleitung des Pianoforte (Nagel)
  • Op. 17: Vier Lieder für Sopran, Alt, Tenor und Bass (Nagel)
  • Op. 18: Fünf Lieder für Männerchor (Berlin Staatsbibliothek)
  • Op. 20: Im Frühling, Tonstück für das Pianoforte Spina (Wien)
  • Op. 21: Bachanal, Tonstück für das Pianoforte Verlag Pietro Mechetti (Wien)
  • Op. 22: Sechs Lieder für eine Singstimme mit Begleitung des Pianoforte (Nagel)
  • Op. 24: Sechs Lieder für eine Singstimme mit Begleitung des Pianoforte (Nagel)
  • Op. 25: Fünf Gesänge für eine tiefe Stimme mit Begleitung des Pianoforte (Nagel)
  • Op. 26: Der 100. Psalm („Jauchzet dem Herrn alle Welt“) für 4 Männerstimmen
  • Op. 27: Sechs Lieder für eine Singstimme mit Begleitung des Pianoforte (Nagel)
  • Op. 28: „Ada“, Zehn Gesänge von Emanuel Geibel für eine tiefe Stimme mit Begleitung des Pianoforte (Nagel)
  • Op. 30: Palmsonntagmorgen (Emanuel Geibel) für eine Solostimme, Chor und Orchester (Nagel)
  • Op. 31: „Ein frühes Liebesleben“, Acht Gesänge von Friedrich Hebbel für eine tiefe Stimme mit Begleitung des Pianoforte (Nagel)
  • Op. 32: Vier zweistimmige Lieder für eine Singstimme mit Begleitung des Pianoforte (Nagel)
  • Op. 33: Sechs Lieder für Sopran, Alt, Tenor und Bass
  • Op. 34: Sechs Lieder für eine Singstimme mit Begleitung des Pianoforte (Nagel)
  • Op. 35: Fünf Lieder für eine tiefe Stimme mit Begleitung des Pianoforte (Nagel)
  • Op. 36: Sechs Lieder für eine Singstimme mit Begleitung des Pianoforte (Nagel)
  • Op. 37: Drei Gesänge für eine Stimme mit Begleitung des Pianoforte (Nagel)
  • Op. 38: Drei Lieder für vier weibliche Stimmen mit Begleitung des Pianoforte (Nagel)
  • Op. 40: Fünfundzwanzig Lieder von Goethe, Schiller, Uhland, Heine u. a. für große und kleine Kinder: zweistimmig mit Begleitung des Pianoforte in Musik gesetzt; Opus 40 / von Eduard Hille Universitäts-Musikdirector in Göttingen 1876
  • Op. 41. „Ada“ (zweite Folge) sieben Gesänge von Emanuel Geibel für eine tiefe Stimme mit Begleitung des Pianoforte (Nagel)
  • Op. 42: Drei Gesänge für eine Altstimme mit Begleitung des Pianoforte (Nagel)
  • Op. 44: Sonate für Pianoforte c-Moll (1878)
  • Op. 45: Sechs Lieder für eine Singstimme mit Begleitung des Pianoforte (Nagel)
  • Op. 46: Sechs Lieder für eine Singstimme mit Begleitung des Pianoforte (Nagel)
  • Op. 47: Die Weiber von Weinsberg (Moritz Hartmann) für Soli, Chor und Orchester (Nagel)
  • Op. 48: Vier Tänze für das Pianoforte zu vier Händen (Nagel)
  • Op. 49: Sechs Lieder aus Heinrich von Ofterdingen für eine tiefe Stimme mit Begleitung des Pianoforte (Nagel)
  • Op. 50: Fünf Lieder für eine Singstimme mit Begleitung des Pianoforte (Nagel)

Literatur

  • Hermann Fuchs: Die akademischen Musikdirektoren Arnold Wehner (1846–1855) und Eduard Hille (1855–1891). In: Martin Staehelin (Hrsg.): Musikwissenschaft und Musikpflege an der Georg-August-Universität Göttingen. Vandenhoeck und Ruprecht, Göttingen 1987, ISBN 3-525-35832-6, S. 90–107.

Einzelnachweise

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