Elaha

Film von Milena Aboyan (2023) From Wikipedia, the free encyclopedia

Elaha ist ein deutsches Filmdrama aus dem Jahr 2023 und das Spielfilmdebüt der Regisseurin Milena Aboyan.[2] Die Weltpremiere fand in der Sektion Perspektive Deutsches Kino bei den 73. Internationalen Filmfestspielen Berlin statt.[3] Der Film war für den Deutschen Filmpreis nominiert, u. a als bester Spielfilm.[4]

TitelElaha
ProduktionslandDeutschland
OriginalspracheDeutsch, Kurdisch
Erscheinungsjahr2023
Schnelle Fakten Titel, Produktionsland ...
Film
Titel Elaha
Produktionsland Deutschland
Originalsprache Deutsch, Kurdisch
Erscheinungsjahr 2023
Länge 115 Minuten
Altersfreigabe
Produktions­unternehmen Kinescope Film
Stab
Regie Milena Aboyan
Drehbuch Milena Aboyan
Produktion Matthias Greving
  • Igor Dovgal
  • Emina Smajic
Musik Kilian Oser
Kamera Christopher Behrmann
Schnitt Elias Ben Engelhardt
Besetzung
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Handlung

Die 22-jährige deutsch-kurdische Elaha lebt in einer eng verbundenen Community und steht kurz vor ihrer Hochzeit mit Nasim. Während die Vorbereitungen laufen, wächst in Elaha eine innere Panik. In ihrer Familie und ihrem Umfeld gilt weibliche „Reinheit“ (häufig als „Jungfräulichkeit“ bezeichnet) als unverhandelbares Gütesiegel. Elaha trägt jedoch ein Geheimnis mit sich, sie hatte bereits Sex. Der Gedanke, dass dies bekannt werden könnte, lässt sie zunehmend in einen Zustand aus Angst, Scham und Zeitdruck geraten, denn bis zur Hochzeit bleiben nur wenige Wochen.[5]

Obwohl sie nicht zur Ehe gezwungen wird, erlebt Elaha die bevorstehende Heirat als „Freiheitskompromiss“. Zu Hause herrschen strenge Regeln und Kontrolle, gleichzeitig ist ein radikaler Bruch, weggehen, die Familie verlassen, für sie emotional kaum vorstellbar. Sie liebt ihre Familie und ist in Abhängigkeiten verstrickt, die sich nicht einfach abschütteln lassen. In dieser Spannung sucht sie verzweifelt nach einem Weg, die erwartete Reinheit in der Hochzeitsnacht „wiederherzustellen“, bevor Tradition, Gerede und familiäre Ehre sie einholen.[6]

Elaha recherchiert zunächst medizinische Möglichkeiten einer Hymen-Rekonstruktion, doch der Preis erscheint ihr unbezahlbar. In ihrer Not beginnt sie, nach billigeren Alternativen zu suchen, und stößt auf ein Produkt, das online und teils auch über Apotheken erhältlich ist. Ein synthetisches „künstliches Jungfernhäutchen“, das bei der Hochzeitsnacht Blutspuren vortäuschen soll. Um nicht blind darauf zu vertrauen, testet Elaha das Produkt heimlich mit ihrem ehemaligen Klassenkameraden Jusuf, der von ihrem Motiv nichts weiß. Der Versuch scheitert. Das Versprechen des Produkts, einen „Beweis“ zu liefern, löst sich nicht ein. Elaha spürt, dass sie nicht nur gegen eine Deadline kämpft, sondern gegen ein System aus Erwartungen, in dem ihr Körper zur Projektionsfläche für Kontrolle und Anerkennung wird.[7]

In einem Moment größter Überforderung vertraut sich Elaha ihrer Lehrerin Frau Zahaye an. Frau Zahaye vermittelt ihr eine Beratung in einem Familienzentrum, wo Elaha erfährt, dass eine Operation in bestimmten Fällen durch Spenden finanziert werden kann. Plötzlich scheint das Ziel greifbar, eine kostenfreie Rekonstruktion.[8]

Doch je näher Elaha dieser Lösung kommt, desto stärker treten Zweifel auf. Der Eingriff würde zwar den äußeren Erwartungsdruck scheinbar neutralisieren, doch innerlich stellt sich für Elaha die Frage, ob sie damit nicht genau das bestätigt, was sie zugleich zerstört, die Vorstellung, dass ihr Wert und ihre Zugehörigkeit an einen körperlichen Nachweis geknüpft sind. Sie fasst Mut und versucht, mit ihrer Mutter zu sprechen, in der Hoffnung auf Verständnis oder wenigstens ein kleines Aufweichen der Regeln. Stattdessen macht die Mutter unmissverständlich klar, dass ein Abweichen von den Traditionen als Entwürdigung der Familie verstanden würde.[9]

Schließlich unterzieht sich Elaha der Rekonstruktion. Nach der Operation ist die „Reinheit“ im Sinne der Normen wiederhergestellt, doch der Vorgang verändert Elaha nicht in der erhofften Weise. Sie begreift, dass Anpassung sie nicht frei macht, sondern sie weiter von dem entfernt, was sie sein möchte. In einer stillen, persönlichen Rebellion trifft sie eine Entscheidung. Sie setzt einen eigenen Befreiungsakt gegen die Logik von Kontrolle, Angst und Scham.[10][11]

Hintergrund

Elaha ist eine Produktion der Kinescope Film in Koproduktion mit der Filmakademie Baden-Württemberg, Essence Film sowie SWR und arte. Gedreht wurde in Baden-Württemberg (u. a. Stuttgart und Ludwigsburg) an insgesamt 33 Drehtagen. Der deutsche Kinostart erfolgte am 23. November 2023, der Verleih lag bei Camino Filmverleih.[12]

Kritiken und Auszeichnungen

Beim 33. Internationalen Filmfest Emden/Norderney wurde Elaha im Juni 2023 dreifach ausgezeichnet: Der Film erhielt den Norderneyer Engel (Integrationspreis), den NDR-Filmpreis für den Nachwuchs 2023 (für den deutschen Erstlings- oder zweiten Spielfilm mit der höchsten Publikumsbewertung) sowie den DGB-Filmpreis.[13] Auch der DGB-Filmpreis wurde im Rahmen des Festivals vergeben; laut GEW erhielt Elaha dabei „die höchste Wertung im DGB-Wettbewerb“.

Im Oktober 2023 war Elaha außerdem bei den FIRST STEPS Awards präsent: Hauptdarstellerin Bayan Layla wurde mit dem Götz-George-Nachwuchspreis ausgezeichnet.[14] In der Jurybegründung heißt es, die Rolle „fordert Mut“, und Layla mache „in ihrem Spiel keine Kompromisse“; sie meistere die „schwierige Gratwanderung“ „nuanciert“ und begeistere „mit ihrer Leinwandpräsenz“.

Kurz darauf folgte eine weitere prominente Auszeichnung: Ende Oktober 2023 gewann Elaha den PRIX EUROPA als Bester Spielfilm / Best European TV Movie. Die MFG-Meldung zur Preisvergabe verweist darauf, die Fachjury habe insbesondere die „hohe Authentizität“ und die „meisterhafte Dramaturgie“ hervorgehoben; zudem ermögliche der „sensible Umgang“ mit den schwierigen Themen, dass das Publikum die Konflikte nachvollziehen könne. Die PRIX-EUROPA-Siegerliste führt Elaha als Gewinner in der Kategorie Best European TV Movie of the Year 2023.[15]

Verweise

  • Milena Aboyan: Elaha in der ARD-Mediathek. Video (109 Min.), abrufbar bis 14. März 2026
  • Elaha bei IMDb

Einzelnachweise

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