Eleonore Sterling

deutsche Politologin From Wikipedia, the free encyclopedia

Eleonore Marianne „Elli“ Sterling, geborene Oppenheimer (geboren am 10. März 1925 in Heidelberg; gestorben am 27. Dezember 1968 in Ebersteinburg), war eine deutsche Politologin. Sie war die erste Frau, die in diesem Fach eine Hochschulprofessur in Deutschland innehatte.[1]

Leben

Als 13-jährige Jüdin floh sie aufgrund des wachsenden Antisemitismus 1938 zu entfernten Verwandten in die USA. Ihre Eltern Sally (1886–1942)[2] und Flora Rosa Oppenheimer (1895–1940)[3] wurden am 22. Oktober 1940 im Zuge der Wagner-Bürckel-Aktion deportiert und im Internierungslager Gurs in Südfrankreich ermordet. Eleonore Oppenheimer heiratete 1942 Aaron Cecil Sterling (1924–1988, geschieden 1955).

1949 schloss Eleonore Sterling ein politikwissenschaftliches Abendstudium an der Columbia-Universität in New York mit einer Arbeit über die Hep-Hep-Krawalle ab.[4] Ein Stipendium der John Whitney Foundation für das Jahr 1951/52 ermöglichte ihr, eine Dissertation an der New School for Social Research über Antisemitismus in Deutschland von 1789–1819 zu beginnen. Als Politologin, die zu Antisemitismus forschte, befasste sie sich auch mit rassistischen Diskriminierungen indigener Menschen in den USA und Schwarzer Menschen in den USA und in Deutschland.[5]

1953 kehrt sie zurück nach Deutschland und promovierte bei Max Horkheimer zur Dr. phil. an der Frankfurter Universität mit ihrer Studie zur Frühgeschichte des Antisemitismus in Deutschland (1815–1850), die 1956 als Buch mit dem Titel Er ist wie du erschien. Darin deutete sie die judenfeindliche Gewalt in erster Linie als Ausdruck sozialer Krisen, eine These, der insbesondere Jacob Katz widersprach.[6] 1956 wurde sie Assistentin bei Carlo Schmid am Institut für politische Wissenschaft in Frankfurt. 1959 wurde sie mit dem Leo-Baeck-Preis des Zentralrats der Juden in Deutschland ausgezeichnet. Die am 17. Mai 1961 gegründete Kommission zur Erforschung der Geschichte der Frankfurter Juden ernannte sie, die als einzige Frau der Kommission angehörte, zur Mitherausgeberin der Dokumente zur Geschichte der Frankfurter Juden 1933–1945,[7] gemeinsam mit dem Leiter des Frankfurter Stadtarchivs Dietrich Andernacht.

Ab 1962 wirkte sie als Dozentin für politische Bildung an der Hochschule für Erziehung, die 1967 in der Frankfurter Universität aufging. In einem 1965 in der Zeit erschienenen Artikel beschrieb Sterling für die BRD der Nachkriegszeit den Philosemitismus als in seiner „Mechanik“ dem Antisemitismus ähnlich. Der Philosemitismus der BRD der 1960er Jahre stehe im Kontext eines „extrovertierten Bezeugungseifers“ zur „Glaubwürdigkeit der Bundesrepublik“ und habe „eigentlich weniger mit den Juden, dafür mehr mit Staatsräson und Außenpolitik“ zu tun, mit „deutscher Existentzangst und politische[m] und militärische[m] Abhängigkeitsverhältnis“.[8]

1968 wurde sie als erste Frau in der BRD auf eine Professur für Politikwissenschaft an die Pädagogische Hochschule Osnabrück berufen.[9] Kurz darauf starb Eleonore Sterling an einem bereits 1966 bei ihr diagnostizierten Krebsleiden. In Frankfurt-Eschersheim existiert die nach ihr benannte Eleonore-Sterling-Straße; eine weitere Straße in ihrem Geburtsort Heidelberg trägt seit 2018 ihren Namen.

Hauptwerke

  • Er ist wie du. Antisemitismus in Deutschland 1815–1950. 1956.
  • Dokumente zur Geschichte der Frankfurter Juden 1933–1945. 1963.
  • Der unvollkommene Staat. 1965.
  • Geschichte der Juden in Deutschland. 1966.
  • Das gespaltene Gottesvolk. 1967.
  • Judenhass. Die Anfänge des politischen Antisemitismus. 1969.

Literatur

Fußnoten

Related Articles

Wikiwand AI