Elfriede Ott

österreichische Kammerschauspielerin, Sängerin und Regisseurin From Wikipedia, the free encyclopedia

Elfriede Maria Cäcilia Bertha Katharina „Evi“ Ott anhören/? (* 11. Juni 1925 in Wien; † 12. Juni 2019 ebenda) war eine österreichische Schauspielerin, Hörspielsprecherin, Regisseurin, Kabarettistin, Sängerin, Intendantin,[1] Schauspielschulleiterin,[1] Josefstadt-Doyenne[1][2] und Autorin.

Elfriede Ott (2010)

Leben

Elfriede Ott wurde am 11. Juni 1925 als Tochter des Uhrmachermeisters Franz Karl Ott (* 13. Februar 1893 in Bistritz, Siebenbürgen; † 1. August 1943)[3] und dessen Ehefrau Berta Josefa (geborene Marschner; * 1. Oktober 1897 in Wien; † 12. Oktober 1991 in Mödling)[4] in Wien geboren und auf den Namen Elfriede Maria Cäcilia Bertha Katharina getauft. Ihr Eltern hatten am 21. Dezember 1919 in der Johann-Nepomuk-Kirche in der Leopoldstadt geheiratet.[5]

Sie wuchs anfangs in Klosterneuburg und ab 1932 im 1. Wiener Gemeindebezirk auf, wo ihr Vater in der Seitzergasse Nr. 5 (angrenzend an die Kirche am Hof) ein eigenes Geschäft führte. Ab 1935 besuchte sie das Gymnasium für höheren Beamtentöchter in Wien, das sie jedoch nicht abschloss und stattdessen bis 1943 eine Lehre zur Uhrmacherin absolvierte.

Sie hatte einen vier Jahre älteren Bruder, Walter, der am 16. April 1942 während seines Kriegsdienstes im Zweiten Weltkrieg an der Ostfront fiel.[3] Kurze Zeit nach dem Tod des Bruders verlor Ott auch ihren Vater: Am 1. August 1943 zog er sie, als sie auf dem Weg zu einem gemeinsamen Urlaub waren, von einem Bahngleis, in dem sie sich verhakt hatte, und wurde dabei von einem Zug erfasst und tödlich verletzt.[3] Zum Zeitpunkt seines Todes führte er sein Geschäft am Kohlmarkt Nr. 16.[3] Nach dem Tod ihres Vaters wandte sich Evi[6] mit Unterstützung ihrer Mutter gänzlich dem Theater zu.

Nach privatem Schauspielunterricht bei der Burgschauspielerin Lotte Medelsky debütierte sie am 26. Mai 1944 in Gerhart Hauptmanns Die goldene Harfe am Wiener Burgtheater, wo sie fünf Jahre lang auf der Bühne stand. Danach war sie am Landestheater Graz (1949/50), bei verschiedenen Wiener Theatern und Kabaretts, am Operettenhaus Hamburg (1956) und wieder am Burgtheater (1957) tätig. 1958 wechselte sie an das Theater in der Josefstadt in Wien, dessen Ensemble sie seither angehörte. Ihr erster Mann war Ernst Waldbrunn, ebenfalls Ensemble-Mitglied. Ihre Hauptaufgabe sah sie in der Pflege der Wiener Komödie und der Förderung junger Talente.

Mit ihrem Lebensgefährten und späteren Ehemann Hans Weigel (1908–1991) – die Hochzeit war am 9. Jänner 1991, nur wenige Monate vor Weigels Tod – initiierte Ott 1983 die bis 2012 jährlich im Sommer stattfindenden Nestroy-Spiele auf der Burg Liechtenstein in Maria Enzersdorf bei Wien, bei denen sie selbst mitspielte und auch Regie führte. Dort gab sie vor allem ihren Schülern die Gelegenheit, erste Bühnenerfahrungen zu sammeln. Ab 2001 war Otts Adoptivsohn Goran David dort Co-Intendant und Produktionsleiter.

Im Jahr 1985 wurde Ott Leiterin der Schauspielabteilung des Konservatoriums der Stadt Wien. Nach ihrem Ausscheiden gründete sie 2005 zusammen mit Gernot Haas die private Schauspielakademie Elfriede Ott.

Im ORF war sie in Fernsehserien wie Die liebe Familie zu sehen. 2010 spielte sie in dem Film Die unabsichtliche Entführung der Frau Elfriede Ott unter der Regie von Andreas Prochaska sich selbst. Im Jahre 2013 kündigte Ott an, nicht mehr Theater zu spielen.

Sie trat oft gemeinsam mit Fritz Muliar und Gerhard Bronner auf. Ott war Trägerin der österreichischen Berufstitel Professorin und Kammerschauspielerin.

Elfriede Ott starb im Juni 2019, einen Tag nach ihrem 94. Geburtstag.[7] Am 28. Juni 2019 wurde sie im Ehrengrab ihres Ehemannes auf dem Wiener Zentralfriedhof (Gruppe 33G, Nummer 79) beigesetzt.[8]

Im Sommer 2020 wurden Teile ihres Nachlasses auf der österreichischen Auktionsplattform Aurena.at versteigert.[9]

Filmografie (Auswahl)

Elfriede Ott, Andreas Prochaska, Michael Ostrowski und das Kollegium Kalksburg bei der Premiere von Die unabsichtliche Entführung der Frau Elfriede Ott (2010)
Grabstätte von Elfriede Ott

Hörspiele (Auswahl)

  • 1952: Georges Hoffmann: Väter und Töchter – Bearbeitung und Regie: Otto Ambros (Hörspiel – ORF Wien)
  • 1955: Ferdinand Bruckner: Napoleon und die Frauen (Marie Louise) – Bearbeitung und Regie: Otto Ambros (Hörspiel – ORF Wien)
  • 1955: Günther Weisenborn: Zwei Engel steigen aus – Bearbeitung und Regie: Werner Riemerschmid (Hörspielbearbeitung, Science-Fiction-Hörspiel – ORF Wien)
  • 1960: Ernst Wurm: Cäcilie (Der Schultag) (Berta Krenn) – Regie: Erich Schwanda (Hörspiel – ORF Wien)
  • 1962: Hans Friedrich Kühnelt: Ein Tag mit Edward (Eve Turner) – Bearbeitung und Regie: Helmut Schwarz (Original-Hörspiel, Science Fiction-Hörspiel – ORF Wien)
  • 1963: Wolfgang Altendorf: Der Teufel an der Wand (Janine) – Regie: Peter Albert Stiller (Originalhörspiel – ORF Wien)
  • 1966: Fritz Walden: Liebhaberbühne -Bearbeitung und Regie: Hans Krendlesberger (Originalhörspiel – ORF Oberösterreich)
  • 1967: Hans Krendlesberger: Die Aufgabe (Frl. Winter) – Regie: Edwin Zbonek (Hörspiel – ORF Wien)
  • 1969: August von Kotzebue: Sorgen ohne Not und Not ohne Sorgen (Pauline, Bebefrosts Mündel) – Regie: Fritz Muliar (Hörspielbearbeitung – ORF Wien)
  • 1970: Ring Lardner: Ruhestätte – Regie: Ferry Bauer (Hörspielbearbeitung – ORF Oberösterreich)
  • 1971: Jean Anouilh: Leocadia (Amanda, Modistin) – Bearbeitung und Regie: Klaus Gmeiner (Hörspielbearbeitung – ORF Salzburg)
  • 1973: Miklós Gyárfás: Vier Fräulein in der Höhe – Regie: Götz Fritsch (Hörspiel – ORF Wien)
  • 1981: Georges Feydeau: Lauf bloß nicht splitternackt herum (Clarisse, Julien Ventrouxs Frau) – Regie: Ferry Bauer (Hörspielbearbeitung – ORF Oberösterreich)
  • 2002: Diverse: Theater ohne Vorhang (22): Elfriede Ott erinnert sich an 50 Jahre Hörspielarbeit – Bearbeitung und Regie: Klaus Gmeiner (ORF Salzburg)

Quelle: OE1-Hörspieldatenbank

Schriften (Auswahl)

Herausgebertätigkeiten

Comic

In dem 2014 im Amalthea Signum Verlag erschienenen Comic Der Blöde und der Gscheite – Die besten Doppelconferencen (Text: Hugo Wiener, Zeichnungen: Reinhard Trinkler) hat Elfriede Ott mehrere Gastauftritte in gezeichneter Form. Die Hauptfigur der rothaarigen Salome Pockerl in der 2015 im Verlag Edition Steinbauer erschienenen Graphic Novel Der Talisman (Text: Johann Nestroy, Zeichnungen: Reinhard Trinkler) ist ebenfalls der Schauspielerin nachempfunden.

Auszeichnungen (Auszug)

Literatur

Einzelnachweise

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