Ellen Hughes

walisisch-britische Dichterin, Essayistin, Abstinenzlerin und Frauenrechtlerin From Wikipedia, the free encyclopedia

Ellen Hughes (* 18. Mai 1862, in Llanengan, Caernarfonshire; † 11. Mai 1927 ebenda) war eine in Walisisch schreibende walisisch-britische Dichterin, Essayistin, Abstinenzlerin und Frauenrechtlerin.[1][2]

Ellen Hughes, ca. 1900

Leben

Hughes war das dritte von fünf Kindern von Reverend William Hughes (1820–1867), eines calvinistischmethodistischen Geistlichen, und seiner Ehefrau Catherine, geborene Benjamin (1833–1877). Sie hatte zwei ältere Brüder, William Benjamin und Griffith, sowie eine jüngere Schwester und einen weiteren jüngeren Bruder, Lydia Ann und Richard. Die Familie wohnte auf einem alten Familiensitz und Hughes verbrachte dort den größten Teil ihres Lebens. Der frühe Tod des Vaters zwang die Mutter, die Familie mit einem kleinen Laden über Wasser zu halten. Hughes besuchte kurze Zeit die Dorfschule. Als sie fünfzehn Jahre alt war, starb die Mutter und bald auch der älteste Bruder und die Verantwortung für den Haushalt und die jüngeren Geschwister lag bei Hughes.

Im August 1979 wurde ein erstes Gedicht von Hughes in der von Sarah Jane Rees neu gegründeten, walisischsprachigen Frauenzeitschrift, Y Frythones, veröffentlicht,[3] die explizit das Ziel hatte, Texte von Frauen zu veröffentlichen, die zuvor keine Gelegenheit gehabt hatten, ihre Arbeiten gedruckt zu sehen. Dies war für Hughes der Einstieg in ein höchst produktives Dichterinnenleben. Ab 1879 erschienen ihre Gedichte regelmäßig in Y Frythones. 1887 veröffentlichte sie eine erste Sammlung eines Teils dieser Gedichte unter dem Titel Sibrwd yr Awel: sef cyfansoddiadau barddonol („Das Flüstern der Brise, poetische Kompositionen von Ellen Hughes, Llanengan“). 1907 veröffentlichte sie noch einen zweiten Band mit gesammelten Dichtungen, Murmur y Gragen: sef detholiad o gyfansoddiadau barddonol a rhyddiaethol („Das Murmeln der Brandung, Ausgewählte Gedichte und Prosatexte“).

Als Nächstes begann Hughes, auch Essays für Y Frythones zu verfassen. Ihr erster Essay, Excelsior, ging darum Frauen zu ermutigen, nach einer höheren geistigen Bildung zu streben und sich selbst zu bilden. Hughes selbst hatte sich als Autodidaktin Griechisch und eine gründliche Kenntnis der walisischen und englischen Literatur und Geschichte angeeignet. 1888 gewann sie auf einem literarischen Festival einen Preis für einen Essay über The influence of one epoch in the life of man on the next (Dylanwad y naill gyfnod o oes dyn ar y llall). Zu diesem Zeitpunkt begannen ihre Essays und Gedichte auch in anderen Zeitschriften zu erscheinen, darunter Trysorfa y Plant, Y Drysorfa und Y Dyngarwr. 1889 begann sie, obwohl es sie nach eigenem Bekunden Überwindung kostete, öffentliche Vorträge zu halten. In ihrem ersten Vortrag redete sie unter dem Titel Moral Courage darüber, dass Tugenden nicht geschlechtsspezifisch seien. Mut seine eine Eigenschaft, die auch Frauen hätten, und die als „weiblich“ eingestufte Tugend der Demut stünde auch Männern gut an. Das Thema der Gleichberechtigung der Geschlechter adressierte sie in zahlreichen Essays und Vorträgen.

Zwischen 1898 und 1903 lebte Hughes bei ihrer jüngeren Schwester in Bedford, wo diese Arbeit als Schreibkraft in einem Tuchgeschäft gefunden hatte. Von dort aus sandte Hughes weiterhin Essays und Gedichte nach Wales, die nun in einer neuen Zeitschrift, Y Gymraes, dem Organ der walisischen Frauen‑Temperenzbewegung, veröffentlicht wurden. Dreißig Jahre lang, von ihrem Beginn 1896 an, erschien in jeder Ausgabe dieser Monatszeitschrift ein Beitrag von Hughes, häufig in Form von Artikelserien unter übergreifenden Titeln. Gegen Ende der 1890er Jahre veröffentlichte sie zudem einige Kurzgeschichten in der von Owen Morgan Edwards herausgegebenen Zeitschrift Cymru.

1901 gründete Rees das South Wales Women’s Temperance Movement (Undeb Dirwestol Merched y De), und Hughes zog nach Ton Pentre, Rhondda Cynon Taf, um beim Aufbau und der Entwicklung dieser Bewegung mitzuwirken. Sie schrieb und sprach, auch als inoffizielle Predigerin, im Weiteren auch zu Abstinenzthemen. 1907 erschien der Essay Angylion yr aelwyd („Engel im Haus“). in dem sie die Argumente von Männern kritisierte, mit denen sie Frauen vom Parlament fernzuhalten versuchten.[4]

Hughes schrieb bis wenige Wochen vor ihrem Tod und veröffentlichte weiterhin in walisischen Zeitschriften, am Ende kam sie auf mehr als fünfhundert Beiträge. Sie starb 1927, vorher war sie nach Llanengan zurückgezogen. Dort wurde sie auf dem Kirchhof der Gemeinde ihres Vaters, der Capel y Bwlch in Abersoch, beigesetzt.

Die Literaturwissenschaftlerin Jane Aaron schrieb in ihrem Werk A View Across the Valley: Short Stories by Women from Wales (1999), dass „Hughes wohl die walisischsprachige Autorin dieser Zeit [sei], die dem modernen Verständnis von Feminismus am nächsten kommt“. Sie zitiert eine Passage aus Y Gymraes von 1900 in der Hughes den damaligen Premierminister William Ewart Gladstone verspottet: „Die Vorstellung, dass ein Mensch von der Erfahrung und Intelligenz eines Mr. Gladstone an der Fähigkeit der Mehrheit der Frauen zweifelt, bei einer Wahl abzustimmen, erscheint außerordentlich erstaunlich.“[5]

Werke (Auswahl)

  • Sibrwd yr Awel: sef cyfansoddiadau barddonol. Robert Owen, Pwllheli 1887 (walisisch, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  • Murmur y Gragen: sef detholiad o gyfansoddiadau barddonol a rhyddiaethol. E.W. Evans, Dolgellau 1907 (walisisch, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).

Einzelnachweise

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