Emil (Elch)
männlicher Elch, der im Jahr 2025 vermutlich von Polen nach Tschechien aufgebrochen und auf der Suche nach einem passenden Revier durch insgesamt 5 Länder gewandert ist
From Wikipedia, the free encyclopedia
Emil ist ein männlicher Elch, der im Jahr 2025 vermutlich von Polen nach Tschechien aufgebrochen und auf der Suche nach einem passenden Revier durch insgesamt fünf Länder gewandert ist. Er wurde erstmals Anfang Juni in der Region Opava in Tschechien gesichtet.[1] Internet-Nutzer gaben ihm den Spitznamen Emil,[2] der in der medialen Berichterstattung aufgegriffen wurde.[3] Der Name bezieht sich angeblich auf Emil Zátopek, einen tschechischen Langstreckenläufer und vierfachen Olympiasieger.[4] Der Elch drang auf seiner Wanderung auch in Dörfer und Städte vor und wurde in Tschechien und Österreich wiederholt von der Polizei begleitet, wenn er sich entlang von vielbefahrenen Straßen bewegte.[5][6][7][8] Die Wanderung des Elchs wurde zum Gegenstand intensiver medialer Berichterstattung, nicht nur von Medien entlang der Migrationsroute, auch international wurde über Elch Emil berichtet.[9][10][11][12] „Elch Emil“ wurde im Jahr 2025 zum österreichischen Wort des Jahres gewählt, wie die Gesellschaft für Österreichisches Deutsch (GSÖD) am 4. Dezember 2025 bekannt gegeben hat.[13] „Elch Emil“ wurde mit 28,3 Prozent der Stimmen deutlich auf Platz 1 gewählt, vor „Veggie Würstl“ und „Rindfleischetikettierungsgesetz“.[14]
Von seiner ersten Sichtung am 2. Juni bis zu seiner Betäubung legte der Elch eine Strecke von mehr als 500 Kilometern Luftlinie zurück.[15] Am 22. September 2025 wurde Elch Emil gegen 05.30 Uhr mit einem Schuss aus einem Betäubungsgewehr sediert, als er sich bei Sattledt der West Autobahn genähert hatte. Das betäubte Tier wurde untersucht und mit einem am Geweih befestigten GPS-Sender und einer Ohrmarke versehen.[16] Der Elch wurde in einem Anhänger in den Bezirk Rohrbach an den Rand des Böhmerwalds gebracht und dort in der Nähe der Grenze zu Tschechien und dem Nationalpark Šumava freigelassen.[17][18] Mit dem GPS-Sender konnte die Bewegung des Elchs bis zum 1. Oktober von einem kleinen Kreis aus Wissenschaftlern nachverfolgt werden, bevor am 10. Tag das Betriebsende der Batterie des Senders erreicht wurde.[19] Ein längeres GPS-Tracking hätte einen Forschungsantrag und eine Tierversuchsgenehmigung benötigt.[20]
Die GPS-Daten zeigten, dass sich der Elch nach seiner Freilassung in nordwestliche Richtung durch das Gebiet des Nationalparks Šumava bewegte. Am 24. September hielt er sich im Gebiet der Gemeinde Stožec auf.[21] Am Abend des 24. September wurde der Elch – unweit der Grenze zu Tschechien – in Bischofsreut in Bayern gesichtet.[22] Der Nationalpark Bayerischer Wald, der auf deutscher Seite an den Nationalpark Šumava angrenzt, bestätigte am 27. September, basierend auf den Daten des GPS-Trackings, dass sich der Elch im Grenzgebiet zwischen den beiden Nationalparks aufhielt.[23] Am 1. Oktober wurde der Elch am Rande des Nationalparks Bayerischer Wald in Buchenau und Frauenau gesichtet.[24][25] Um den 10. Oktober hat Elch Emil das Gebiet des Nationalpark Böhmerwald verlassen und seine Wanderung durch den Bezirk Klatovy in nördliche Richtung fortgesetzt. Seit der Betäubung und Freilassung hat der Elch mit Stand 18. Oktober 2025 weitere 150 Kilometer zurückgelegt, dokumentiert durch Sichtungen und GPS-Tracking.
Verlauf der Wanderung
Das genaue Geburtsareal des jungen Elchs ist nicht bekannt, wird aber in Polen vermutet, wo es eine mehr als 40.000 Tiere umfassende Elch-Population gibt.[26] Erstmals öffentlich bekannt wurde eine Sichtung des Elchs am 2. Juni 2025, als er von Einwohnern von Ludgeřovice in der Region Opava gesehen wurde. Der Elch durchquerte auf einer Straße den Ort, übersprang einen Gartenzaun und hielt sich für mehrere Stunden im Garten eines Hauses auf.[27] Bei der ersten Sichtung gab es Überlegungen, den Elch zu betäuben und in den Nationalpark Böhmerwald zu bringen, wo es eine kleine Elchpopulation gibt. Der Elch verschwand jedoch im Wald, bevor er betäubt werden konnte.[28]
Ausgehend von Nordmähren wanderte der Elch vorwiegend in südwestlicher Richtung durch Tschechien. Für ein oder zwei Tage überschritt der Elch bei Skalica auch die Grenze zur Slowakei.[29] Am 15. August überquerte er in Hodonín in unmittelbarer Nähe des Bahnhofs die Gleise, der Zugverkehr wurde deshalb vorübergehend eingeschränkt.[30]
Am 18. August wurde der Elch auf seiner Wanderung bei Großkrut erstmals in Österreich gesehen. Am 23. August hielt sich der Elch am Bahnsteig des Bahnhofs Bisamberg auf und sorgte damit entlang der Nordwestbahn zwischen Wien-Strebersdorf und Korneuburg für eine kurzfristige Unterbrechung des Zugverkehrs.[6] Am 24. August durchschwamm er bei Klosterneuburg die Donau und erreichte den Bezirk Tulln in Niederösterreich. Am 6. September hielt er sich mehrere Stunden auf einer Brachfläche im Stadtgebiet von St. Pölten auf, wo er von zahlreichen Menschen bestaunt wurde.[31] In den Abendstunden wurde er im Gleisbereich unweit des Hauptbahnhof von St. Pölten gesichtet, der Zugverkehr an der Westbahnstrecke wurde deshalb für mehrere Stunden gestoppt.[32] In den Abendstunden des 9. September durchquerte er die Donau und wurde daraufhin in Klein-Pöchlarn, nördlich der Donau gesehen. In den frühen Morgenstunden des 10. September durchschwamm er die Donau erneut und wurde daraufhin südlich der Donau in der Marktgemeinde Krummnußbaum gesehen.[33] Am 19. September durchschwamm Elch Emil in den Morgenstunden bei Ernsthofen die Enns und erreichte damit im Bezirk Linz-Land das Bundesland Oberösterreich.[34]
Kolportierte Pläne der oberösterreichischen Landesregierung (konkret der eigens eingerichteten "SOKO Elch"), Emil zu betäuben und an die tschechische Grenze zu bringen, stießen auf massive Kritik durch Tierschützer. Von einer Betäubung oder gar einem Abschuss wurde zunächst abgesehen.[35] Nachdem er sich am 22. September beim Knoten Voralpenkreuz bei Sattledt der West Autobahn A1 genähert hatte, wurde er betäubt und an den Rand des Böhmerwaldes in den Bezirk Rohrbach gebracht, unweit des tschechischen Nationalparks Šumava, wo es eine Elchpopulation gibt.[36]
Die Agentur für Natur- und Landschaftsschutz der Tschechischen Republik hatte schon in der Vergangenheit Wanderungen von Elchen in Tschechien beobachtet und dabei festgestellt, dass sich das Verhalten der Tiere ändert, wenn sie dicht besiedelte Gebiete erreichen. Sie verlieren ihre Scheu und überqueren regelmäßig auch stark befahrene Straßen.[37] Dass Emil der Elch nur wenig Scheu vor Menschen zeigt, sei kein ungewöhnliches Verhalten, betont auch der schwedische Zoologe Martin Hammarsten. Vor allem junge Elche, die nach dem ersten Lebensjahr keinen Kontakt mehr zu ihrer Mutter haben, würden genau dieses Verhalten zeigen.[38]
Die tschechische Naturschutzbehörde warnte die Bevölkerung davor, den Elch zu erschrecken oder sich ihm zu nähern.[39] Auch die Polizei in Österreich hat dazu aufgerufen, den Elch nicht zu verfolgen.
Orte, an denen der Elch Emil gesichtet worden ist
Sichtungen in Tschechien
- 2. Juni – Ludgeřovice[40]
- 19. Juni – Ostrava (Martinov)[41]
- 22. Juni – Zbyslavice[41], Bítov[42]
- 29. Juni – Lukov[43]
- 4. Juli – Zlín (Příluky)[44]
- 5., 7., 11. Juli – Želechovice nad Dřevnicí[45]
- 13. Juli – Ludkovice, Biskupice
- 14. Juli – Uherský Brod (Těšov)[46]
- 15. Juli – Boršice u Blatnice, Dolní Němčí
- 16. Juli – Javorník
- 20. und 21. Juli – Korytná
- 22. und 23. Juli – Nivnice
- 2. August – Hluk, bei Ostrožská Lhota
- 3. August – Veselí nad Moravou
- 5. August – zwischen Veselí nad Moravou und Kozojídky
- 11. August – zwischen Tvarožna Lhota und Strážnice, Mlýnky, Skalica (Slowakei)
- 13. August – Sudoměřice
- 14. August – zwischen Rohatec und Hodonín
- 15. August – Hodonín, Josefov
- 17. August – Břeclav
Sichtungen in Österreich
- 18. August – Großkrut[47]
- 19. August – Mistelbach[48]
- 21. August – Gaweinstal (Pellendorf)[49]
- 22. August – Harmannsdorf (Würnitz,[50] Mollmannsdorf[51])
- 23. August – Korneuburg[52]
- 24. August – Langenzersdorf,[53] Klosterneuburg[54] (Durchquerung der Donau)
- 25. August – Maria Gugging,[55] Sankt Andrä-Wördern (Hadersfeld)[56]
- 26. August – Sankt Andrä-Wördern[57]
- 27. August – Tulbing (zwischen Chorherrn und Frauenhofen)[58]
- 28. August – Baumgarten am Tullnerfeld (Freundorf)[59]
- 29. August – Michelhausen (Pixendorf),[60] Sieghartskirchen (Plankenberg)[60]
- 30. August – Würmla[61]
- 31. August – Perschling, Kapelln[62]
- 2. September – Maria Jeutendorf[63]
- 5. September – Pottenbrunn, Radlberg (Stadtteile von St. Pölten)[64]
- 6. September – St. Pölten[65]
- 9. September – Melk,[66] Klein-Pöchlarn[67] (Durchquerung der Donau)
- 10. September – Marbach an der Donau[68] (Krummnußbaum an der Donauuferbahn), Krummnußbaum[69][70] (Durchquerung der Donau)
- 13. September – Ferschnitz[71]
- 15. September – Sonntagberg[72]
- 16. September – Sonntagberg (Rosenau am Sonntagberg)[73]
- 17. September – Wolfsbach (Niederösterreich)[74]
- 18. September – Stadt Haag,[75] St. Valentin (Niederösterreich)[76]
- 19. September – Ernsthofen, Kronstorf,[34] Hargelsberg[77] (Durchquerung der Enns)
- 20. September – Schiedlberg, Neuhofen an der Krems[78]
- 21. September – Kremsmünster[79]
- 22. September – Sattledt,[18] Bezirk Rohrbach[18] (Betäubung und Transport)
Sichtungen in der Grenzregion Deutschland/Tschechien
Hintergründe zur Elch-Wanderung
Elche in Mitteleuropa
Der Elch ist – nach dem Wisent – das zweitgrößte Landsäugetier, das in Europa heimisch ist. Paläozoologische und archäologische Untersuchungen zeigen, dass der Elch nach dem Ende der letzten Eiszeit in weiten Teilen von Europa verbreitet war. Am Höhepunkt der Verbreitung im Frühholozän waren Elche von den Pyrenäen bis nach Dänemark und von Großbritannien bis Österreich zu finden.[85] In Österreich sind 107 Fundstellen mit Elch-Überresten bekannt, die belegen, dass der Elch vom Tarantium bis zum Beginn des Mittelalters vorgekommen ist.[86] Während des Holozäns ist der Elch allmählich aus Mitteleuropa verschwunden. Die Ursachen dafür sind vielfältig: Neben den Jagdgewohnheiten des Menschen waren dafür auch Vegetations- und Klimaveränderungen sowie die zunehmende Besiedlung der Landschaft durch den Menschen entscheidende Faktoren.[85]
In Böhmen wurde der Elch zwischen dem 12. und dem 15. Jahrhundert weitgehend ausgerottet. Der letzte in Böhmen lebende Elch wurde im Jahr 1570 in der Nähe der Stadt Děčín erlegt.[87] Nur in wenigen besonders unzugänglichen Lebensräumen konnten Elche bis in die Neuzeit überleben. Vereinzelte Elch-Bestände in Sachsen, Galizien, Schlesien und im Baltikum verschwanden im Laufe der Jahrhunderte. Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts gab es Elche in Europa nur mehr in Fennoskandinavien, Polen und Russland.[88] In der Sowjetunion wurden die letzten vorhandenen Elchvorkommen im Jahr 1919 unter Jagdschutz gestellt, was zu einer Erholung der Bestände und in weiterer Folge zur Wiederausbreitung führte.[89]
Ab dem Jahr 1957 wanderten Elche ausgehend von Polen wieder nach Tschechien ein. Anfangs konnten ausschließlich männliche Elche nachgewiesen werden.[90] In Österreich wurde im Frühling 1966 im Mühlviertel erstmals eine Elchkuh gesichtet, die mehrere Monate lang durch das Land wanderte, bevor sie Ende Oktober unweit der Stadt Gmünd erlegt wurde.[88][91] Im Jahr 1974 konnte in Südböhmen erstmals ein Elchkalb nachgewiesen werden.[92] Der Fortpflanzungserfolg markiert die Etablierung einer fortpflanzungsfähigen Elchpopulation in Mitteleuropa.
Im Jahr 2025 wird der Elchbestand in Tschechien auf 20 Exemplare geschätzt, von denen etwa 15 im Böhmerwald leben[93] – es handelt sich dabei um das am weitesten südlich gelegene Elchvorkommen in Europa.[94] Diese Elchpopulation ist aber ständig vom Aussterben bedroht, da es sich um ein sehr kleines Inselvorkommen handelt, das mehrere Hundert Kilometer entfernt vom nächsten permanenten Elchvorkommen liegt.[95] Für das Überleben dieser Population ist eine kontinuierliche Stärkung des Gen-Pools durch die Einwanderung polnischer Elche von entscheidender Bedeutung. Die Kommunikation zwischen den einzelnen Elchpopulationen aus Polen und Tschechien ist praktisch unmöglich. Elche, die gelegentlich aus Polen einwandern, haben große Schwierigkeiten, die Landschaft mit ihren vielen Straßen, Autobahnen und Gebäuden zu durchqueren.[39]
Natale Abwanderung
Emils weiträumige Wanderung lässt sich biologisch als Fall nataler Abwanderung (engl. natal dispersal, natal = "Geburts-") einordnen. Dabei verlassen junge Elchbullen dauerhaft ihr Geburtsgebiet, um einen geeigneten Lebensraum für die Fortpflanzung außerhalb des eigenen Geburtsareals zu finden. Bei Elchen wird dieses Verhaltensmerkmal vorwiegend bei Männchen beobachtet und ist nicht zu verwechseln mit saisonalen Migrationsbewegungen. Begünstigt wird die natale Abwanderung durch eine hohe Populationsdichte im Geburtsareal. Die natale Abwanderung erfolgt normalerweise im Juni des zweiten Lebensjahres,[96] manche Tiere verschieben die Abwanderung aber auch auf den dritten Sommer.[97] Auf der Suche können die Tiere auch große Gebiete mit ungeeigneten Lebensräumen durchstreifen. Die Entfernungen, die während der Ausbreitungswanderung bewältigt werden, variieren stark, sind aber typischerweise kurz[96] – Ausbreitungsereignisse über Entfernungen von mehr als 100 Kilometer sind selten.[98] Für Elche in Nordnorwegen zeigt eine Untersuchung, dass sie während der natalen Abwanderung innerhalb von 1 bis 2 Wochen Entfernungen von 150 bis 200 Kilometer zurücklegen.[97]
Aber auch die weitläufige Wander-Bewegung von Elch Emil liegt im Rahmen bekannter Entfernungen für Elch-Wanderungen: Wissenschaftlich dokumentiert sind u. a. Wanderungen von 365 km in 60 Tagen sowie eine Rekord-Wanderung über mindestens 1.511 km. Dabei hat ein amerikanischer Elch von September 1987 bis Februar 1989 innerhalb von 509 Tagen eine Strecke von South Dakota bis Texas zurückgelegt.[98]
Für die Art insgesamt bringt diese Form der Fernausbreitung mehrere Vorteile: Sie senkt Inzuchtrisiken, reduziert die Konkurrenz unter Verwandten, erleichtert die Partnersuche und kann durch Entdeckung und Besiedlung geeigneter aber bisher unbewohnter Lebensräume zur Ausdehnung des geografischen Verbreitungsgebiets der Art beitragen.[98] Die Ausbreitung nach Erreichen der Geschlechtsreife ist ein wichtiges evolutionäres Ereignis, da diese Bewegung einen möglichen Genfluss von einer Population zur anderen darstellt. Für Randpopulationen, die hohen Einwanderungsraten ausgesetzt sind, kann natale Abwanderung einen positiven Effekt haben, der es ermöglicht, dass eine Population trotz schlechter genetischer oder ökologischer Bedingungen bestehen bleibt.[99]
Vergangene Wanderungen von Elchen
Im Juni 2001 stieß ein dreijähriger Elchbulle bei seiner Wanderung von Polen Richtung Süden an der Autobahn D1 im Kreis Vysočina bei Humpolec auf eine für ihn unüberwindbare Migrationsbarriere.[100] Drei Tage lang versuchte der Elch, einen geeigneten Durchgang in der Umgebung zu finden. Da es keine geeignete Querungsmöglichkeit gab, wurde das Tier betäubt und mit einem Traktor auf die andere Seite der Autobahn transportiert. Nach dem Aufwachen ging der Elch weiter Richtung Südböhmen.[101] 2021 wurde an der Stelle, an der der Elch die Autobahn nicht überqueren konnte, eine neue Grünbrücke über die Autobahn D1 fertiggestellt.[102]
Am 13. Juni 2016 wurde am Rande von Brünn eine Elchkuh und später auch ihr Kalb entdeckt. Die Elchkuh wurde von einem Tierarzt mit einem Betäubungsschuss aus einem Polizeihubschrauber narkotisiert, sie starb vor dem Verladen in die Transportbox.[103][104] Auch das einjährige Jungtier wurde einige Stunden später gefangen, es erlitt während des Transports einen Herzstillstand und starb.[103] Die Betäubung und anschließende Behandlung des Elchs erfolgte unsachgemäß und wurde von Experten heftig kritisiert.[105] Als Reaktion auf das umstrittene Vorgehen schlug die Tschechische Landschaftsgesellschaft vor, ein Handbuch zum Einfangen von Elchen zu entwickeln.[106]
Gefahren für Elche
Statistisch liegt die größte Gefahr für Elche auf Wanderschaft in Österreich und Tschechien darin, bei einem Wildunfall zu sterben, gefolgt von Jagd und Wilderei. Das zeigen wissenschaftliche Studien[88], die sich systematisch mit Elch-Beobachtungen in Österreich und Tschechien befassen, sowie die Auflistung von medial berichteten Elch-Wanderungen der letzten Jahrzehnte. In einer Studie[94] zum Rückgang des Elchvorkommens im Grenzgebiet zwischen Deutschland, Österreich und Tschechien aus dem Jahr 2021 wurden 27 Elch-Todesfälle für den Zeitraum von 1958 bis 2019 in den betroffenen Ländern ausgewertet. Mit 48 Prozent (n=13) machten Kollisionen zwischen Elchen und Fahrzeugen den größten Anteil aus, gefolgt von legaler Jagd (11 Prozent, n=3) und Wilderei (4 Prozent, n=1). Bei 10 Elchen (37 Prozent) konnte die Todesursache nicht ermittelt werden. Fahrzeugkollisionen mit Todesfolge ereigneten sich hauptsächlich auf Nebenstraßen (11 von 13 Kollisionen); nur zwei tödliche Kollisionen ereigneten sich auf Hauptstraßen und Autobahnen.
- 20. August 2021: In Ostrava wurde auf der vierspurigen Rudná-Straße ein erwachsenes Elchweibchen von einem Auto erfasst, nur 500 Meter entfernt vom Unfallort im Jahr 2018.[107]
- 10. Februar 2019: In Schrems-Kottinghörmanns (Bezirk Gmünd) wurde ein Elch beim Überqueren der Thayatal Straße B30 in der Nähe des Elk-Fertighaus-Firmensitzes von einem PKW erfasst und getötet. Der Fahrer blieb unverletzt.[108][109]
- 17. September 2018: Bei Ostrava im Stadtteil Bartovice wurde auf einer vierspurigen Straße gegen 5 Uhr morgens ein junger männlicher Elch von einem Lieferwagen erfasst und getötet.[110]
- 2017: In Tschechien wurden im Böhmerwald rund um den Stausee Lipno unweit der Grenze zu Österreich im Jahr 2017 (15. März, 18. Juni und 13. Juli) 3 Elche bei Kollisionen mit PKW getötet.[111][112][113][114][115]
- 15. April 2015: In der Nähe von Velenice erfasste ein Zug einen dreijährigen Elch.[116]
- 11. Oktober 1996: Im Jagdrevier „Manhartsberg“ in Schönberg am Kamp wurde ein erlegter zweijähriger Elchbulle gefunden. Er dürfte von einem Wilderer erschossen worden sein.[117]
- Im November 1991 wurden bei Litschau und Rottal (Gemeinde Haugschlag) 2 Elche erlegt, die zuvor wegen angeblicher „Waldverwüstung“ zum Abschuss freigegeben worden sind.[88]
- 24. August 1989: Bei Pöggstall wurde ein Elch bei der Nachsuche auf einen vortags angeschossenen Rothirsch erlegt. Gegen den Schützen wurde ein Strafverfahren eingeleitet.[88]
- 24. September 1988: Auf der West Autobahn bei Loosdorf kollidierte ein mit 5 Personen besetzter PKW bei Tempo 120 mit einem rund 320 kg schweren Elch. Das Tier verendete, vier Insassen wurden verletzt.[88][117][118][119]
- 3. Oktober 1985: Bei Melk wurde ein Elch von einem Jäger erschossen. Das Tier hatte schwer verletzt, vermutlich nach einer Kollision mit einem Zug, die Donau durchschwommen und war erschöpft am Ufer liegen geblieben.[88]
- 9. Juni 1980: Bei Bockfließ wurde ein Elch erlegt. Der Schütze wurde ausgeforscht und strafrechtlich belangt, er gab an, er habe geglaubt, ein Wildschwein vor der Flinte zu haben. Der Elch war im Frühling 1979 über das Waldviertel ins Marchfeld gewandert und wurde bis Anfang Mai 1980 mehrmals in der Region beobachtet.[88]