Emil Munz

deutscher Kaufmann, nationalsozialistischer Verlagsdirektor und Funktionär From Wikipedia, the free encyclopedia

Emil Karl Munz (* 16. Februar 1905 in Sulzbach[1]; † 1988 in Karlsruhe[2]) war ein nationalsozialistischer Verlagsdirektor und Funktionär. Er war unter anderem als Verlagsdirektor der Zeitung Der Führer, Gaupresseamtsleiter sowie Beisitzer am Reichspressegerichtshof tätig.

Leben

Emil Munz (links) und Franz Moraller (rechts) vor der Führer-Geschäftsstelle in Karlsruhe, Douglasstr. 10[3]

Emil Munz war der älteste Sohn des Betriebsleiters Georg Munz und seiner Ehefrau Marie. Von 1911 bis 1919 besuchte er die Volksschule und absolvierte anschließend eine kaufmännische Lehre bei der Bruchsaler Gesellschaft für Holzhandel und Holzbearbeitung, die er 1924 erfolgreich abschloss. In den folgenden Jahren war Munz in verschiedenen Unternehmen als Kaufmann tätig. Er war verheiratet mit Elsa Munz (geborene Schäf) und hatte drei Söhne und zwei Töchter. Einer seiner Söhne fiel 1944 im Alter von 18 Jahren an der deutschen Westfront.[4]

1927 übernahm er in Karlsruhe die bis dahin noch wenig bekannte nationalsozialistische Wochenzeitung Der Führer und führte fortan deren verlegerische Leitung.[5] Damit wurde er früh Teil des publizistischen Netzwerks der NSDAP. Zwischen 1924 und 1933 engagierte er sich in verschiedenen völkischen und nationalsozialistischen Organisationen. Zunächst gehörte er von September 1924 bis Januar 1925 der Völkischen Jugend, Ortsgruppe Karlsruhe, an. Im Anschluss trat er dem Schlageterbund beziehungsweise dem SA-Sturm Karlsruhe bei, wo er bis Dezember 1925 als SA-Mann tätig war. Nach einer kurzen Unterbrechung setzte er sein Engagement ab Januar 1928 im SA-Sturm Karlsruhe fort und übernahm schließlich ab April 1930 die Leitung des Motorsturmes der SA Karlsruhe, eine Position, die er bis Januar 1933 innehatte.[4]

Am 1. Januar 1929 trat er der Partei bei und wurde exakt drei Monate später Gaupresseamtsleiter.[6] Zudem übernahm er auch die Führung des Gauverlags des Gaues Baden, trug den Rang eines SA-Sturmbannführers und war als Oberbereichsleiter innerhalb der Partei tätig.[7] 1934 wurde er zum Beisitzer am Reichspressegerichtshof[8] sowie zum stellvertretenden Vorsitzenden des Ehrenrates im Reichsverband Deutscher Verleger berufen.[9]

Am 15. März 1945 wurde er als Gefreiter zur Sturm-Artillerie-Brigade 300 der Wehrmacht eingezogen. Am 8. Mai 1945 geriet er in russische Gefangenschaft. Aufgrund schwerer Erkrankungen wurde er am 25. September 1945 aus der Kriegsgefangenschaft entlassen und in die Heimat zurückgeführt.[10]

Presseaffäre und Strafurteil 1931

Im Juni 1931 veröffentlichte Der Führer einen Artikel mit dem Titel Brüning als Asket. Abendessen für 1150 Mark. Das badische Innenministerium verhängte daraufhin ein vierwöchiges Verbot der Zeitung. Kurz darauf zeigte der Verlag ein nicht genehmigtes Plakat mit herabsetzenden Darstellungen von Reichskanzler Brüning und Außenminister Curtius. Die Behörden stuften dies als politisch beleidigend ein.

Munz wurde wegen Verstoßes gegen die Reichspräsidentenverordnung vom 28. März 1931 zunächst zu 14 Tagen Gefängnis verurteilt. In der Berufungsverhandlung wurde die Strafe in eine Geldbuße von 90 Reichsmark, ersatzweise zehn Tage Haft, umgewandelt. Das Gericht sah ihn nicht als politischen Urheber, sondern als ausführenden Geschäftsführer.[11]

Entnazifizierungsverfahren 1948

1948 wurde Munz von der Spruchkammer des Interniertenlagers 77 in Ludwigsburg als Belasteter eingestuft. Die Kammer verhängte zwei Jahre und drei Monate Arbeitslager, unter Anrechnung politischer Haft. Zudem wurden 50 Prozent seines Vermögens eingezogen und eine fünfjährige Berufsbeschränkung ausgesprochen.

Munz war einer der Hauptbeteiligten, als es nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten darum ging, die mit der NS-Presse konkurrierenden Zeitungen sowie deren Vermögen und Inventar zu liquidieren. In mehreren eidesstattlichen Erklärungen wurde er zwar als ruhiger und anständiger Bürger beschrieben, die Kammer stellte jedoch fest, dass er als überzeugter und aktiver Nationalsozialist galt. Seine leitende Rolle in der NS-Presse wurde trotz fehlender publizistischer Schulung als systemstützend gewertet.[7][12]

Einzelnachweise

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