Emma Joos

württembergische Malerin und Grafikerin From Wikipedia, the free encyclopedia

Emma Joos (* 20. Februar 1882 in Weinsberg;[1][2]20. Juli 1932 in Jena oder Stuttgart)[3][4] war eine deutsche Malerin und Grafikerin des Spätimpressionismus, besonders bekannt durch zahlreiche Bilder und Grafiken von Landschaften und Bäumen.

Leben

Emma Joos war die Tochter des Stuttgarter Notars Georg Joos und seiner Ehefrau Magdalene Sofie geb. Steinhilber.[1] Sie wuchs im „traditionellen Milieu des altwürttembergischen Protestantismus“ auf. Große Bescheidenheit, fast Askese, prägte ihren Lebensweg. Ihre Mutter verstarb früh, der Vater heiratete ein zweites Mal. Emma Joos selbst blieb ledig.[5]

Von 1899 bis 1903 studierte Joos an der Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart.[6] Nach dem Sommersemester 1903 studierte sie im Künstlerinnenverein in München, insbesondere bei Christian Landenberger. Im Wintersemester 1905/1906 schloss Joos ihre Ausbildung an der Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart ab, wo Landenberger Professor geworden war.[5]

Von 1906 bis zu ihrem Tod war sie Mitglied im Württembergischen Malerinnenverein, von 1915 bis 1927 im Frauenkunstverband, Ortsgruppe Stuttgart sowie im Künstlerbund Stuttgart.[6] Sie verbrachte zahlreiche Sommer in Abtsgmünd, einem kleinen Dorf im Ostalbkreis, wo sie insbesondere Kaltnadelradierungen vom Landleben (Bäume, Ernte etc.) anfertigte.[5]

Nach dem Ersten Weltkrieg konnte sich Joos nur mit sehr sparsamem Verhalten über Wasser halten.[5]

Von 1928 bis zu ihrem Tod im Jahre 1932 bewohnte Joos eine Atelierwohnung in dem Vereins-, Atelier- und Ausstellungsgebäude des Württembergischen Malerinnenvereins in der Eugenstraße 17 in Stuttgart.[7.1] Sie starb vermutlich in Jena,[8] wurde aber auf dem Pragfriedhof in Stuttgart im Familiengrab beerdigt.[3]

Emma Joos war die ältere Halbschwester des Physikers Georg Joos.

Werk

Ganz im Sinne des Impressionismus malte Joos häufig in der freien Natur vor dem Motiv und nicht im Atelier. In ihren Arbeiten waren Landschaften ein zentrales Thema. Der momentane Eindruck, die Lichtverhältnisse und „das, was man sieht“ waren wichtig. Joos erlernte Lithografie bei Alexander Eckener und schuf zahlreiche Bäume – ein Lieblingsmotiv der Künstlerin – in Schwarzweiß.[5]

Werke von Emma Joos befinden sich im Kunstmuseum Stuttgart, der Staatsgalerie Stuttgart, sowie in der Kunstsammlung des Bundes Bildender Künstlerinnen Württembergs (Nachfolgeorganisation des Württembergischen Malerinnenvereins),[9] außerdem in Familienbesitz der Nachkommen ihrer Halbgeschwister. Die Kupferplatten ihrer Stiche wurden im Zweiten Weltkrieg vernichtet.

Staatsgalerie Stuttgart:[9]

  • verschiedene Landschaften und Ansichten, Kaltnadelradierungen
  • Pflügender Bauer, ohne Jahr, Bleistift und Kohle
  • Landschaft, ohne Jahr, Kohle
  • Bootshafen von Lindau, 1927, Bleistift und Kohle
  • Schafstudien, 1926, braune Kreide
  • Schafe im Pferch III, ohne Jahr, Bleistift
  • Durchbrechende Sonne, ohne Jahr, Kohle
  • Blühende Wiese, ohne Jahr, Bleistift und Kohle
  • Zwei Karren, ohne Jahr, Bleistift
  • Waldwiese, ohne Jahr[10]


Kunstmuseum Stuttgart:[11]

  • Birken im Sonnenlicht, ohne Jahr, Öl auf Leinwand
  • Obstbäume, ohne Jahr, Radierung
  • Ernte, ohne Jahr, Radierung
  • Parktor in Obermarchtal, ohne Jahr, Öl auf Leinwand[12]
  • Zwei Kinder mit Blumen, ohne Jahr, Öl auf Leinwand[13]

Bund Bildender Künstlerinnen Württembergs:[14]

  • Kolleginnen im Atelier, ohne Jahr, Öl auf Leinwand[7.2]
  • Junge Frauen in der Kirche, ohne Jahr, Öl auf Leinwand
  • Feldblumenstrauß, ohne Jahr, Öl auf Leinwand
  • Alte Scheune, ohne Jahr, Radierung
  • Ernte, ohne Jahr, Radierung
  • Bei Abtsgmünd, ohne Jahr, Radierung
  • Emma Joos, Selbstbildnis, ohne Jahr, Kaltnadelradierung[5]

Ausstellungen

zu Lebzeiten der Künstlerin
  • 1909: Stuttgart, Atelierhaus-Galerie (Ausstellung des Württembergischen Malerinnen-Vereins)[15]
  • 1912 und 1914: Stuttgart, Württembergischer Kunstverein[15]
  • 1915, 1924, 1927: Ausstellungen des Frauenkunstverbandes, Württembergischer Kunstverein, Stuttgart[15]
  • 1915: Stuttgart (Ausstellung zu Gunsten württembergischer Künstler im Kgl. Kunstgebäude am Schlossplatz)[15]
  • 1916: Stuttgart, Kunstgebäude („Württembergische Kunst 1891 bis 1916“)[15]
  • 1925: Stuttgart, Kunstgebäude („Große Schwäbische Kunstschau des Künstlerbundes Stuttgart“)[15]
  • 1927: Jubiläumsausstellung des Frauenkunstverbandes im Württembergischen Kunstverein[7.3]
  • 1931: Stuttgart (Ausstellung des Künstlerbundes)[15]
posthum

Ehrungen

In einem Neubaugebiet im Stadtteil Stuttgart-Stammheim wurden Straßen u. a. nach Künstlerinnen des Württembergischen Malerinnenvereins benannt. Darunter gibt es seit 2018 eine Emma-Joos-Straße.[17]

Literatur

  • Die Werkstatt der Kunst. Organ für die Interessen der bildenden Künstler. Band XI, Nr. 31, 1912, ISSN 2566-9575, S. 427.
  • Gert K. Nagel: Joos, Emma. In: Schwäbisches Künstlerlexikon: Vom Barock bis zur Gegenwart. München 1986, ISBN 978-3-921811-36-8.
  • Heinrich Rummel: Die "Holzmacherin aus Abtsgmünd", die Malerin Emma Joos (1870-1932). In: Ostalb-Einhorn. Band 19, 1992, ISSN 0170-6799, S. 294.
  • Walburga Falkenstein: Erinnerungen an Emma Joos. In: Ostalb-Einhorn. Band 19, 1992, ISSN 0170-6799, S. 295296.
  • Edith Neumann: Künstlerinnen in Württemberg. Zur Geschichte des Württembergischen Malerinnen-Vereins und des Bundes Bildender Künstlerinnen Württembergs. Band 1. Klett-Cotta, Stuttgart 1999, ISBN 3-608-94192-4.
  • Edith Neumann: Künstlerinnen in Württemberg. Zur Geschichte des Württembergischen Malerinnen-Vereins und des Bundes Bildender Künstlerinnen Württembergs. Band 2. Klett-Cotta, Stuttgart 1999, ISBN 3-608-94192-4.
  • Joos, Emma. In: Andreas Beyer, Bénédicte Savoy, Wolf Tegethoff (Hrsg.): Allgemeines Künstlerlexikon - Internationale Künstlerdatenbank - Online. K. G. Saur, Berlin / New York 2009.
  • Gabriele Katz: Stuttgarter Damenklasse. Künstlerinnen auf dem Weg in die Moderne. G. Braun, Karlsruhe 2013, ISBN 978-3-7650-8428-7, S. 34–39.
  • Hartmut Härer: Emma Joos. In: Michael C. Maurer, Isabell Schenk-Weininger (Hrsg.): Schwäbische Impressionistinnen. Katalog der Ausstellungen in Schloss Achberg und der Städtischen Galerie Bietigheim-Bissingen. Kulturhäuser Landkreis Ravensburg, Kunst und Kultur Schloss Achberg, Ravensburg 2024, ISBN 978-3-944685-20-5, S. 106–111, Biografie: S. 157.

Einzelnachweise

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