Emmanuel Carrère

französischer Schriftsteller From Wikipedia, the free encyclopedia

Emmanuel Carrère (* 9. Dezember 1957 in Paris) ist ein französischer Schriftsteller, Drehbuchautor, Filmproduzent und Filmregisseur.

Emmanuel Carrère (2025)

Leben

Carrère ist der Sohn der französischen Historikerin Hélène Carrère d’Encausse, geborene Zourabichvili, und des Louis Carrère d’Encausse, der in der Versicherungsbranche tätig war. Die Cousine seiner Mutter ist die französisch-georgische Politikerin, frühere Außenministerin und amtierende Staatspräsidentin Georgiens, Salome Surabischwili.

Emmanuel Carrère (2012)

Carrère hat seit den frühen 1980er Jahren rund ein Dutzend Bücher geschrieben, die zum Teil preisgekrönt wurden. Ferner war er Drehbuchautor und Produzent einer Reihe von Filmen für Kino und Fernsehen. 2010 war er Jurymitglied bei der Auswahl der Spielfilme bei den 63. Filmfestspielen von Cannes und 2015 Jurymitglied bei den 72. Internationalen Filmfestspielen von Venedig.

Carrère tritt gelegentlich auch als Regisseur in Erscheinung, zuerst 2003 mit der Dokumentation Retour à Kotelnitch. Zwei Spielfilme folgten.

Werk

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung beschrieb sein Yoga (2020, dt. 2022) als „ein ebenso virtuoses wie umstrittenes Beispiel der Autofiktion, das mit vielem abrechnet“.[1]

Kolkhoze (P.O.L., 2025) ist ein Familien- und Geschichtsepos, das über vier Generationen von Carrères Familie hinweg autobiographische Reflexion, Genealogie und politische Philosophie verbindet und die Spannungen zwischen Erinnerung und Verschweigen, Intimität und historischer Katastrophe literarisch verhandelt. Ausgehend von der Metapher der Kolchose als Symbol kollektiver Narrative verknüpft der Roman die Familiengeschichte mit den Mechanismen totalitärer Geschichtsverfälschung und thematisiert deren Fortleben im heutigen Russland bis hin zum Angriffskrieg gegen die Ukraine.[2]

Zitat

„Dann gibt es die Aufrichtigkeit. Das ist nicht dasselbe wie Wahrheit. Ich kann aufrichtig sein und mich irren. Und dann gibt es die Wahrheit als solche. Was ist das? Das Stärkste, was mir dazu einfällt, ist von Kafka: ‚Unwissend bin ich, die Wahrheit bleibt jedenfalls bestehen.‘“

Emmanuel Carrère: Interview von Johanna Adorján: Ich glaube, es gibt eine grosse Nachfrage nach der Wahrheit. In: Süddeutsche Zeitung Magazin, Nummer 51 vom 18. Dezember 2020, S. 40.

Veröffentlichungen

Filme

Eigene Filme

Verfilmungen

Fernsehen

Auszeichnungen und Preise

  • 1984: Prix Passion für Bravoure
  • 1985: Prix de la Vocation für Bravoure
  • 1987: Grand Prix de l’Imaginaire für Le Détroit de Behring
  • 1988: Prix Kléber Haedens für Hors d’atteinte
  • 1995: Prix Femina für La Classe de neige
  • 2006: Chlatmadis Award for Best Adapted Screenplay für La Moustache
  • 2009: Prix Marie Claire du roman d’émotion für D’autres vies que la mienne
  • 2009: Prix des lecteurs de L’Express für D’autres vies que la mienne
  • 2009: Prix Crésus für D’autres vies que la mienne
  • 2010: Globe de Cristal für D’autres vies que la mienne
  • 2010: Grand Prix de littérature Henri Gal de l’Académie française für sein bisheriges Werk
  • 2011: Prix de la langue française
  • 2011: Prix Renaudot für Limonov
  • 2012: Premio Malaparte
  • 2014: Prix littéraire du journal Le Monde
  • 2015: Premio Autore Straniero des Premio Mondello
  • 2017: FIL-Preis
  • 2021: Prinzessin-von-Asturien-Preis in der Kategorie Literatur
  • 2023: Premio Strega Europeo für V13
  • 2025: Prix Médicis für Kolkhoze[8]

Einzelnachweise

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