Emmauskloster

Kloster in Prag From Wikipedia, the free encyclopedia

Das Emmauskloster (auch Emauskloster, tschechisch Emauzský klášter, auch Klášter v Emauzích) ist eine Benediktiner-Abtei in der tschechischen Hauptstadt Prag.

Das Emmauskloster in der Prager Neustadt

Geschichte

Die ursprünglich romanische Pfarrkirche St. Cosmas und Damian

Das Kloster Em(m)aus wurde schon vor dem Anlegen der Prager Neustadt auf einem Sporn der oberen Moldau-Terrasse an dem alten Weg zum Vyšehrad gegründet. Zunächst diente die noch erhaltene, alte romanische Pfarrkirche der Flößergemeinde Podskalí St. Cosmas und Damian als Klosterkirche, die Pfarre wurde zur Nikolauskirche verlegt.

Karl IV. stiftete auf dem Gelände des exemten Vyšehrader Stiftskapitels mit Zustimmung Papst Clemens VI. (Bulle vom 9. Mai 1346) am 21. November 1347 ein Slawenkloster mit dem Auftrag, hier altslawische Liturgie zu pflegen.

Karls Mutter war Elisabeth von Böhmen, zweitälteste Tochter des vorletzten přemyslidischen Königs Wenzel II. von Böhmen. Neben seiner Muttersprache Böhmisch beherrschte er ausweislich seiner Autobiographie auch Latein, Deutsch, Französisch und Italienisch. Karls Vater war Johann von Böhmen, Sohn des Kaisers Heinrich VII. und erster böhmischer König aus dem Haus Luxemburg. Karl folgte nach dem Tode seines Vaters diesem am 2. September 1347 im Amt des böhmischen Königs nach. Schon zwei Monate darauf stiftete er das Slawenkloster. Die schnelle und positive päpstliche Bewilligung resultierte aus dem besonderen Vertrauensverhältnis zwischen Karl und Clemens VI., der als Erzbischof von Rouen und französischer Kanzler unter seinem bürgerlichen Namen Pierre Roger aus dem Haus Rogier de Beaufort Karls ehemaliger Erzieher am französischen Hof gewesen war. Karl hatte bereits 1346 bei einem Treffen mit Clemens VI. am damaligen Papstsitz Avignon auf die schlimmen Zustände in Dalmatien hingewiesen. Seit 1342 bemühte sich der neue kroatisch-ungarische König Ludwig I. aus dem Haus Anjou, die volle Kontrolle über die nordöstliche adriatische Küste zu erringen. Dabei waren ihm die Vertreter der kirchenslawischen Liturgie im Wege.

Karl IV. hatte die glagolitische Messe als Gast des Grafen Bartolomej VIII. Frankopan in Senj bereits 1337 kennengelernt. Er hielt sich dort als Regent in Tirol für seinen jüngeren Bruder Johann Heinrich und dessen Görzerische Gemahlin Margarete (1366 erstmals als Maultasch erwähnt) auf, ein Amt, welches er von 1335 bis 1338 ausübte. Bartolomej saß als Fürst von Krk in Senj und hatte 1336 Karl aus der Gewalt von dalmatinischen Piraten befreit. Er regierte von 1327 bis 1361 und trug wesentlich zur Bewahrung der glagolitischen Liturgie auf Krk und in Dalmatien bei.

1348 wurden Kirche und Kloster durch den ersten Prager Erzbischof Ernst von Pardubitz an Benediktinermönche aus Kroatien übergeben. Es handelte sich dabei um 80 Mönche aus dem 1345 von Venezianern geplünderten und zerstörten Cosmas-und-Damian-Kloster der Insel Pašman.

An der Vyšehrader Stiftskirche hatten der Überlieferung zufolge sowohl der heilige Methodius als auch der heilige Prokop bereits slawische Gottesdienste zelebriert. Nach den Mönchen erhielt die Klosterkirche den Namen Marienkirche bei den Slawen (Klášter Panny Marie Na Slovanech).

Die Weihe der Klosterkirche der Jungfrau Maria und der slawischen Schutzheiligen erfolgte am 29. März 1372, einem Ostermontag, im Beisein des Kaisers Karl IV. und zahlreicher hoher Adliger und Geistlicher. Da an diesem Tag der Text aus dem Lukasevangelium verkündet wurde, der die Begegnung Christi mit den Jüngern auf dem Weg nach Emmaus schildert (Lukas 24, 13–35), erhielt das Kloster den vor allem unter den Deutschen verbreiteten zweiten Namen Emmauskloster.

Im 14. und 15. Jahrhundert entwickelte sich das Kloster zu einem herausragenden Bildungszentrum, in dem zahlreiche Übersetzungen und illuminierte Handschriften geschaffen wurden, darunter auch das „Registrum Slavorum“ aus der Zeit um 1395. Dies ist der glagolitische Teil des Evangelistars von Reims, auf den die letzten französischen Könige 1722 und 1775 ihren Eid leisteten.

Als eines der wenigen Klöster in Prag wurde es nicht durch die Hussiten zerstört, sondern war von 1419 bis 1589 von Utraquisten besetzt und beherbergte ab 1446 das einzige Utraquistenkloster der Stadt. 1593 erhielten die Benediktiner Emaus zurück. Nachdem die tschechischen Mönche nach St. Nikolaus in der Prager Altstadt versetzt wurden, berief Kaiser Ferdinand III. 1636 Benediktiner der spanischen Montserrater Klosterreform nach Emaus. Nach deren Einzug wurde das Emauskloster umgebaut und um ein Geschoss aufgestockt. In der Folge blühte das Kloster geistlich und kulturell neu auf. Durch die Josephinischen Reformen wurden die Mönche mit dem Unterricht am Gymnasium von Klattau in Westböhmen beauftragt, wodurch es zu einem Niedergang des Ordenslebens im Emauskloster kam.

Westfassade im Beuroner Stil
Gestalt des Emmausklosters bis zur Bombardierung 1945

1880 gelangte das Emauskloster mit Zustimmung des Kaisers Franz Joseph I. und des Prager Kardinals Friedrich zu Schwarzenberg an die Beuroner Kongregation. Damals wurden infolge des Kulturkampfs die Mönche aus der Erzabtei Beuron vertrieben und kamen am 19. März 1880 in Prag an. Erster Leiter der Prager Niederlassung war der Beuroner Abt Maurus Wolter, erster Administrator der Prior Benedikt Sauter, der 1885 zum Abt gewählt wurde.[1] Unter ihm kam es zu einer Neubelebung des Klosterlebens. Während seiner Amtszeit wuchs das Emauskloster zu einem der größten Benediktinerkonvente an. Zugleich erreichte es eine geistige Blüte und entwickelte sich zu einem Zentrum der liturgischen Erneuerung. 1887 gründete er die Emautiner Oblatenschule, in der junge Männer für den klösterlichen Beruf vorbereitet und in Gymnasialfächern unterrichtet wurden. Zudem förderte er die Gründung des ersten Beuroner Benediktinerinnenklosters St. Gabriel in Prag-Smíchov. Die deutschnationale Los-von-Rom-Bewegung wurde von ihm und seinem Konvent bekämpft, ebenso von seinem Nachfolger Albanus Schachleiter. Er richtete nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 in den Klosterräumen eine Suppen- und Armenküche sowie ein Lazarett ein. Zudem wurden jüngere Ordensangehörige als Sanitätshelfer des k.u.k-Krankenzuges PK 45 eingesetzt, der aus sechzehn Krankenwagen bestand, die zu allen Kriegsschauplätzen führten.

Mit dem Zerfall der Doppelmonarchie und der Gründung der Tschechoslowakei 1918 mussten fast alle deutschen Mönche des Emausklosters 1919 Prag verlassen. Ursächlich für die Vertreibung war die deutschnationale Haltung des Abtes Schachleiter. Ihm wurde vorgeworfen, dass das Emauskloster, das ursprünglich ein Zentrum der slawischen Liturgie war, paradoxerweise ein Ort des Deutschnationalismus geworden war. Durch die Vertreibung brach der Konvent auseinander. Ein Teil der Mönche begab sich in die Beuroner Abtei Neresheim, mit der größeren Anzahl der Mönche wurde 1919 die ehemalige Zisterzienserabtei Grüssau in Niederschlesien besiedelt, deren Abt 1924 Albert Schmitt wurde.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde ein großer Teil der Klostergebäude vom staatlichen Konservatorium besetzt. In dieser kirchenpolitisch schwierigen Zeit war der Prager Erzbischof František Kordač ein großer Förderer des Emausklosters. 1922 wurde der Tscheche Arnošt Vykoukal zum Prior und Administrator des Klosters berufen. Er bemühte sich um eine Stabilisierung des Klosterlebens und eine Besserung in den Beziehungen zwischen Staat und Kirche. Dadurch hörten die politischen Angriffe gegen das Emauskloster auf. Nachdem Abt Schachleiter 1924 auf sein Amt resigniert hatte, wurde im September 1925 Arnošt Vykoukal im ersten Wahlgang zum Abt gewählt. In dieser Funktion erneuerte er die Tradition der Gottesdienste in der Altkirchenslawischen Sprache, wodurch sich der Slawenapostel-Kult entwickelte und die Gottesdienste wieder stärker besucht wurden. Bis 1929 stieg die Kommunität in Emaus auf 68 Mitglieder, darunter 22 Priester, 13 Novizen, vier Kleriker und 29 Laienbrüder. Von 1933 bis Kriegsbeginn 1939 wurden Liturgische Wochen veranstaltet, an denen neben tschechischen auch ausländische und Beuroner Theologen teilnahmen. Mit den Veranstaltungen wurde eine Rückkehr zu den Wurzeln des frühen Christentums verfolgt. Gleichzeitig war Vykoukal ein Befürworter des Liturgischen Apostolats. Dadurch wurde das Kloster zu einem wichtigen Zentrum der liturgischen Reform sowie der Erneuerung des tschechischen Katholizismus.

Nach der „Zerschlagung der Rest-Tschechei“ 1939 wurde am 16. Juli 1942 die Emaus-Abtei von der deutschen Armee besetzt. Das Zimmer des Abtes Vykoukal wurde von der Gestapo durchsucht, weil ihm die „Tschechisierung“ des Klosters vorgeworfen wurde. Danach nahm das Deutsche Rote Kreuz seinen Sitz im Emauskloster. Abt Vykoukal bemühte sich um eine neue Bleibe für seinen Konvent, musste jedoch Prag verlassen und wohnte vorübergehend in Pilsen, wobei ihm verboten wurde, Kontakt mit der Kommunität aufzunehmen. Am 7. August 1942 wurde er in das KZ Dachau verschleppt, wo er am 10. September 1942 an Dysenterie starb.

Vor Kriegsende 1945 wurde das Kloster bei einem alliierten Luftangriff schwer beschädigt. Noch im selben Jahr wurde es neu errichtet und Mitglied der Slawischen Benediktinerkongregation. Während alle anderen böhmischen Benediktinerkonvente der böhmischen Kongregation eingegliedert waren, gehörte das Emauskloster von 1880 bis 1945 zur Beuroner Kongregation.

Die Klosterkirche Maria bei den Slawen heute

Im Zuge der Aktion K wurde das Emauskloster am 27. April 1950 durch die Tschechoslowakische Volksarmee und die Volksmiliz geschlossen. Die Klosteranlage wurde beschlagnahmt und der Konvent aufgehoben. Einem Teil der Mönche gelang die Flucht nach Italien, zuerst nach Foligno, dann nach Nursia. Das Kloster wurde der Tschechoslowakischen Akademie der Wissenschaften übergeben, die dort zwei Institute einrichtete, eine Klinik zur Behandlung von Berufskrankheiten und eine dermatologische Klinik[2]. Nach der Samtenen Revolution wurde Emaus 1990 dem Benediktinerorden zurückgegeben und als ein Priorat der Abtei Břevnov unterstellt.[3] Heute lebt wieder eine kleine Kommunität im Kloster. Prior-Administrator war von 2010 bis 2016 Abtpräses Edmund Wagenhofer, seit 5. Mai 2016 war es zwischenzeitlich Pater Augustin Gazda, der Prior der Abtei Raigern, aktuell (2020) ist es Erzabt Prokop Siostrzonek von Břevnov (Breunau) (Prag).

Kunst

Die Klosterkirche mit drei gleich hohen Schiffen und jeweils eigenem Chorabschluss erinnert mit der fehlenden Trennung zwischen Chor und Langhaus und der auffallenden Schmucklosigkeit eher an Predigerkirchen und steht somit im starken Gegensatz zu den Bauten der Parlerschen Gotik. Von besonderer kunsthistorischer Bedeutung ist die um 1360 entstandene Fresko-Wandmalerei im Kreuzgang.

Die Beuroner Benediktiner haben 1888–1885 die Kirche und das Kloster im Stil der Beuroner Kunstschule umgestaltet. An der Ausgestaltung der Klosteranlage wirkten die drei führenden Beuroner Mönchs-Künstler mit: Desiderius Lenz, Gabriel Wüger und Lukas Steiner. Diese Künstler waren auch an der Ausmalung der Benediktinerinnenabtei St. Gabriel in Prag beteiligt.

Während einer Restaurierung erhielt die Kirche 1967 durch den Architekten František Maria Černý die moderne zweispitzige Front als Kompromiss zwischen dem früheren hohen gotischen Giebel und beiden bei den Luftangriffen zerstörten barocken Westtürmen.

Wandzyklus im Kloster

Die Natur und Struktur des Zyklus

Die Wandmalereien bedeckten ursprünglich alle 22 Felder des Kreuzgangs in zwei Bändern. Im oberen Band (mit Ausnahme der Szene der Manna-Sammlung) findet sich stets eine neutestamentliche Szene, die zwei typologisch parallelen alttestamentlichen Szenen im unteren Band entspricht . Jedes Feld bildet somit eine typologische Einheit. Unterhalb der Malereien befand sich ein etwa 30 cm breites Zierband mit kosmischem Muster.

Der Zyklus folgt der typologischen Parallelität zwischen Altem und Neuem Testament, d. h. dem Verständnis alttestamentlicher Episoden als Vorbilder für das Leben Christi und neutestamentliche Ereignisse. Dieses Programm basiert auf der Tradition mittelalterlicher theologischer Exegese und steht in Verbindung mit moralisierenden Bibeln und der „Biblia pauperum“ .

Bis in die 1990er-Jahre ging man davon aus, dass der Zyklus aus achtzig Gemälden bestand, die den gesamten Kreuzgang ausfüllten. Die Entdeckung des sogenannten Uppsala-Manuskripts durch Margarette Anderson-Schmitt zeigte jedoch, dass diese achtzig Gemälde nur einen Teil des Ganzen darstellen und dass die wichtigsten Passionsszenen – die Kreuzigung, die Kreuzigung Christi, die Durchbohrung seiner Seite und die Höllenfahrt – in der Kaiserkapelle zu finden waren.

Technik und Erhaltungszustand

Die Gemälde entstanden um 1360 in der Technik der Kalkmalerei auf gehärtetem, nur leicht angefeuchtetem Putz, nicht als echte Freskotechnik . Diese einfachere Technik, zusammen mit späteren Eingriffen, hat zum heutigen schlechten Zustand des Zyklus beigetragen. Das Originalgemälde ist dort am besten erhalten, wo hochwertige Pigmente wie Azurblau verwendet wurden, das sich gut mit dem Putz verband.

Die erste größere Umgestaltung erfolgte zu Beginn des 15. Jahrhunderts, die entscheidende barocke Neugestaltung nach der Ankunft der spanischen Benediktiner wurde 1654 abgeschlossen. Die ursprünglichen hellen Töne wurden mit dunklen Farben übermalt, und die Malereien in den Gewölben wurden durch farbenfrohe Renaissance-Dekorationen ersetzt. Im Laufe der Zeit verblassten die Farben des Putzes so stark, dass die Klosterchronik von einem völlig neuen Gemälde ausging.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts befand sich der Zyklus in einem sehr schlechten Zustand; einige Gemälde waren kaum noch lesbar. Vor dem Ersten Weltkrieg und erneut in den 1930er Jahren wurde eine Restaurierungskampagne durchgeführt, in deren Zuge Teile der barocken Übermalungen entfernt und die am besten erhaltenen Gemälde fotografisch dokumentiert wurden; die Fotografien aus dem Jahr 1933 sind heute eine wichtige Quelle. Nach der Auflösung des Klosters im Zweiten Weltkrieg ordnete die Antikenbehörde eine systematische Reinigung und Bestandsaufnahme des Zyklus an.

Ein Luftangriff im Jahr 1945 führte zum Einsturz von Teilen des Mauerwerks und zum Abplatzen großer Putzflächen. Die barocke Übermalung blätterte vielerorts ab und gab die ursprüngliche Zeichnung mit Untermalung in Grundfarben frei. Von den ursprünglich etwa achtzig Gemälden ist nur ein Teil gut erhalten; die neutestamentlichen Szenen im oberen Bereich der Nord- und Westflügel sind am besten erhalten.

Ikonographisches Programm und das Uppsala-Manuskript

Das Uppsala-Manuskript C 209, das in der Universitätsbibliothek Uppsala aufbewahrt wird und ursprünglich dem Kloster St. Birgitta in Vadstena gehörte, enthält eine mittelalterliche lateinische Beschreibung der Gemälde im Kreuzgang des Klosters Na Slavanech. Auf den Blättern 230v–231v ist ein Diagramm des typologischen Zyklus ( Hee crespondencie in veteri et nuovo testament habundur in pictura setsundum ymagines pulcherrimas ad slawos in ambitu in nuova civitate pragensi ) dargestellt, einschließlich vier Passionsgruppen, die nach der Beschreibung von Feld XXVI enthalten sind.

Diese vier Gruppen stellen Folgendes dar: Die Kreuzigung (mit einer Vorwegnahme von Joels Tötung Siseras sowie Tubal und Tubalkaim), die Kreuzigung (mit dem Symbol der Eisernen Schlange und einer weiteren, unbekannten Szene), die Durchbohrung der Seite Christi durch den Speer des Longinus (mit Moses, dessen Schlag gegen den Felsen Wasser hervorbrachte, und einer weiteren Szene) und die Höllenfahrt (mit der Hinrichtung Hamans und Simsons Tötung des Löwen). Die Uppsalaer Handschrift vervollständigt somit die fehlenden Teile des Programms und bestätigt die Ausdehnung des Zyklus auf die Kaiserkapelle.

Übersicht ausgewählter Zyklusfelder

Der Zyklus beginnt in der südöstlichen Ecktafel des Südflügels des Kreuzgangs (Tafel I). Diese war vermutlich ursprünglich mit dem thronenden Christus bemalt und später mit der Szene übermalt, in der Christus mit den Jüngern nach Emmaus geht; beide Gemälde wurden bei dem Luftangriff zerstört, aber ein Fragment von drei Engelsköpfen ist erhalten geblieben.

Der Westflügel (Felder IX–XIV) umfasst unter anderem:

  • Feld IX – Beschneidung Christi im oberen Streifen, Beschneidung Abrahams und Beschneidung des Sohnes Zipporas darunter.
  • Tafel X – Anbetung der Heiligen Drei Könige, darunter die Anbetung der Brüder Josefs und wahrscheinlich die Opfergaben der israelitischen Fürsten bei der Einweihung des Altars.
  • Tafel XI – Das Opfer Christi im Tempel, unterhalb des Opfers des Erstgeborenen für den Herrn und Samuel, der Gott geweiht wurde.
  • XII. Feld – Der Mord an Bethlehem und die Flucht nach Ägypten, darunter der Mord an Knaben durch den Pharao und der Mord an den Nachkommen König Jorams durch Königin Atalja.
  • Tafel XIII – Die Taufe Christi im Jordan, unterhalb der Heilung des syrischen Generals Naaman und des Metallmeeres.
  • Tafel XIV – Die Versuchung Christi, darunter die Versuchung des Moses während des vierzigtägigen Fastens und die Stärkung des Propheten Elias in der Wüste (beide Szenen stark beschädigt).

Der Nordflügel (Felder XV–XXII) ist insofern besonders, als jedes seiner drei Felder zwei typologische Einheiten enthält, die durch eine Scheinlinie getrennt sind. Zu den wichtigsten Szenen gehören:

  • Tafel XV – Hochzeit zu Kana in Galiläa, unten füllt Elisa die Krüge der Witwe mit Öl und Elisa heilt das verunreinigte Wasser (auch identifiziert dank der Uppsala-Handschrift).
  • Tafel XVI – Die Auferweckung des jungen Mannes von Nain, darunter erweckt Elia den Sohn der Witwe von Sarepta und Elisa den Sohn der Schunemiterin auf.
  • XVII. Tafel – Die Sammlung des Manna im oberen Streifen als eine typisch alttestamentarische Szene, darunter zwei Varianten der Speisung des Volkes mit Broten und Fischen.
  • Feld XVIII – Steinigung Christi, darunter befiehlt Isebel, den Winzer Naboth zu steinigen, und die mystische Weinpresse Christi.
  • Felder XIX–XXI – eine Reihe von Szenen, die Christus im Haus von Martha, die Begegnung mit der Samariterin am Jakobsbrunnen (eines der am besten erhaltenen Gemälde des Zyklus) und Christus im Haus von Simon mit Maria Magdalena zeigen; typologisch entsprechen sie Szenen aus Rebekka, der Witwe von Sarepta, und alttestamentlichen Szenen von Aussatz und Heilung.

Der Ostflügel (Bereiche XXIII–XXXIII) enthält die Passionsszene und den letzten Teil des Zyklus:

  • XXII. Feld – Christi Einzug in Jerusalem, der Beginn des Passionszyklus.
  • XXIII. Feld – Judas verrät Christus mit einem Kuss, darunter tötet Kain Abel und ursprünglich tötet Joab anscheinend Abner (verloren, als das Portal durchbrochen wurde).
  • Felder XXIV–XXVI – Szenen der Verhöhnung Christi oder Christi vor Pilatus, der Geißelung Christi (in der Untermalung erhalten) und der wahrscheinlichen Kreuztragung (größtenteils zerstört).
  • Tafel XXX – Die Auferstehung Christi mit zwei Engeln und zwei schlafenden Soldaten; darunter die Ausspucken des Jona durch den Wal und Simson, der das Tor von Gaza trägt.
  • Tafel XXXII – Die Himmelfahrt Christi, darunter Elias in einem feurigen Wagen und Jakobs Traum von der Himmelsleiter.
  • XXXIII. Feld – Die Herabkunft des Heiligen Geistes unterhalb des Baus des Turms zu Babel und die Vollendung des Opfers Elias durch Feuer vom Himmel.

Künstlerische Einflüsse und Vorbilder

Buchvorlagen und typologische Bibeln

Der Emmaus-Zyklus ist eng mit der Tradition französischer Moralisierungsbibeln und Bilderbibeln des 13. und 14. Jahrhunderts verbunden, insbesondere mit der sogenannten „ Bible moralisée“ , der „Bible pauperum“ und den reich illuminierten königlichen Handschriften. Die Kompositionen weisen eine deutliche Verwandtschaft mit der Bibel Wenzels IV. und den in Luxemburg erhältlichen französischen Bibeln auf.

Die Kompositionen einiger Szenen, wie etwa der Hochzeit zu Kana, weisen Ähnlichkeiten zu Giotto di Bondones Abendmahl in der Arenakapelle von Padua auf, allerdings eher im Sinne eines allgemeinen westeuropäischen Musters als durch eine direkte Abhängigkeit. In anderen Fällen lässt sich eine Kombination französischer und italienischer Einflüsse beobachten, beispielsweise in der Verkündigungsszene, wo die Architektur des Marienthrons und der Typus des knienden Engels an italienische Malerei erinnern, während das Gesamtkonzept dem Werk des französischen Buchmalers Jean Pucelle nahesteht .

Die Maler des Emmaus-Zyklus orientierten sich an Buchexempla – verkleinerten Kopien von Gemälden ( Exempla ) –, die in mittelalterlichen Werkstätten weit verbreitet waren. Diese Vorlagen beeinflussten nicht nur die Wandmalerei, sondern auch die zeitgenössische Buchmalerei in den böhmischen Ländern, wo Motive des Emmaus-Zyklus bis in die Zeit vor den Hussitenkriegen in Handschriften auftauchen.

Stilvielfalt und lokale Neuigkeiten

Trotz seiner Anlehnung an Buchvorlagen ist der Emmaus-Zyklus keine bloße Zusammenstellung. Die Maler mussten die Entwürfe an die spezifischen räumlichen Gegebenheiten des Kreuzgangs – Spitzbögen, unregelmäßige Flächen und architektonische Eingriffe – anpassen und bewahrten oft nur den Kern der Komposition, während sie den Rest frei gestalteten.

Die Szenen spiegeln zeitgenössische Ereignisse und den lokalen Kontext wider. Häufige Motive der Heilung und Erneuerung stehen im Zusammenhang mit dem Kult der Heiligen Cosmas und Damian in der nahegelegenen Kirche und der Legende der Heiler. Das Motiv der Vermehrung und Verteilung von Nahrungsmitteln (Sammlung des Manna, Speisung der Menge) verdeutlicht die Situation nach den Pestepidemien der 1350er Jahre und die darauffolgende Zeit von Hungersnot und Überfluss, einschließlich des Baus der Hungermauer in Prag.

Kaiser Karl IV. ist in einigen Szenen symbolisch präsent, beispielsweise in Gestalt von Samson, Jona oder dem Propheten Elias, was Kunsthistoriker als subtile Verehrung des Monarchen deuten. Eine besondere Stellung nimmt die Darstellung der Tiburtinischen Sibylle ein, die im tschechischen Raum oft mit Prinzessin Libuša identifiziert wird und als schönes, blondes Mädchen dargestellt ist.

Malworkshops und Autoren

Überblick über die wichtigsten Champions

Die Wanddekoration des Kreuzgangs ist das Werk einer größeren Werkstatt, nicht eines Einzelnen. Neben den Meistern wirkten Gesellen und vermutlich ein theologisch gebildeter Geistlicher mit, der die ikonografische Korrektheit des Programms überwachte. Forscher identifizieren die Manuskripte von vier Hauptmeistern, deren Werk auch mit der Dekoration von Schloss Karlštejn in Verbindung steht .

Master A – Senior Master des Luxemburger Pedigrees

Der erste der Maler, Meister A oder Erster Meister des Luxemburger Stammbaums genannt, schuf zarte, schlanke Figuren mit naturalistisch dargestellten Gesichtern, die auf einer Ebene angeordnet sind. Er war maßgeblich von der französischen Hofmalerei beeinflusst und wird mitunter mit Nicholas Wurmser aus Straßburg, dem Hofmaler Karls IV. ab 1357, identifiziert. Seine Teilnahme an der Emmaus-Konferenz wird um 1360 datiert; zu seinen Werken zählen auch Teile des Luxemburger Stammbaums sowie Buchmalereien mit apokalyptischen Motiven.

Master B

Meister B, dessen Werk relativ zusammenhängend erhalten geblieben ist, entwickelte unter dem Einfluss des Meisters von Vyšebrod einen unverwechselbaren Stil, der sowohl Meister Theoderich als auch Meister C prägte. Ihm werden die Morgan-Platten (New York, Morgan Library) als Vorstudie zur Luxemburger Genealogie, Szenen in der Liebfrauenkirche in Karlštejn (apokalyptische Reiter, Reliquienszenen) sowie mehrere Entwurfszeichnungen für die Heiligkreuzkapelle zugeschrieben. Im Kreuzgang arbeitete er hauptsächlich in den Nord-, West- und Südflügeln.

Master C – Osvald

Meister C, genannt Osvald, folgt Meister B, doch seine weiche Modellierung und Farbgebung sind enger mit dem Werk von Meister Theoderich verwandt. Er zeichnet sich durch lineare Linienführung und dekorative Gestaltung aus. Im Kreuzgang stammen beispielsweise die drei Engelsköpfe im ersten Feld des Südflügels und die stark beschädigten Passionsszenen im Ostflügel von ihm; er gilt auch als Schöpfer des Auferstehungsfragments in der Liebfrauenkirche in Karlštejn und des Tafelbildes „ Die Kreuzigung in Emmaus“ .

Master D – Singende Engel

Von Meister D. sind lediglich Halbfiguren singender Engel in den Kapuzen des südöstlichen Kreuzgangs erhalten geblieben; vermutlich malte er weitere Kapuzen, die jedoch verloren gegangen sind. Die Figuren sind mit dünneren Farben gemalt und mit feinen Linien umrandet, was auf eine geringere künstlerische Qualität und eine mögliche Identifizierung mit einem der Gesellen in Meister Osvalds Werkstatt hindeutet.

Rezeption und Bedeutung

Trotz seines außergewöhnlichen künstlerischen Wertes ist der Emmaus-Kreuzgang im Vergleich zu anderen Prager Sehenswürdigkeiten relativ wenig besucht. Er ist wochentags gegen einen symbolischen Eintrittspreis zugänglich, und der durchschnittliche Besucher ist oft überrascht vom Umfang und der Qualität der gotischen Gemälde, von denen er zuvor nur eine vage Vorstellung hatte. Kurze populärwissenschaftliche Publikationen wie Karel Stejskals Broschüre „ Na Slovanech “ sind vor Ort nicht üblich, und Besucher erhalten in der Regel nur den kurzen Text auf der Eintrittskarte.

Der Emmaus-Zyklus gilt als einer der typologisch komplexesten Zyklen der europäischen mittelalterlichen Malerei. Er vereint französische, italienische, süddeutsche und nordische Einflüsse, und den Malern gelang es, dem Werk trotz der unterschiedlichen Vorlagen einen unverwechselbaren Ausdruck zu verleihen. In einer Zeit, in der von Künstlern eher handwerkliches Kopieren als ein eigener Stil erwartet wurde, stellt der Emmaus-Zyklus ein außergewöhnlich lebendiges und ausdrucksstarkes Werk dar. Dank des beständigen Interesses von Kunsthistorikern – von Josef Neuwirth über Karel Stejskal und Zuzana Všetečková bis hin zur zeitgenössischen Forschung – wird unser Wissen über Ikonografie, Chronologie und Urheberschaft stetig erweitert.

Zeitschriften aus dem Emauskloster

  • St. Benediktusstimmen
  • St. Bonifatius
  • Sv. Vojtěch
  • Pax

Literatur

  • Jaroslav Šebek: Die Äbte Alban Schachleiter OSB und Ernst Vykoukal OSB. In: Die Benediktiner und das Dritte Reich. Laacher Hefte Nr. 7, Maria Laach 2002, S. 29–48
  • Inge Steinsträßer: Wanderer zwischen den politischen Mächten. Pater Nikolaus von Lutterotti OSB (1892–1955) und die Abtei Grüssau in Niederschlesien. Böhlau Verlag 2009, ISBN 978-3-412-20429-7
  • Stefan Petzolt: Emaus. In: LThK. 3. Auflage. Band 3, Sonderausgabe, Herder, Freiburg 2006, Sp. 621.
  • Stephan Hilpisch: Emaus. In: LThK. 2. Auflage. Band 3, Herder, Freiburg 1959, Sp. 844 f.
  • Helena Čižinska: Die Beuroner Kunstschule in der Abtei Sankt Gabriel in Prag. Ars Bohemica, Praha 1999, ISBN 80-902381-4-9, S. 74–80. (Dieses Kapitel behandelt die Beuroner Kunst im Emauskloster.)
  • Růžena Batková et al.: Künstlerische Denkmäler von Prag – Neustadt, Vyšehrad . Academia, Prag 1998.
  • Petr Sommer, Petr Vlček, Dušan Foltýn: Enzyklopädie der tschechischen Klöster . Libri, Prag 1997.
  • Karel Stejskal: Kloster über die Slawen . Odeon, Prag 1974.
  • Emanuel Poche, Jaromír Krofta: Über die Slawen – die architektonische und künstlerische Entwicklung des Prager Klosters . SNKLHU, Pragensia-Ausgabe, Bd. 7, Prag 1956.
  • Karel Stejskal: Wandmalereien in Prag – Emmaus aus ethnographischer und kulturgeschichtlicher Perspektive . In: Český lid , 1968.
  • Josef Neuwirth: Die Wandgemälde im Kreuzgange des Emausklosters in Prag . Prag 1898.
  • Margarete Anderson-Schmitt: Eine mittelalterliche Beschreibung der Freske im Emmauskloster zu Prag . In: Art 44, 1996, S. 131–148.
  • Kateřina Benešovská, Zuzana Všetečková, Karel Stejskal: Studien in der Zeitschrift Umění (AS ČR, Academia), Bände 1996 und 1998.
  • Benediktiner in den tschechischen Ländern. Ein kurzer Überblick über die Geschichte der Benediktinerklöster in Böhmen, Mähren und Schlesien . Benediktiner-Notizbücher 6.
  • Zdeněk Wirth, Václav Vilém Štech, Václav Vojtíšek: Das verschwundene Prag , Ausgabe von Artistic Monuments, Bd. 6.

Einzelnachweise

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