Lage der Gemeinde Empfingen im Landkreis Freudenstadt
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Blick auf Empfingen vom Flugzeug aus
Geographie
Gemeindegliederung
Zur Gemeinde gehört die ehemalige Gemeinde Wiesenstetten, zu der das Dorf Wiesenstetten und der Weiler Dommelsberg gehörte. Zur Gemeinde Empfingen im Gebietsstand vom 30. November 1971 gehört das Dorf Empfingen. Im Gebiet der früheren Gemeinde Empfingen liegt die nicht genau lokalisierte Wüstung Taha.[2]
Das Gebiet gehörte im Altertum zum Dekumatland. Bei archäologischen Ausgrabungen im Jahr 2022 wurden entlang der Autobahn A81 in Empfingen die Reste einer rundovalen Platzanlage aus der römischen Zeit (1.–3. Jahrhundert n. Chr.) freigelegt. Der Zweck der Anlage ist noch unklar – diskutiert wird eine religiöse, politische oder wirtschaftliche Nutzung –, nicht zuletzt weil von anderswo keine vergleichbaren Anlagen bekannt sind.[4] Nach dem Rückzug der Römer auf die Donau-Iller-Rhein-Grenze (dem sogenannten Limesfall) wurde die Region ab dem mittleren 3. Jahrhundert durch die Alamannen besiedelt.
Empfingen wurde erstmals 772 im Lorscher Codex urkundlich erwähnt.[5] Im Hochmittelalter lag die Gemarkung der heutigen Gemeinde im Herzogtum Schwaben. Bis 1341 war es im Besitz der Grafen von Geroldseck, bevor es an die Grafen von Hohenberg kam. Diese verpfändeten den Ort 1373 an einen Volz von Weitingen. 1356 verkaufte das Kloster Reichenau den Kelnhof Empfingen an Konrad den Stahler von Rottenburg, Hofmeister Bischof Albrechts von Freising. Über verschiedene andere Herren, die Rechte an Empfingen erwarben, kam es 1552 an Jos Niklas II. von Zollern, seit 1576 gehörte es zur Herrschaft Hohenzollern-Haigerloch, die 1634 von der Herrschaft Hohenzollern-Sigmaringen übernommen wurde. Seit 1806 war es Teil des hohenzollerischen OberamtsHaigerloch im nun zum Fürstentum erhobenen Kleinstaat, der nach der Abdankung des Fürsten 1849 in Preußen aufging.
Wappenbegründung: Empfingen war der Hauptort der Herrschaft Wehrstein, die sich vom 16.Jahrhundert bis 1806 als österreichisches Lehen in der Hand der Grafen von Hohenzollern-Sigmaringen befand. Die Herrschaft, zu der auch Betra und Fischingen gehörten, war nach der Burg Wehrstein über Fischingen benannt, dem Stammsitz der zwischen 1101 und 1395 urkundlich nachweisbaren edelfreien Herren von Wehrstein. Da die Gemeinde kein traditionelles Siegelbild aufwies, schlug das Staatsarchiv Sigmaringen vor, das Wappen der Herren von Wehrstein als Gemeindewappen zu übernehmen.
Das Wappen wurde von der Gemeinde im Mai 1948 angenommen und am 27.Oktober 1950 vom Innenministerium Württemberg-Hohenzollern verliehen.
Kirche St. GeorgDie Pfarrkirche St. Georg in Empfingen wurde 1858 vom fürstlich-hohenzollerischen Baumeister Josef Laur im neuromanischen Stil erbaut.[9] Der Horber Bildhauer Anton Leins schuf sechs Heiligenfiguren für diese Kirche.[10]
In Empfingen wird alljährlich die schwäbisch-alemannische Fastnacht gefeiert. Ein Gerichtsprotokoll von 1784 beschreibt erstmals das „Masqueren“-Gehen. Die einheimischen Traditionsfiguren entstammen zum größten Teil aus dem bäuerlichen Umfeld, so der Strohbär und der Ausgestopfte oder Sauigel, welcher vom Typus her mit dem Wuascht oder Wuescht der Narrozunft Villingen verwandt ist. Ein seltenes Brauchtum sind die Rußhexen, die am Rußigen Donnerstag (Schmotziger) den Passanten im Ort mit Ofenruß das Gesicht beschwärzen. Ursprüngliche Vermummung waren Stoffgardinen, heute noch von Rußhexen und Ausgestopften getragen. Holzmasken hielten erst zwischen 1920 und 1930 mit der Figur des „Schantle“ in Empfingen Einzug und wurden teilweise von den einheimischen Handwerkern selbst geschnitzt. Die Narrenzunft Empfingen gibt es seit 1951. Sie übernahm nach ihrer Gründung die Traditionsfiguren Kneller, Hexe, Schantle, Bäuerle, Bajass und Domino aus dem freien, überlieferten Brauchtum der einheimischen dörflichen Fastnacht. Der peitschenknallende Kneller entstammt einer alten Fuhrmannstradition. Die Hexen trugen ursprünglich die einheimische abgelegte Frauentracht und waren mit Ofengabeln am Fasnetssonntag, -montag und -dienstag unterwegs. Die Narrenzunft gestaltete zwischen 1952 und 1955 diese alte Figur um, um die Trachtenbekleidung vor dem Untergang zu retten, ebenso die männliche Trachtenkleidung des „Bäuerle“. Aus dem „Bäuerle“ wurde das Osterbachmännle. Seit 2005 gibt es bei der Narrenzunft eine Gruppe „Alt-Empfinger Fasnet“, in der alle historischen Empfinger Fasnetsfiguren vertreten sind. Durch die Entdeckung der Fastnachtserzählung "Die Vergeltung", aus der Fastnacht 1894, verfasst von Wilhem Schenk[11] und mehrerer Geldstrafen wegen Peitschenknallens und Rußeln an der Fastnacht[12] konnte nachgewiesen werden, dass Bäuerle, Kneller, Rußhexe, sowie Hexe mit Ofengabel im 19. Jahrhundert zur einheimischen Fleckenfasnet gehörten. Der ebenfalls erwähnte Schellenmann wurde anhand der Beschreibung im Jahre 2022 reaktiviert in der Gruppe "Alt-Empfinger Fasnet".[13]
Beatparade, die einzige Technoparade in Baden-Württemberg und eine der größten noch durchgeführten deutschen Technoparaden.[14][15]
Persönlichkeiten
Konstantin Hank (* 18. Juni 1907 in Wiesenstetten; † 19. März 1977 in Schramberg), Politiker (CDU), erster Oberbürgermeister von Schramberg
Hubert Deuringer (* 18. Januar 1924 in Empfingen; † 16. Juni 2014 ebenda), Orchesterleiter und Liedgutsammler
Josef Henger (* 2. November 1931 in Empfingen; † 2. Juni 2020 in Ravensburg), Bildhauer
Konstantin Faigle (* 1971 in Sulz am Neckar; † 16. Juni 2016 in Köln), Dokumentarfilmer. Erhielt für seinen 60-90-minütigen Dokumentarfilm Out of EDEKA über den Empfinger Edeka-Laden, in dem er aufwuchs,[16] den Bayerischen Dokumentarfilmpreis Der junge Löwe 2001[17] sowie eine Empfehlung beim William-Dieterle-Filmpreis 2002.[18]
Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band V: Regierungsbezirk Karlsruhe Kohlhammer, Stuttgart 1976, ISBN 3-17-002542-2. S. 643–645
Inga Kretschmer, Sven Jäger, Klaus Kortüm, Simon Trixl: Ländliches Heiligtum, Versammlungsplatz oder Viehmarkt? Eine rundovale römische Platzanlage am Oberen Neckar bei Empfingen – ein Vorbericht. In: Archäologisches Korrespondenzblatt. Band 54, Nummer 3, 2024, S. 363–383, DOI:10.11588/ak.2024.3.110266 (Open Access).
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