Emsdorf

Ort in der Stadt Kirchhain From Wikipedia, the free encyclopedia

Emsdorf ist ein Stadtteil der Stadt Kirchhain im mittelhessischen Landkreis Marburg-Biedenkopf. Der Ort liegt am Nordostrand der Gemarkung der Stadt Kirchhain in einer flachen Mulde vor den Ausläufern des Burgwaldes.

Schnelle Fakten Stadt Kirchhain ...
Emsdorf
Stadt Kirchhain
Koordinaten: 50° 52′ N,  59′ O
Höhe: 295 (276–318) m ü. NHN
Fläche: 9,23 km²[1]
Einwohner: 751 (30. Juni 2019)[2]
Bevölkerungsdichte: 81 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Juli 1974
Postleitzahl: 35274
Vorwahl: 06425
Karte
Stadtgebiet von Kirchhain mit Lage der zwölf Ortsteile
Emsdorf vom Hunburgturm in Burgholz. Im Hintergrund Erksdorf.
Emsdorf vom Hunburgturm in Burgholz. Im Hintergrund Erksdorf.
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Geschichte

Ortsgeschichte

Die älteste bekannte urkundliche Erwähnung von Emsdorf findet sich in einer Übertragungsurkunde von Ländereien an das Kloster Haina unter dem Ortsnamen Emesdorf aus dem Jahr 1295.[1] Wahrscheinlich ist der Ort jedoch älter. In späteren Dokumenten wurde der Ort unter den Namen Emistorph (1324), Emisdorff (1380) und Emßdorf (1437) erwähnt. Im 18. Jahrhundert findet sich auch die Schreibweise Emsdorff.[1]

Schon frühzeitig gehörte Emsdorf zum Bereich des kurmainzischen Neustadt; dies ist durch mittelalterliche Urkunden aus dem Jahr 1324 in den Amöneburger Kellereiabrechnungen belegt.

Vor allem im englischen Raum erlangte Emsdorf durch das „Gefecht bei Emsdorf“ Bekanntheit: Im Siebenjährigen Krieg schlugen am 16. Juli 1760 alliierte Truppen (Briten, Hannoveraner und Hessen) einen großteils aus Bayern und Anhaltern bestehenden Verband der französischen Armee.[3]

Hessische Gebietsreform (1970–1977)

Zum 1. Juli 1974 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Emsdorf im Zuge der Gebietsreform in Hessen kraft Landesgesetz in die Stadt Kirchhain eingegliedert.[4][5] Für Emsdorf, wie für alle ehemals eigenständigen Stadtteile von Kirchhain, wurde ein Ortsbezirk gebildet.[6]

Verwaltungsgeschichte im Überblick

Die folgende Liste zeigt die Staaten und Verwaltungseinheiten,[Anm. 1] denen Emsdorf angehört(e):[1][7]

Gerichte seit 1821

Mit Edikt vom 29. Juni 1821 wurden in Kurhessen Verwaltung und Justiz getrennt. Der Kreis Kirchhain war die Verwaltung und das Justizamt Neustadt als Gericht erster Instanz für Emsdorf zuständig.[10][11] Nach der Annexion Kurhessens durch Preußen erfolgte am 1. September 1867 die Umbenennung des bisherigen Justizamtes in Amtsgericht Neustadt.[12][13] Das Amtsgericht Neustadt wurde am 15. Juni 1943 geschlossen und sein Bezirk ging im Bezirk des Amtsgerichts Kirchhain auf.

Bevölkerung

Einwohnerstruktur 2011

Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Emsdorf 762 Einwohner. Darunter waren 3 (0,4 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 147 Einwohner unter 18 Jahren, 309 zwischen 18 und 49, 162 zwischen 50 und 64 und 144 Einwohner waren älter.[14] Die Einwohner lebten in 267 Haushalten. Davon waren 48 Singlehaushalte, 69 Paare ohne Kinder und 132 Paare mit Kindern sowie 12 Alleinerziehende und 6 Wohngemeinschaften. In 54 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 165 Haushaltungen lebten keine Senioren.[14]

Einwohnerentwicklung

Quelle: Historisches Ortslexikon[1]
 1582:43 Hausgesesse
 1624:20 Ackerleute, 24 Einläuftige; 10 "wollten Freie sein"
 1670:34 Haushalte
 1747:337 Einwohner
 1838:Familien: 79 nutzungsberechtigte Ortsbürger, 7 nicht nutzungsberechtigte Ortsbürger, 2 Beisassen
Emsdorf: Einwohnerzahlen von 1812 bis 2019
Jahr  Einwohner
1812
 
431
1834
 
480
1840
 
503
1846
 
475
1852
 
482
1858
 
452
1864
 
468
1871
 
451
1875
 
447
1885
 
403
1895
 
396
1905
 
416
1910
 
424
1925
 
462
1939
 
545
1946
 
821
1950
 
772
1956
 
700
1961
 
699
1967
 
733
1980
 
?
1990
 
?
2000
 
?
2011
 
762
2015
 
774
2019
 
751
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: LAGIS[1]; Stadt Kirchheim:[15][2]; Zensus 2011[14]

Historische Religionszugehörigkeit

Quelle: Historisches Ortslexikon[1]
 1861:449 römisch-katholische, 11 evangelisch-lutherische Einwohner
 1885:ein evangelischer (= 0,25 %), 402 katholische (= 99,75 %) Einwohner
 1961:023 evangelische (= 3,29 %), 674 katholisch (= 96,42 %) Einwohner

Historische Erwerbstätigkeit

Quelle: Historisches Ortslexikon[1]
 1838:Familien: 49 Ackerbau, 23 Gewerbe, 14 Tagelöhner.
 1961:Erwerbspersonen: 209 Land- und Forstwirtschaft 149 Produzierendes Gewerbe, 11 Handel und Verkehr, 17 Dienstleistungen und Sonstiges.
Kirche Mariae Himmelfahrt

Politik

Für den Stadtteil Emsdorf besteht ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung. Er umfasst das Gebiet der ehemaligen Gemeinde Emsdorf.[6] Der Ortsbeirat besteht aus sieben Mitgliedern. Bei den Kommunalwahlen in Hessen 2021 betrug die Wahlbeteiligung zum Ortsbeirat 69,97 %. Alle Kandidaten gehörten der Liste „Gemeinwohl Emsdorf“ an.[16] Der Ortsbeirat wählte Winfried Fritsch zum Ortsvorsteher.[17]

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Bauwerke

An zentraler Stelle im alten Ortskern befindet sich die im barocken Stil erbaute Kirche Mariä Himmelfahrt. Sie hat eine Rokoko-Ausstattung und gehört zu den Sehenswürdigkeiten im oberhessischen Raum.

Vereine

Trotz der geringen Größe und Einwohnerzahl des Ortsteils herrscht ein reges Vereinsleben. Größter Verein mit über 300 Mitgliedern ist der über die Kreisgrenzen hinaus bekannte Sportverein SV 1959 Grün-Weiß Emsdorf, der nach mehreren Jahren in der Kreisliga und Kreisoberliga, seit der Saison 2020/21 erstmals in der Gruppenliga Gießen/Marburg spielt. Dem Verein gehören außer der Fußballabteilung auch Gymnastik- und Turnabteilung an sowie der Karnevalsverein EKC. Die Fußballer tragen ihre Heimspiele auf dem Sportgelände an der Burgholzerstraße aus. Dort befinden sich neben zwei Rasensportplätzen, die beide in Eigenleistung gebaut und umgebaut wurden, auch das Vereinsheim, welches in den 1970er Jahren in Eigenleistung erbaut und in den letzten Jahren umfangreich renoviert wurde.

Trivia

Die auf den Durchgangsstraßen im Ort zur Verkehrsberuhigung verbauten und wegen der damit verbundenen Lärmentwicklung umstrittenen Pflastersteine sind ein Geschenk der Partnerstadt Doberlug-Kirchhain. Diese Pflastersteine wurden vor einigen Jahren auf Grund der extremen Lärmbelastung für Anwohner wieder herausgerissen und durch eine neue Asphaltdecke ersetzt.

Literatur

Anmerkungen und Einzelnachweise

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