Obergespan (Königreich Ungarn)
Oberster Verwaltungsbeamter eines Komitats im Königreich Ungarn
From Wikipedia, the free encyclopedia
Obergespan, ungarisch Főispán (lateinisch comes supremus oder comes principalis) war die Amtsbezeichnung des obersten Verwaltungsbeamten in den Komitaten des Königreichs Ungarn. Sein Vertreter wurde Vizegespan, ung. Alispán (lat. vice comes) genannt.

Teilweise wurde das Amt innerhalb einer Adelsfamilie oder geistlichen Amts vererbt und als Erbobergespan, ung. Örökös főispán (lat. comes supremus et perpetuus) bezeichnet.
Geschichte
Das Amt des Obergespans entstand im Laufe der Zeit aus dem des Várispán (Burggespan). Dieses wurde von König Stephan I. im Frühmittelalter im Zuge einer neuen Verwaltungsstruktur und Auflösung der Stammesstrukturen geschaffen. Die Várispán waren für die Verwaltung der Burgen, deren Ländereien sowie darin für die Sicherheit und Ordnung sowie für die Gerichtsbarkeit verantwortlich. Ihre weitreichenden Aufgabengebiete umfassten auch die militärische Führung, Verwaltung und Rechtsdurchsetzung.
Im Spätmittelalter übernahmen immer häufiger Adelige und Großgrundbesitzer das Amt des Obergespans. Die ungarischen Könige begannen es ab dem 14. Jahrhundert innerhalb von Adelsfamilien zu vererben und an geistliche Ämter zu binden. So stellte beispielsweise die Familie Pálffy den Erbobergespan des Komitats Pozsony, die Esterházy den im Komitat Sopron und der Erzbischof von Esztergom war Erbobergespan des Komitats Esztergom.
Im 16. Jahrhundert begann sich das Amt des Obergespans weiter zu verändern. Während der Herrschaft von König Matthias Corvinus (1458–1490) und späteren Monarchen wurden die Aufgaben der Obergespäne stärker auf die Verwaltung und die Gerichtsbarkeit konzentriert. Das Amt war jedoch nicht nur politisch, sondern auch militärisch, da der Obergespan für die Mobilisierung der Truppen im Falle eines Krieges verantwortlich war.
Mit den Reformen der Habsburger-Monarchie und der zunehmenden Zentralisierung der Macht im 18. und 19. Jahrhundert nahmen die Kompetenzen des Obergespans bedeutend ab. Im 19. Jahrhundert wurden seine Aufgaben zunehmend von der Zentralregierung und den Verwaltungsbehörden übernommen und das Amt bekam zunehmend symbolischen Charakter. Seit 1867 wurden die Obergespäne vom Innenminister vorgeschlagen und waren seit 1885 nicht mehr von Amts wegen Mitglied des Magnatenhauses.
Siehe auch
Literatur
- Ágnes Kenyeres et al.: Főispán. In: Magyar életrajzi lexikon. Akadémiai Kiadó, Budapest 1967 (arcanum.com).
- István Diós et al.: főispán. In: Magyar katolikus lexikon. Band 3. Szent István Társulat, Budapest 1997 (katolikus.hu).
- Gustav von Schönberg (Hrsg.): Zeitschrift für die gesamte Staatswissenschaft. Band 43. Tübingen 1887, S. 805–810.