Erhard Hirsch
deutscher Germanist, Altphilologe und Gartenhistoriker
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Erhard Hirsch (* 24. April 1928 in Leipzig; † 14. Januar 2026 in Halle (Saale)[1]) war ein deutscher Altphilologe, Germanist und Kulturhistoriker.

Leben und Wirken
Erhard Hirsch wurde in Leipzig geboren und wuchs in Dessau auf. Im Alter von 15 Jahren wurde er dort zur Flak und kurz danach zur Wehrmacht befohlen, wonach er in Minden in amerikanische Gefangenschaft geriet. Bald nach Kriegsende entlassen, konnte er 1947 in Dessau sein Abitur ablegen. Von 1948 bis 1953 studierte er an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) Klassische Philologie und Germanistik, unter anderem bei Victor Klemperer.[2] Nach dem Staatsexamen war er längere Zeit mit einer Gruppe junger Philologen als wissenschaftlicher Mitarbeiter an Werner Peeks Forschungsauftrag „Nonnos“ – einer Lexikalisierung der Dionysiaka – im Institut für Altertumswissenschaften der MLU beschäftigt. Zu seinen Mitstreitern zählten hier unter anderem Wolfgang Luppe, Ulrich Richter, J. F. Schulze und Ingeburg Lohse (verh. Luppe).[3] Danach war er bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand in der studentischen Sprachausbildung seiner Alma Mater in Halle (Saale) tätig.
Hirschs eigentliches Forschungsgebiet jedoch war der Dessau-Wörlitzer Kulturkreis, um dessen Erhalt sich Hirsch große Verdienste erwarb. 1964 wurde er Sekretär der neu gegründeten Kommission zur Erforschung und Pflege des Dessau-Wörlitzer Kulturkreises. 1969 reichte er seine Dissertation zum Thema ‚Progressive Leistungen und reaktionäre Tendenzen des Dessau-Wörlitzer Kulturkreises in der Rezeption der aufgeklärten Zeitgenossen 1770–1815‘ ein, mit der er zum Dr. phil. promoviert wurde. Es folgten über einhundert Publikationen zur Thematik Gartenreich und der Dessauer Aufklärung. Seine Habilitationsschrift ‚Ein Garten für Menschen: Praktizierter aufgeklärter Humanismus‘ legte er im Jahre 1992 vor. 1994 wurde ihm eine Professur zuerkannt.
Hirsch war Mitglied der Historischen Kommission des Landes Sachsen-Anhalt und der Kommission für Landeskunde der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig.
Hirsch war bis zu ihrem Tod 2008 verheiratet mit Irmgard Hirsch, geborene Ewert. Er hatte zwei Kinder, Annette Scholtka (Restauratorin, in Dessau Wörlitz tätig) und Franz Wolfgang Hirsch (Kinderradiologe, Leipzig).
Würdigungen
Hirsch erhielt 1985 die Leibniz-Medaille der Akademie der Wissenschaften und 1997 den Denkmalpreis des Landes Sachsen-Anhalt. Im Jahre 2001 wurde er in Anerkennung seiner Lebensleistung für das inzwischen zum Weltkulturerbe erhobene Dessau-Wörlitzer Gartenreich mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt.
2023 wurde Hirsch Ehrenbürger der Stadt Dessau-Roßlau. In der Begründung der Verleihung heißt es: „Professor Dr. Erhard Hirsch hat ... in herausragender Weise zum Erhalt des Dessau-Wörlitzer Garteneiches in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft beigetragen, das als kulturhistorischer und touristischer Anziehungspunkt von weltweiter Bedeutung das Ansehen der Stadt Dessau-Roßlau und seiner Region enorm stärkt.“[4]
Publikationen (Auswahl)
- Dessau-Wörlitz. Aufklärung und Frühklassik. Köhler & Amelang, Leipzig / C.H.Beck, München 1985, ²1987, ISBN 3-406-30736-1; 4. Aufl. Stekovics, Dößel 2013, ISBN 978-3-89923-127-4.
- Leopold III. Friedrich Franz. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 14. Duncker & Humblot, Berlin 1985, ISBN 3-428-00195-8, S. 268–270 (deutsche-biographie.de).
- Die Dessau-Wörlitzer Reformbewegung im Zeitalter der Aufklärung. Personen–Strukturen–Wirkungen. Max Niemeyer Verlag, Tübingen 2003, ISBN 3-484-81018-1.
- Fürst Leopold III. Friedrich Franz von Anhalt-Dessau. (DKV-Kunstführer Nr. 561/4). Deutscher Kunstverlag, München/Berlin 2003.
- Von deutscher Frühklassik. Dessau-Wörlitz im Urteil der Aufklärung. In: Dessau-Wörlitz-Beiträge XI.1-5 (= Zwischen Wörlitz und Mosigkau 55. 1-5), Dessau 2003–2008, Hrsg. Stadt Dessau-Roßlau.
- Dessau – Im Gartenreich des Fürsten Franz von Anhalt-Dessau. Fotos von Sebastian Kaps, Dessau, Anhaltische Verlagsgesellschaft mbh, 1994, ISBN 3-910192-30-0
- Kleine Schriften zu Dessau-Wörlitz. Verlag Janos Stekovics, 2011. 1. Auflage, 712 Seiten, 758 Abbildungen. ISBN 3-89923-267-4.
Weblinks
- Gunnar Berg: Erhard Hirsch: Nachruf auf den Nestor der Dessau-Wörlitz-Forschung im Campus Halensis, 4. März 2026.
- Verdienstorden für Erhard Hirsch
- Dessau Wörlitz ein Gartenreich und Kleinod der Aufklärung
- Rezension von: Die Dessau-Wörlitzer Reformbewegung im Zeitalter der Aufklärung
- MZ: In Großer Landschaft: Erhard Hirsch zum 80. Geburtstag
- MZ: Ehrenmitgliedschaft für Erhard Hirsch im Kunstverein Dessau ( vom 21. August 2014 im Internet Archive) vom 17. September 2007.
- Erhard Hirsch präsentiert seine Schriften In: Mitteldeutsche Zeitung vom 10. August 2011, abgerufen am 27. Mai 2021.