Erhard Junghans
Strohhut- und Uhrenfabrikant (1823-1870)
From Wikipedia, the free encyclopedia
Erhard Junghans (* 1. Januar 1823 in Zell am Harmersbach, Baden; † 9. September 1870 in Schramberg) war ein Strohhut- und Uhrenfabrikant[1] und Gründer der Uhrenfabrik Junghans.

Leben
Sein Vater Nikolaus Junghans (1784–1845) war Strickermeister in Horb am Neckar, von ca. 1815 bis 1841 Kupferdrucker in Zell am Harmersbach, danach in Schramberg. Seine Mutter war Barbara (1783–1846), geb. Franz Josef Schönenberger (1729–1820), Wundarzt in Zell a. H. Sie heirateten am 6. November 1820 und hatten vier Söhne und eine Tochter. Joseph-Anton (1820–1888), (Franz) Xaver (1820– um Juli 1900), Erhard (1823–1870), Magdalena (Lene) (1824–1900), Nikolaus (1827–1828). Erhards älterer Bruder Xaver wanderte 1847 als Schreiner in die USA aus.
Nikolaus und Familie wurden 1841 von seinem alten Freund Isidor Faißt (1797–1853) nach Schramberg geholt, um in dessen Steingut- und Majolikafabrik Uechtritz und Faist als Kupferdrucker zu arbeiten.
Erhard begann im November 1841 als Lehrling des Züricher Kaufmanns Johannes Tobler, der die Schramberger Strohmanufaktur Industrie- und Armenbeschäftigungsanstalt leitete. Seiner zweijährigen kaufmännischen und technischen Lehre schloss sich eine Ausbildung in der Schweiz und Frankreich an.
1845 heiratete er Louise Dorothea Tobler-Wieser (1821–1910), die Tochter seines Chefs, mit der er vier Söhne und vier Töchter hatte; Luise (1846–1880), Wilhelmine (Mina) (1847–1931), (Heinrich) Erhard (1849–1923), Frida (Katharina) (1851–1937), (Emil) Arthur (1852–1920), (Regula) Anna (1856–1908), Eugen-Ludwig (1858–1860), Georg (Albert) (1861–1927; 1887–1888 Gebr. Junghans AG, danach technischer Direktor bei Siemens & Halske in Berlin, später bei der AEG).
Er wurde Geschäftsführer der Strohhutfabrik. Als er im Sommer 1854 für seine erfolgreiche Arbeit mehr Lohn verlangte und nicht bekam, kündigte er, konnte aber vom Grafen von Bissingen überredet werden, in Schramberg zu bleiben. Daraufhin wurde er ab Oktober 1854 Teilhaber der in J. P. Haas & Cie umbenannten Strohmanufaktur mit 1 Aktie, zusammen mit Johann Peregrin Haas (1803–1870) mit 10 Aktien und Cajetan Graf von Bissingen (1806–1890) mit 36 Aktien.
1859 erwarb er gemeinsam mit seinem Schwager Jakob Christoph Zeller-Tobler (1814–1884) ein Grundstück mit Wasserkraft in der Geißhalde und versuchte sein Glück mit der Ölmühle Zeller & Junghans, die allerdings floppte und 1861 schon wieder am Ende war.[2]
Uhrenherstellung
Vor dem Bau der Königlich Württembergische Staats-Eisenbahnen hatte jeder Ort seine Lokalzeit – was mit dem Fahrplan nicht mehr zu vereinbaren war. Prompt brauchte jedermann seine Uhr. Auf Anregung von Ferdinand von Steinbeis erwog er die Fertigung von Uhren und Uhrteilen, dazu hatte er 1859 einen Briefwechsel mit seinem Bruder Xaver begonnen. Nachdem dieser ihn 1861 in den USA besuchte, und dabei die dortigen Fließband-Produktionstechniken kennengelernt hatte, gründeten sie in Schramberg die Gebrüder Junghans, Fabrik von Großuhren nach amerikan. System. (American system of watch manufacturing, nach der Londoner Industrieausstellung 1851) Xaver kam 1862–70 mit dem alten Hils nach Schramberg. Sie führten die amerikanische Arbeitsweise in ihrer Uhrenfabrik ein und hatte großen Erfolg. Zwar weigerten sich die Uhrengeschäfte zunächst, die Junghans-Uhren zu verkaufen, weil sie den in Fließbandarbeit zusammengebauten Uhren eine schlechte Qualität unterstellten.[3] Doch aufgrund der reißenden Absätze, die Junghans vor allem im Versandhandel erzielte, kamen auch die kleineren Uhrengeschäfte bald nicht mehr daran vorbei, die Uhren zu verkaufen. Anfang 1869 engagierte er Paul Landenberger (1848–1939) als kaufmännischen Angestellten.[4]
Nach seinem Tod wurde seine Witwe Alleinerbin des Unternehmens, dessen Geschäftsführung sie Landenberger übertrug, bis die Söhne Arthur und Erhard es 1876 übernahmen. Landenberger heiratete 1872 Frieda und wollte Teilhaber werden, was die Schwiegermutter verwehrte, da das Geschäft vom Vater für die Söhne bestimmt war.
Literatur
- Karl Erhard Junghans: Erhard Junghans. Strohwarenfabrikant, Bahnbrecher der neuzeitlichen deutschen Uhrenindustrie 1823–1870. In: Hermann Haering, Otto Hohenstatt (Hrsg.): Schwäbische Lebensbilder. Bd. 3. Kohlhammer, Stuttgart 1942, S. 274–283.
- Fritz Köhler: Erhard und Arthur Junghans: die Pioniere der deutschen Uhr. Lühe, Leipzig u. a. ca. 1936 (In Deutschlands Namen; 16) (Digitalisat; 11.–20. Tausend, ca. 1943).
- Thomas Poller: Erhard Junghans 1. Januar 1823 – 9. September 1870 - Zum Gedenken an seinen 200. Geburtstag. Die abgebrochene Säule, ergänzt durch biographische Anmerkungen. Verlag Poller Contemporary, Frankfurt a. M. 2023, ISBN 978-3-9823785-5-8.