Ermstalbahn
Bahnstrecke
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Die Ermstalbahn – früher Ermsthalbahn geschrieben – ist eine eingleisige, elektrifizierte Stichbahn in Baden-Württemberg. Sie verbindet Metzingen, wo sie von der Bahnstrecke Plochingen–Immendingen abzweigt, mit Bad Urach (bis Juli 1983: Urach) am Nordrand der Schwäbischen Alb. Die Nebenbahn folgt dabei auf ihrer gesamten Länge dem namensgebenden Fluss Erms und wird heute von der Erms-Neckar-Bahn Eisenbahninfrastruktur AG (ENAG) betrieben.[2]
| Metzingen (Württ)–Bad Urach | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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| Streckennummer (DB): | 4621 | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Kursbuchstrecke (DB): | 763, ex 325b | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Kursbuchstrecke: | 307s (1946) | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Streckenlänge: | 12,260 km | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Spurweite: | 1435 mm (Normalspur) | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Streckenklasse: | D4 | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Stromsystem: | 15 kV 16,7 Hz ~ | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Maximale Neigung: | 14,550 ‰ | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Minimaler Radius: | 350 m | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Streckengeschwindigkeit: | 80 km/h | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Geschichte
Vorgeschichte, Bau und Inbetriebnahme
Die Eröffnung des Abschnittes Plochingen–Reutlingen am 20. September 1859 führte zur Einstellung der bis dahin von Tübingen über Urach nach Ulm verkehrenden Postkutschenverbindung. Daher bemühte sich die Stadt Urach in den Folgejahren um die Errichtung einer Nebenbahn. Nachdem erste Versuche hierzu gescheitert waren, erfolgte am 12. Juni 1872 mit Unterstützung der Württembergischen Vereinsbank die Gründung der Ermsthalbahngesellschaft mit Sitz in Stuttgart. Am 16. September 1872 erfolgte der erste Spatenstich für den Bau einer Stichstrecke von Metzingen nach Urach. Die Ermstalbahn wurde am 27. Dezember 1873 nach etwa einem Jahr Bauzeit als Privatbahn eröffnet.
Konkurrenz, Verstaatlichung und Verlängerung
In mehreren Abschnitten wurde von 1892 bis 1901 parallel zur Ermstalbahn die Bahnstrecke Reutlingen–Schelklingen eröffnet, durch die in Zusammenhang mit der Bahnstrecke Ulm–Sigmaringen eine Eisenbahnverbindung von Reutlingen über die Schwäbische Alb nach Ulm entstand. Infolgedessen verringerte sich das Fahrgastaufkommen auf der Ermstalbahn deutlich, wodurch sich auch die wirtschaftliche Situation des Unternehmens verschlechterte. Diese Situation führte dazu, dass die Bahnstrecke mit Wirkung zum 1. April 1904 an den württembergischen Staat veräußert wurde. Die Strecke wurde fortan von den Königlich Württembergischen Staats-Eisenbahnen betrieben. Am 2. August 1919 wurde die Bahn um 1,194 Kilometer zur Kunstmühle Künkele verlängert. Diese Verlängerung diente zwar nur dem Güterverkehr zur Mühle, gleichzeitig war sie jedoch auch eine Bauvorleistung für die damals angedachte Verlängerung in Richtung Münsingen, wo eine Verknüpfung mit der Bahnstrecke Reutlingen–Schelklingen vorgesehen war. Nach dem Ersten Weltkrieg kam die Strecke zur 1920 neu gegründeten Deutschen Reichsbahn.
Verkehrsrückgang unter der Deutschen Bundesbahn
Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm die Deutsche Bundesbahn (DB) den Betrieb. Diese richtete 1950 eine parallel zur Strecke verkehrende Bahnbuslinie ein. In den Folgejahren verlagerte sich der Personenverkehr zunehmend auf den Busverkehr, da durch diesen die anliegenden Orte besser erschlossen werden konnten. Infolgedessen wurde die Anzahl der verkehrenden Züge mehr und mehr verringert. Die beabsichtigte Stilllegung der Ermstalbahn wurde 1969 zunächst verhindert, der Niedergang setzte sich jedoch fort. Im Sommer 1971 stellte die Deutsche Bundesbahn den Betrieb auf dem Schlussabschnitt zwischen der Ladestelle der Pumpenfabrik URACA (Pumpenfabrik Urach GmbH & Co. KG) und der Kunstmühle ein. Am 27. Mai 1976 verkehrten die vorerst letzten regulären Personenzüge nach Urach; der Güterverkehr zur URACA wurde weiterhin aufrechterhalten. Vereinzelt fanden noch Sonderfahrten mit Personenzügen statt. Im Juli 1983 wurde Urach zum Kurort Bad Urach aufgewertet, doch der Güterverkehr ging weiter zurück. Ende 1989 wurde auch der spärliche Güterverkehr zwischen der Ausweichanschlussstelle Dettingen Gsaidt und Bad Urach aufgegeben.
Reaktivierung
Bestrebungen der Anliegergemeinden, vor allem der Kurstadt Bad Urach, den Schienenverkehr wiederzubeleben, mündeten 1988 in der Gründung der Ermstal-Verkehrs-Gesellschaft (ab 1995 Erms-Neckar-Bahn). Diese erwarb die Strecke am 28. Dezember 1993 mit Wirkung zum 1. Januar 1994[3] von der damaligen Deutschen Bundesbahn zum symbolischen Preis von einer D-Mark. An dem Unternehmen Erms-Neckar-Bahn beteiligten sich mehr als 1000 Aktionäre und ermöglichten so die Reaktivierung.[4] Im Mai 1998 erfolgte der Start eines Touristikverkehres an Wochenenden und Feiertagen. Zum 1. August 1999 wurde der reguläre Personenverkehr nach Bad Urach wieder aufgenommen. In diesem Zusammenhang wurden auch drei neue Haltepunkte auf dem Gebiet der Gemeinde Dettingen an der Erms in Betrieb genommen (Dettingen-Lehen, Dettingen-Freibad und Dettingen-Gsaidt). 2004 erfolgte die Eröffnung des Haltepunktes Bad Urach Ermstalklinik sowie eine Erhöhung der Streckenhöchstgeschwindigkeit auf 80 km/h.[5]
Ausbau und Elektrifizierung im Rahmen der Regional-Stadtbahn Neckar-Alb
Von 2019 bis 2022 wurde die Strecke im Rahmen der Realisierung der Regional-Stadtbahn Neckar-Alb ausgebaut und elektrifiziert. Der Planfeststellungsbeschluss wurde im Februar 2017 vom Regierungspräsidium Tübingen erlassen, Baubeginn war im Oktober 2019. Die Realisierung des „Moduls 1“ durch die ENAG wurde von den Landkreisen Reutlingen und Tübingen sowie den Städten Reutlingen, Metzingen, Bad Urach und der Gemeinde Dettingen bezuschusst. In diesem Zusammenhang wurden alle Stationen auf eine einheitliche Bahnsteiglänge von 80 Metern und eine Höhe von 55 Zentimetern ausgebaut. In Dettingen-Gsaidt entstand bis Ende 2020 ein zweigleisiger Kreuzungsbahnhof mit Mittelbahnsteig.
Zum Großen Fahrplanwechsel der DB am 14. Dezember 2025 verkehren nun Züge zwischen 5 und 20 Uhr im Halbstundentakt zwischen Metzingen und Bad Urach. Dafür wurde in Dettingen-Gsaidt ein digitalies Stellwerk in Betrieb genommen, mit der sich sowohl die Ermstal- als auch die Ammertalbahn steuern lässt.[6][7][8]
Da der Endbahnhof Bad Urach lediglich über ein Bahnsteiggleis verfügt und durch die Bundesstraße 28 räumlich von der Innenstadt sowie dem Busbahnhof getrennt ist, überprüfte die Erms-Neckar-Bahn 2021 die verkehrstechnische Machbarkeit einer Gleisverschwenkung über die Bundesstraße in Form eine höhengleichen Kreuzung nach BOStrab und als alternative Variante mit einer höhenfreier Kreuzung und Tieferlegung der Straße in Troglage. Vorgesehen war die Errichtung einer neuen Endhaltestelle am Busbahnhof mit zwei Bahnsteigkanten. Eine höhenfreie Variante wurde verworfen, die höhengleiche weiterverfolgt.[9][10][11] Die Idee wurde bereits in den 1990er Jahren unter dem Bürgermeister Fridhardt Pascher diskutiert, aber aufgrund der fehlenden Genehmigungsfähigkeit eines neuen Bahnübergang einer Eisenbahn nach Eisenbahnkreuzungsgesetz verworfen.[12] Im Januar 2026 war eine weitere Verkehrsimulation zu einer Querung der Bundesstraße 28 in Erstellung.[13]
Verkehr
Auf der Strecke verkehren täglich im Stundentakt Regionalbahnen der Linie RB 63, die über die Bahnstrecke Plochingen–Immendingen nach Tübingen durchgebunden werden. Der Zugverkehr wird von DB Regio (zuvor DB ZugBus Regionalverkehr Alb-Bodensee [RAB]) im Auftrag des Landes Baden-Württemberg durchgeführt.[14] Diese setzt hierzu Elektrotriebwagen vom Typ Alstom Coradia Continental ein.[15][16] Bis Dezember 2022 wurden Dieseltriebwagen vom Typ Stadler Regio-Shuttle RS 1 eingesetzt. Parallel zur Strecke verkehrt eine weiterhin von der RAB betriebene Buslinie, deren Fahrzeiten auf den Zugfahrplan abgestimmt sind. Die Strecke ist seit dem 1. Januar 2002 vollständig in den Verkehrsverbund Neckar-Alb-Donau (Naldo) integriert.
In Zusammenhang mit der Realisierung der Regional-Stadtbahn Neckar-Alb sollen ab voraussichtlich 2027 Zweisystem-Stadtbahnen auf der Strecke eingesetzt werden.
Literatur
- Hans-Joachim Knupfer, Bernd Weckler: Einmal Urach und retour! Knupfer-Bahnbücher, Althengstett 1999, ISBN 3-934379-00-1.
- Peter-Michael Mihailescu, Matthias Michalke: Vergessene Bahnen in Baden-Württemberg. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 1985, ISBN 3-8062-0413-6, S. 197–200.
- Martin Uhlig, Wolfgang Schulz-Braunschmidt (Hrsg.): Die Ermstalbahn: Bürgerbahn mit 150 Jahren Geschichte und 150 Jahren Zukunft. Arbeitsgemeinschaft Drehscheibe, Köln 2024, ISBN 978-3-929082-39-5.
