Erna Schilling

deutsch-schweizerische Kunstgewerblerin, Modell und Lebenspartnerin von Ernst Ludwig Kirchner (1884-1945) From Wikipedia, the free encyclopedia

Erna Schilling, genannt Erna Kirchner (* 25. Dezember 1884 in Berlin[1] als Ida Klara Erna Schilling; † 4. Oktober 1945 in Davos), war eine deutsch-schweizerische Kunstgewerblerin[2.1] und Künstlermodell. Sie war Lebensgefährtin und Muse sowie erste Nachlassverwalterin des expressionistischen Malers Ernst Ludwig Kirchner.

Ernst Ludwig Kirchner: Porträt der Erna Schilling (1913)
Stickerei von Erna Schilling, 1914/15

Leben

Erna Schilling wurde 1884 als Tochter von Friedrich Wilhelm August Gustav Schilling und seiner Ehefrau Emilie Maria Schilling, geb. Kunsch, geboren. Die Familie lebte in Berlin, Zionskirchstraße 41 in der Rosenthaler Vorstadt. Über den Beruf des Vaters gibt es unterschiedliche Angaben, er soll Korrektor in einem Verlag oder Buchdrucker gewesen sein. Schilling hatte einen jüngeren Bruder, Karl Ernst Kurt Schilling (1888–1942) und eine jüngere Schwester, Gerda (1893–1923). In zweiter Ehe war der Vater mit einer Weißnäherin verheiratet.[2.2]

Mit achtzehn Jahren soll Erna aus dem Elternhaus ausgezogen sein. Eine Quelle von 1938 nennt die Eisenacherstraße 51 in Berlin-Schöneberg als ihre Adresse.[2.3] Was sie in den Jahren bis 1911/12 machte, als sie den Künstler Ernst Ludwig Kirchner kennenlernte, ist nicht gesichert; es gibt Hinweise, dass sie versuchte, als Kunstgewerblerin Fuß zu fassen.[2.1] Andere Quellen vermuten, dass sie als Variététänzerin, Laborantin oder Verkäuferin gearbeitet haben könnte.[3] Allgemein wird angenommen, dass Kirchner zunächst Gerda Schilling kennenlernte, die zusammen mit Sidi Riha, Erich Heckels Partnerin, in einem Variété oder Tingeltangel als Tänzerin arbeitete. Nach einer kurzen Romanze zwischen Gerda Schilling und Kirchner wird Erna Schilling ab 1912 Kirchners Lebensgefährtin und sein bevorzugtes Modell.[4][5] Die Schwestern sind etwa in den Werken Potsdamer Platz, Portrait Erna Schilling und Bildnis Gerda zu sehen.[6] Durch Kirchner lernte Schilling weitere Mitglieder der Künstlergruppe Brücke kennen. Sie stand auch für Gemälde von Erich Heckel und Otto Mueller Modell. Ende 1913 zogen Kirchner und Erna Schilling ein Dachatelier in der Körnerstraße 45, im gut situierten Berlin-Steglitz.[4] Nach Kirchners Entwürfen fertigte Schilling von Beginn an zahlreiche Stickereien an, die teilweise erhalten, teilweise durch Fotografien überliefert sind.

Während Kirchner sich ab 1916 wiederholt krankheitsbedingt in Sanatorien in Königstein im Taunus, in Berlin und in Kreuzlingen aufhält, betreut Schilling in Berlin die gemeinsame Wohnung und das Atelier. 1918 bezog Kirchner ein Haus der Hofgruppe „In den Lärchen“ in Davos Frauenkirch, wohin Schilling erste Sendungen des Hausstandes richtete, unter anderem de Druckerpresse und Teppiche.[4] Duch erfolgreiche Verkäufe von Bildern, unter anderem an Carl Hagemann, legte sie die Grundlage für seine finanzielle Unabhängigkeit. 1918 stellte Kirchner ihr, die zu dieser Zeit zwischen Berlin und der Schweiz pendelte, eine Vollmacht aus.[2.1] 1921 zog sie zu ihm in die Schweiz. Das Paar lebte ab 1923 im „Wildbodenhaus“ in Davos Frauenkirch. Zahlreiche Persönlichkeiten der Kunstszene besuchten sie dort, u. a. Fritz Winter, Oskar Schlemmer, Nele van de Velde und Gret Palucca. Nach langanhaltender Krankheit entschied sich Schilling ab 1930 wiederholt zu Kuren im Kurhaus Sennrüti in Degersheim.[2.4] 1931 unterzog sie sich in Berlin einer Operation wegen eines Myoms. Am Krankenbett erhielt sie Besuch von Ada Nolde, Emy Schmidt-Rottluff und Alfred Döblin.[2.5] 1937 nahm sie die Schweizer Staatsbürgerschaft an. Kirchner machte ihr im Juni 1938 einen Heiratsantrag. Am 10. Mai beantragte er bei der Gemeinde Davos das Aufgebot für die Eheschließung mit Erna Schilling. Kirchner nahm sich am 15. Juni 1938 das Leben. Erna Schilling, die nun auch amtlich den Namen Erna Kirchner tragen durfte, verwaltete in der Folge seinen Nachlass.[7][8] Sie starb am 4. Oktober 1945 in Davos und ist auf dem Waldfriedhof beerdigt.[2.6]

Nach ihrem Tod wurde der Nachlass von Ernst Ludwig Kirchner bis 1954 im Kunstmuseum Basel unter der Leitung von Georg Schmidt aufbewahrt. Die Nachlassverwaltung wurde von den Erben des Künstlers dann Roman Norbert Ketterer übergeben.[9]

Commons: Erna Schilling – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur

  • Gerd Presler: Erna Schilling, in: E. L. Kirchner, Seine Frauen, seine Modelle, seine Bilder, 53-Prestel-Verlag München 1998, S. 53–67, ISBN 3-7913-1976-0
  • Thomas Röske: Der Lebenskamerad – Das Verhältnis Ernst Ludwig Kirchners zu Erna Schilling. In: Roland Scotti (Hg.): magazin IV: Erna und Ernst Ludwig Kirchner. Ein Künstlerpaar. Davos 2003, S. 11–34.
  • Philip Sefton: The cover. Erna Schilling (sick woman, lady with hat). In: JAMA. The journal of the American Medical Association. 12. November 2008. American Medical Association, Chicago, Band 300, Nummer 18. ISSN 0098-7484, S. 2099. (online)
  • Hyang-Sook Kim: Das „physische Schönheitsideal“ der Frau. In: Hyang-Sook Kim: Die Frauendarstellungen im Werk von Ernst Ludwig Kirchner. Verborgene Selbstbekenntnisse des Malers. Tectum-Verlag, Marburg 2002, ISBN 3-8288-8407-5, S. 73–76, (Zugleich: Marburg, Universität, Dissertation, 2001).

Einzelnachweise

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