Erna Weill
Bildhauerin (1904-1996)
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Erna Weill (* 1904 in Frankfurt am Main; † 25. April 1996 in Teaneck, New Jersey) war eine deutsche Bildhauerin, die vor der nationalsozialistischen Verfolgung in die Vereinigten Staaten floh. Bekannt wurde sie für ihre Büsten von Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts, insbesondere von Aktivisten der Bürgerrechtsbewegung.

Werdegang

Erna Weill wurde als Erna Helft als Tochter von Toni und David Helft in Frankfurt am Main[1] geboren und von ihren Eltern im jüdischen Glauben erzogen. Sie studierte bei Helene von Beckerath, einer Schülerin Auguste Rodins, an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main Bildhauerei. Sie heiratete den Chemiker Ernst Weill und bekam mit ihm 1926 einen Sohn und 1928 eine Tochter.[2][3] Die Familie lebte in der Lindenstraße 39 in Frankfurt.[4] Während ihrer zahlreichen Reisen und Familienurlaube, wie etwa nach Spanien 1930,[5] drehte Erna Weill Amateurfilme, unter anderem von ihren Kindern beim Spielen, bei Familienreisen nach Palästina oder beim Wandern und Skifahren in der Schweiz. Von ihr stammt auch die einzig bekannte Filmaufnahme des Finalspiels um die deutsche Fußballmeisterschaft in Nürnberg 1932 zwischen Bayern München und Eintracht Frankfurt.[4] 1933 inspirierte sie ein Kurs in jüdischer Philosophie bei Martin Buber in Frankfurt dazu, sich in ihrer Kunst jüdischen Themen zuzuwenden.[2]
1936 floh sie mit ihrer Familie vor dem wachsenden Antisemitismus und der Verfolgung der jüdischen Bevölkerung im NS-Staat zunächst in die Schweiz und emigrierte 1937 in die Vereinigten Staaten. Erst lebte die Familie im New Yorker Stadtbezirk Queens, später in Teaneck in New Jersey. Später nutzte Erna Weill ihre Kunst, um sich gegen Rassenvorurteile und Gewalt einzusetzen. Wie viele jüdische Persönlichkeiten ihrer Zeit unterstützte sie in den 1960er Jahren die Bürgerrechtsbewegung. In einem Porträt, das im Oktober 1965 in „The Crisis“ der NAACP erschien, fasste sie ihre Position im Kampf für Bürgerrechte mit den Worten zusammen: „Wir alle müssen auf unsere Weise etwas für diese Sache tun. Dies ist mein Weg.“[2][4]
Im Laufe ihres künstlerischen Schaffens arbeitete Erna Weill als Bildhauerin und Dozentin im Großraum New York.[3] In ihrem eigenen Atelier unterrichtete sie Schülerinnen und Schüler aller Altersgruppen. Sie unterrichtete in einer Reihe von Einrichtungen und gab auch Kurse im Brooklyn Museum und in jüdischen Gemeindezentren. Erna Weill starb im April 1996.[2][4]
Werk
Maßgeblichen Einfluss auf das künstlerische Schaffen von Erna Weill hatten ihr religiöses Elternhaus, Rodins impressionistischer Ansatz und die von Buber inspirierte intensive Auseinandersetzung mit jüdischen Themen.[4] In ihren groß- und kleinformatigen Arbeiten zu Themen des Judentums verwendete sie eine Vielzahl von Materialien aus Metall, Stein, Terrakotta und Beton. Dazu gehörte nach 1933 etwa eine Besamimbüchse[6] und ein Chanukka-Leuchter aus dem Jahr 1936.[7] Ihre Werke tragen Namen wie „Prayer“, „Embrace“, „Dreaming Ecstasy“, „Philosophical Street Cleaner“ und „Devotion“.[2][4]
Erna Weill schuf Büsten bekannter Persönlichkeiten und unterstützte die Bürgerrechtsbewegung. Zu ihren Werken gehört die vierteilige Bronzeskulptur „Mothers of Birmingham“, eine Hommage an die Mütter der vier afroamerikanischen Mädchen, die 1963 bei einem rassistisch motivierten Bombenanschlag des Ku-Klux-Klans auf eine Baptistenkirche in Birmingham in Alabama getötet wurden.[2][4] Nachdem Martin Luther King die Skulptur 1966 gesehen hatte, willigte er ein, für eine Büste Erna Weills Modell zu stehen, die sie kurz nach seiner Ermordung fertigstellte.[2] 1966 schuf sie mit „Brothers“ eine Skulptur zur Erinnerung an die 1964 während der Mississippi-Bürgerrechtsaktivisten-Morde durch den White Knights of the Ku Klux Klan ermordeten US-amerikanischen Bürgerrechtler Michael Schwerner, Andrew Goodman und James Earl Chaney.[8]
Eva Weills Nachlass befindet sich im American Archives of Art und der Sammlung des Leo Baeck Institutes in New York. Er umfasst unter anderem die Korrespondenz von Eva Weil mit Martin Luther King und Coretta Scott King,[4] außerdem Briefe und Abbildungen der fertigen Porträts weiterer von Eva Weill porträtierter Persönlichkeiten, darunter Leo Baeck, Leonard Bernstein, Abraham Joshua Heschel, Golda Meir, Franklin D. Roosevelt und Elie Wiesel.[2]
Skulpturen (Auswahl):
- Mothers of Birmingham. Vierteilige Bronzeskulptur
- Brothers. Bronzeskulptur[8]
- Chanukka-Leuchter. Gegossene Bronze, versilbert und graviert[7]
- Leo Baeck[3]
- Leonard Bernstein. Bronzebüste
- Abraham Joshua Heschel. Bronzebüste
- Martin Luther King. Bronzebüste
- Golda Meir. Bronzebüste
- Franklin D. Roosevelt. Bronzebüste
- Elie Wiesel. Bronzebüste[2]
Ausstellungen und Sammlungen (Auswahl)
- 1960: 29. New Jersey State Exhibition. Mit der Steinskulpur „Be Blessed“, Montclair Art Museum, Montclair, New Jersey[9]
- 1964: Weltausstellung, New Jersey Pavilion, New York (mit Mothers of Birmingham)[2]
- 1966/1967: 10. Hanukkah Art Festival. Fine Arts Faculty, Bergen County[10]
- Gruppenausstellung. Newark Museum of Art
- Gruppenausstellung. Jewish Museum, New York[2]
Eine Büste von Martin Luther King befindet sich im Schomburg Center for Research in Black Culture der New York Public Library, eine zweite Version im Martin Luther King Jr. Center for Nonviolent Social Change in Atlanta. „Mothers of Birmingham“ und „Brothers“ stehen in der Fairleigh Dickinson University in Teaneck in New Jersey.[2] Ein versilberter Chanukka-Leuchter aus Bronze wird im Jüdischen Museum Berlin ausgestellt.[7]
Literatur
- Felicitas Korn: Die Bildhauerin Erna Weill: Das ist mein Weg. In: Leo Baeck Institute New York (Hrsg.): Stolpertexte. Literatur gegen das Vergessen. Verlag Hentrich & Hentrich, Berlin 2014, ISBN 978-3-95565-671-3