Ernst Aly
deutscher Kaufmann und Funktionär der Hitler-Jugend
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Ernst Aly (* 24. Dezember 1912 in Freiburg im Breisgau; † 19. November 2007) war ein deutscher Kaufmann, Funktionär der Hitler-Jugend und Verleger.
Leben
Er wurde als Sohn des Freiburger Hochschullehrers Wolfgang Aly (1881–1962) in Freiburg geboren und ist ein Nachfahre des königlich-preußischen Kammertürken Friedrich Aly. Nach der Schulausbildung absolvierte Aly von 1932 bis 1934 eine kaufmännische Lehre bei der Firma Metz in Freiburg. Er arbeitete anschließend ein Jahr lang für Metz in Berlin, bevor er kurzzeitig mit einem Stipendium die Deutsche Handelsschule in Hamburg besuchte.[1] Obwohl er aufgrund seines Geburtsjahres vom Wehrdienst befreit war, leistete er zwölf Monate Wehrdienst im 12. Infanterieregiment (Halberstadt) und schied im Oktober 1936 als Offizieranwärter aus.[1] Nach Lockerung der Mitglieder-Aufnahmesperre der NSDAP beantragte er am 1. Juli 1937 die Aufnahme in die NSDAP und wurde rückwirkend zum 1. Mai desselben Jahres aufgenommen (Mitgliedsnummer 4.653.887).[2]
Im Januar 1937 wurde er Bauleiter für die Gaujugendführung in der Saarpfalz.[1] 1938 war Aly bereits lokaler Hitler-Jugend-Führer und im Gau Saarpfalz Beauftragter für die Heimbeschaffung. Im Zuge der „Arisierung“ interessierte er sich dabei im November 1938 für den Erwerb von jüdischem Besitz für neue HJ-Heime und Dienststellen und forderte zur Meldung möglicher Immobilien auf dem Dienstweg auf.[3] Ab 1936 wirkte er in kaufmännischer Funktion am Heimbau der Hitlerjugend im Gau Saarpfalz mit und verfügte bereits als junger Mann „über Sekretärin, Dienstwagen und Chauffeur – ein überdurchschnittlicher NS-Gewinnler zweifellos.“[4]
Nachdem er einige Jahre Hitler-Jugend-Führer in Neustadt und Saarbrücken im Gau Westmark war, wurde er 1941 zum Bannführer befördert. Während des Krieges wurde er kurzzeitig als Soldat im Frankreichfeldzug eingesetzt und diente später einige Wochen von Dezember 1942 bis Mitte Februar 1943 an der Ostfront.[1] Dort wurde er 1943 schwer verwundet und kriegdienstunfähig. 1944 übernahm er die Leitung der Hauptabteilung Heime und Herbergen in der Gebietsführung Westmark. In dieser Funktion leitete er die Evakuierung deutscher Kinder aus dem Sudetenland.[1] Vor Kriegsende wurde Aly zum Oberbannführer befördert und in der Reichsjugendleitung Abteilungsleiter für die Erweiterte Kinderlandverschickung. Nach dem Zweiten Weltkrieg war er als Vertreter in Heidelberg[5] und als Verleger in Gräfelfing tätig,[6] wo er mit seiner Frau Ottilie, geb. Schneider, lebte. Von 1964 bis mindestens 1967 erschien in seinem Fachverlag die Zeitschrift Fertigbau Informationen. Aktueller Nachrichtendienst über das Bauen mit vorgefertigten Elementen. Am 4./5. November 1971 führte der Fachverlag Ernst Aly ein internationales Symposium zur Industrialisierung des Bauens im Stadtpalais Liechtenstein in Wien durch.[7]
Alys Sohn ist der Historiker Götz Aly, einer der bekanntesten Autoren zur Geschichte des Nationalsozialismus und des Holocaust.
Ausgewählte Werke
- Ernst Aly: Vom Rhein über Spichern bis Metz. Die Jugendherbergsplanung im Gau Westmark, In: NSZ-Westmark vom 21. Februar 1941.
- Ernst Aly (Hrsg.): Fertigbau Informationen. Aktueller Nachrichtendienst über das Bauen mit vorgefertigten Elementen. 3. Jg. 1966: Hefte 9–12 / 4. Jg. 1967: Hefte 1–12 in 1 Band. München-Gräfelfing 1966–1967.
Literatur
- Michael Buddrus: Totale Erziehung für den totalen Krieg, De Gruyter, Berlin 2003, ISBN 978-3-598-11615-5, S. 1112.
- Der Streit. In: Die Zeit vom 19. Mai 2005. Titelseite.
- Joachim Heinz: 80 Jahre danach auf der Frankfurter Buchmesse: Bücher zur NS-Diktatur haben wieder Konjunktur, in: 24books.de vom 15. Oktober 2025.
- André Postert: Die Hitlerjugend: Geschichte einer überforderten Massenorganisation. Vandenhoeck Göttingen 2021, ISBN 978-3-525-36098-9, S. 242.
- Götz Aly: Wie konnte das geschehen? Deutschland 1933 bis 1945. S. Fischer Verlag, Frankfurt 2025 (Eintrag bei perlentaucher.de)