Ernst Kabel

deutscher Druckereibesitzer, Verleger und Rezitator (1879–1955) From Wikipedia, the free encyclopedia

Ernst Eduard Kabel (* 12. März 1879 in Hamburg; † 30. Januar 1955) war ein deutscher Druckereibesitzer und Verleger.

Leben

Kabel ging in seiner Geburtsstadt Hamburg zur Schule. Durch seinen Lehrer Otto Ernst, der Gedichte und Bühnenstücke verfasste, kam er mit dem Plattdeutschen in Berührung, für das er nach anfänglichem Zögern eine große Liebe und Leidenschaft entwickelte. Als Rezitator plattdeutscher Lyrik und Geschichten trat er, von verschiedenen Arbeitertheatervereinen gefördert, regelmäßig mit Freunden im kleinen Saal der Hamburger Musikhalle und im Hamburger Conventgarten auf.

Kissenstein in der im Planquadrat S3 an der Talstraße liegenden Familiengrabstätte auf dem Friedhof in Hamburg-Ohlsdorf

Im Jahr 1900 machte sich Kabel im Hinterhaus des Anwesens Große Bleichen 30 mit einer Druckerei selbständig, in der er Vereinszeitungen, Zeitschriften, Broschüren, Prospekte, Plakate und Eintrittskarten druckte. Mit seiner Firma, die er auch im Ersten Weltkrieg weiterführen konnte, baute er sich eine gutbürgerliche Existenz auf. 1915 wurde Kabel zum Fronttheater einberufen, wo er im Rahmen von Unterhaltungsveranstaltungen vor Soldaten in Brüssel, Namur, Brügge und Charleroi auftrat. Im Kriegswinter 1917 kehrte er heim und blieb fortan in Hamburg.

Zeitweise führte Kabel sein Unternehmen mit seinem Bruder Hans als Kompagnon; seine Frau und seine Tochter halfen in den 1920er Jahren gelegentlich bei Falzarbeiten. Im Rahmen der allgemeinen Weltwirtschaftskrise geriet die Druckerei Ende der 1920er Jahre in finanzielle Schwierigkeiten, überlebte jedoch und konnte nach dem Zweiten Weltkrieg ihre Tätigkeit fortsetzen.

Die Druckerei, später der Ernst Kabel Verlag bestand auch nach Kabels Tod 1955 weiter und wurde im Jahr 1997 ein Imprint des Piper Verlages.[1]

Kabel war über drei Jahrzehnte Vorsitzender des Vereins geborener Hamburger, der unter seiner Leitung mit 4000 Mitgliedern zur größten Organisation der Hamburger Stadtgesellschaft wurde.[2] Vom 1. Mai 1933 an war Kabel Mitglied der NSDAP (Mitgliedsnummer 2.999.170).[3]

Kabel war vom 1907 an mit Agnes Oelkers (1883–1956) verheiratet, die er in einem Hamburger Theaterverein kennengelernt hatte. Ihre gemeinsame Tochter war die 1914 geborene Volksschauspielerin Heidi Kabel.

Einzelnachweise

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