Ernst Ludwig Trompheller
deutscher Klassischer Philologe und Gymnasiallehrer
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Ernst Ludwig Trompheller (* 5. August 1803 in Herzogenbusch; † 12. Mai 1879 in Coburg) war ein deutscher Gymnasiallehrer und Klassischer Philologe.
Leben
Familie und Ausbildung
Ernst Ludwig Trompheller wurde am 5. August 1803 im holländischen Herzogenbusch geboren, wo sein Vater als Hauptmann in holländischen Diensten in der Armee diente. Ein paar Monate nach seiner Geburt zogen seine Eltern nach Waltershausen in Sachsen-Gotha um, wo er dann auch aufwuchs.
Trompheller war seit 1827 verheiratet mit Emma (* 1. Oktober 1808; † 24. Januar 1866), die Tochter des Geistlichen Johann August Briegleb (1778–1847)[1] aus dem Coburger Land. Das Ehepaar hatte keine Kinder.
Tromphellers schulische Entwicklung fand am Gothaer Gymnasium illustre statt. Anschließend studierte er Philologie an der Universität Jena. Dort förderten ihn die Professoren Heinrich Karl Eichstädt und Karl Wilhelm Göttling, die sein Talent schnell erkannten. Unter seinen Kommilitonen machte er sich einen Namen als Turner und Fechter.
Berufliche Tätigkeit am Casimirianum
Die entscheidende Wendung in Tromphellers Karriere ergab sich im Jahre 1825. In Coburg verstarb der Rat Johann Friedrich Facius, der lange Jahre als philologischer Lehrer am Gymnasium Casimirianum Coburg tätig gewesen war. Die Schulverwaltung, welche die wissenschaftlichen Studien an der Anstalt durch eine jugendliche Kraft zu erneuern wünschte, wandte sich an Tromphellers Hochschullehrer, um eine Empfehlung zu erbitten. Diese sprachen sich einstimmig für ihren Schüler Trompheller aus. Am 15. November 1825 hielt er überzeugende Lehrproben über Thukydides und Horaz auf Latein und Deutsch. Dank seiner guten Leistung wurde er direkt als Lehrkraft im Vorbereitungsdienst am Gymnasium, unter Direktor Johann Andreas Wendel (1779–1840)[2], 1826 eingestellt.[3] Zu den weiteren Lehrkräften gehörten der lutherische Theologe Wilhelm August Friedrich Genßler, der 1826 zum Generalsuperintendenten aufstieg, sowie Eduard Forberg (1803–1865). Letzterer war ein ehemaliger Schulfreund aus Gothaer Gymnasialzeiten und übernahm später die Leitung des Casimirianums.[4]
1833 wurde Trompheller zum Professor ernannt, wobei ihm bereits ein Jahr darauf, nachdem Gottfried Seebode Direktor geworden war, ein Teil des deutschen Unterrichts übertragen.
1829 führte er den Turnunterricht nach den Methoden von Johann Christoph Friedrich GutsMuths ein.[5][6]
Über Jahrzehnte hinweg blieb er am Casimirianum und prägte durch seine Lehrtätigkeit mehrere Generationen von Schülern.
Zu seinen Schülern gehörten unter anderem der Sprachwissenschaftler August Schleicher, der Bürgermeister von Coburg, der Jurist und Politiker Rudolf Muther, der Komponist Felix Draeseke und der Rassentheoretiker Ludwig Schemann[7].
Charakteristische Merkmale als Gelehrter und Lehrer
Zeitgenossen beschrieben Trompheller als Experten mit fundiertem Fachwissen. Er war kein Sammler von oberflächlichem Allgemeinwissen, sondern legte Wert darauf, sich in ausgewählte Themengebiete tief einzuarbeiten und diese zu beherrschen. Ordnung und Klarheit waren dabei seine wichtigsten Arbeitsprinzipien.
Sein großes Ziel war es, den Geist der antiken Autoren – besonders in der Dichtung – wirklich zu verstehen und nachzufühlen. Er begeisterte sich für die moralischen Werte und Schönheitsideale der Antike. Am liebsten befasste er sich mit Homer, Sophokles und Horaz, deren Werke ihn auch zu eigenen Forschungsarbeiten inspirierten.
Trompheller galt als anerkannter Experte für lateinische Stilistik. Zudem kannte er sich hervorragend in der deutschen Literatur aus. Besonders beeindruckte er durch sein tiefes Wissen über Johann Wolfgang von Goethes Werke, deren geistigen Gehalt und künstlerische Qualität er schätzte.
Wissenschaftliche Arbeiten
Trompheller veröffentlichte seine wissenschaftlichen Texte vor allem in Form von Schulprogrammen, wie es damals an Gymnasien üblich war. Diese Aufsätze zeigen deutlich seine speziellen Fachinteressen und wie systematisch er die Klassiker untersuchte.
Seine erste grössere Publikation war ein Versuch einer Charakteristik der Ciceronischen Bücher vom Redner, die 1830 in Coburg erschien und sich mit den theoretischen Schriften Ciceros zur Rhetorik auseinandersetzte. 1832 folgte eine gründliche Analyse unter dem Titel Einige Bemerkungen über Cicero's Brutus, worin er die literarhistorische Bedeutung dieses Werkes würdigte.
Mit Horaz, dem römischen Dichter, dessen Werke ihm besonders am Herzen lagen, beschäftigte sich Trompheller in mehreren Publikationen. Seine Untersuchung Über Deutung und Zeitbestimmung von Horazens 14. Ode des I. Buches von 1850 zeigt die philologische Genauigkeit, mit der er einzelne Textpassagen analysierte. Darauf folgte 1851 eine umfassendere Studie: Betrachtungen über die sechs ersten Lieder im dritten Buche der horazischen Oden, die sich einer Gruppe zusammenhängender Gedichte widmete.
Seinen wissenschaftlichen Schwerpunkt legte Trompheller jedoch auf eine Reihe systematischer Beiträge zur Würdigung der horazischen Dichtweise. Der erste Beitrag erschien 1855, dem 1858 ein zweiter folgte, 1862 ein dritter und 1866 ein vierter und schließlich 1874 ein fünfter Beitrag. Diese Serie von Arbeiten, über Jahre verteilt, dokumentiert Tromphellers hartnäckiges und methodisches Bemühen, die künstlerischen Eigenheiten und die poetische Technik des augusteischen Dichters vollständig zu erfassen.
Ehrungen und Lebensende
1853 wurde Trompheller zum Ehrenbürger von Coburg ernannt[8] und 1865 wurde er durch die Philosophische Fakultät der Universität Jena zum Ehrendoktor ernannt.[9]
Das Jahr 1875 markierte einen Höhepunkt in seinem Leben. Am 15. November 1875 feierte er sein fünfzigjähriges Lehrerjubiläum. Sein Landesherr, Ernst II. von Sachsen-Coburg und Gotha, würdigte diese außerordentliche Leistung durch die Verleihung des Ritterkreuzes I. Klasse des Herzoglich Sachsen-Ernestinischen Hausordens. Bereits seit 1865 führte Trompheller den Titel eines Schulrats. Anlässlich seines Jubiläums stiftete Trompheller ein Legat von 600 Mark, dessen Zinsen nach Erreichen einer Kapitalsumme von 1000 Mark jährlich als Fleißprämie vergeben werden sollten – die sogenannte Jubiläumsprämie war eine Auszeichnung, die 1886 erstmalig der spätere Jurist Kuno Hirsch (1868–1943 im Lager Theresienstadt)[10] zuteilwurde.[11] Weitere Empfänger waren unter anderem 1904[12] der spätere Komponist Carl Leonhardt[13]
Nach mehr als fünf Jahrzehnten unermüdlicher Arbeit wurde Trompheller Ende September 1878 unter Verleihung des Prädikats Oberschulrat in den Ruhestand versetzt.[14] Doch dieser Ruhestand sollte nur von kurzer Dauer sein. Ein körperliches Leiden zehrte an seinen Kräften, bis es seinem Leben am 12. Mai 1879 gegen Mittag ein Ende setzte.
Der wissenschaftliche Nachlass Tromphellers, der weitere grundlegende Arbeiten enthielt, wurde nach seinem Tode, gemäß seiner ausdrücklichen Anordnung, durch Feuer vernichtet.
Seinen Nachruf verfasste der Historiker Friedrich Koldewey.
Schriften (Auswahl)
- Quod felix, faustum fortunatumque sit! Exoptatissimum in urbem patriam reditum Principi Domino Ernesto. 1826 (Digitalisat).
- De particula cum. 1828.
- Versuch einer Charakteristik der Ciceronischen Bücher vom Redner. 1830 (Digitalisat).
- Einige Bemerkungen über Cicero's Brutus. 1832 (Digitalisat).
- Über Deutung und Zeitbestimmung von Horazens 14. Ode des ersten Buchs. 1850 (Digitalisat).
- Betrachtungen über die sechs ersten Lieder im dritten Buche der Horazischen Oden. 1851 (Digitalisat).
- Beiträge zur Würdigung der Horazischen Dichtweise (Fünf Teile: 1855, 1858, 1862, 1866, 1874).
Literatur
- Ernst Ludwig Trompheller. In: Coburger Zeitung vom 17. November 1875. S. 1101 (Digitalisat).
- Ernst Ludwig Trompheller. In: Coburger Zeitung vom 17. Mai 1879. S. 484 (Digitalisat).
- Ernst Ludwig Trompheller. In: Coburger Zeitung vom 19. Mai 1879. S. 489–490 (Digitalisat).
- Ernst Ludwig Trompheller. In: Conrad Bursian (Hrsg.): Jahresbericht über die Fortschritte der klassischen Altertumswissenschaft, 2. Jahrgang, 1879. Berlin, 1880. S. 20–21 (Digitalisat).
- Friedrich Koldewey: Trompheller, Ernst. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 38, Duncker & Humblot, Leipzig 1894, S. 649 f.