Ernst Meiring
deutscher Politiker (NSDAP)
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Leben
Nach seinem Volksschulabschluss absolvierte Ernst Meiring in den Jahren von 1920 bis 1923 eines Ausbildung bei der Kreissparkasse Lübbecke und war dort im Anschluss als Angestellter (erste und zweite Angestelltenprüfung 1926/1928) beschäftigt. Schon früh wurde er Mitglied im Jungdeutschen Orden und trat zum 1. August 1931 in die NSDAP ein (Mitgliedsnummer 593.675).[1] Dort war er zunächst Kassenwart und Adjutant des Kreisleiters Fritz Watermann.
Er wurde Mitglied im Stadtrat von Lübbecke und war dort von April 1933 bis 1938 hauptamtlicher Bürgermeister. Er hatte von 1934 bis 1938 einen Sitz im Kreistag des Kreises Lübbecke und war auch Mitglied des westfälischen Provinziallandtages. Während dieser Zeit wurde er nach Wien berufen, um in der sogenannten Ostmark den Aufbau der NSDAP zu unterstützen. Meiring gab 1938 das Amt des Bürgermeisters auf, denn nach der Verordnung zur Trennung von Partei- und Staatsämtern mussten sich Amtsinhaber entweder für ein Amt in der Partei oder für ein Staatsamt entscheiden[2]. Meiring stand auf der „Liste des Führers zur Wahl des Großdeutschen Reichstages am 10.4.1938“ auf Platz 1309[3].
NSDAP-Kreisleitungen
Vom 29. Oktober 1932 bis Januar 1940 war er Kreisleiter in Lübbecke und wurde bis Jahresende 1940 zur Wehrmacht eingezogen und durch Gustav Klöpper vertreten. Anschließend kam er wieder bis März 1942 als Kreisleiter nach Lübbecke und wurde auch mit der Leitung des Kreises Schaumburg-Lippe beauftragt. Vom 1. April 1943 bis zum 26. Juli 1943 war er Kreisleiter in Minden. Von März 1945 an war er wieder Kreisleiter in Lübbecke. Ende September 1943 kam er wieder zum Kriegseinsatz und wurde dabei im Oktober 1944 so schwer verletzt, dass ein Lazarettaufenthalt erforderlich war.
Weitere Aktivitäten
Im Oktober 1944 bezog die Waffen-SS in Vorbereitung auf die Ardennenoffensive in Lübbecke und Umgebung Quartier. Der Stab der SS-Einheiten wurde in der Gauschulungsburg untergebracht, die auf Initiative Meirings gebaut und am 11. Juni 1939 vom Gauleiter Alfred Meyer eingeweiht worden war. Am 3. April 1945 befahl Meiring jungen und kaum ausgebildeten Soldaten, das Dorf Levern gegen die anrückenden Alliierten zu verteidigen. Dabei kam es zu sinnlosen Opfern[4]. Als amerikanische und britische Truppen am 4. April 1945 das Lübbecker Land vom Nazi-Terror befreiten, war der fanatische NSDAP-Kreisleiter Meiring bereits untergetaucht[5].
Nachkriegszeit und Entnazifizierungsverfahren
Nach dem Krieg flüchtete er in die Altmark, wo er mit gefälschten Papieren, die er sich bei einem Bürgermeister besorgt hatte, untertauchte. Ab September 1945 lebte er unter dem Falschnamen Ernst Meyer in Allagen bei Warstein. Im März 1950 stellte er sich unter Angabe seiner wahren Identität der dortigen Polizei. Das von der Oberstaatsanwaltschaft Bielefeld wegen falscher Namensführung eingeleitete Ermittlungsverfahren wurde am 25. Juni 1950 gemäß § 10 Abs. 2 des Straffreiheitsgesetzes eingestellt. Ebenso wurde ein Verfahren wegen Verbrechens gegen die Menschlichkeit im September 1950 eingestellt. Er verdiente seinen Lebensunterhalt als Kraftfahrer und Buchhalter in einem Sägewerk und später als kaufmännischer Angestellter. 1957 besorgte er für den ehemaligen Landrat Erich Hartmann eine größere Wohnung in Lübbecke, als dieser für die Molkerei tätig war[6].
Am 8. November 1950 verurteilte ihn die Spruchkammer Bielefeld zu einer Freiheitsstrafe von 1 Jahr und 6 Monaten. Infolge der eingelegten Revision verhängte die Spruchkammer am 23. Februar 1951 eine Gefängnisstrafe von 1 Jahr, die nach den Bestimmungen des Straffreiheitsgesetzes in eine Haftstrafe zur Bewährung umgewandelt wurde.
Literatur
- Wolfgang Stellbrink: Die Kreisleiter der NSDAP in Westfalen und Lippe. Veröffentlichung der staatlichen Archive des Landes Nordrhein-Westfalen: Reihe C, Quellen und Forschung; Band 48, Münster 2003, ISBN 3-932892-14-3, S. 169–170 (Digitalisat)