Ernst von Heyking

preußischer Regierungsbeamter und Politiker From Wikipedia, the free encyclopedia

Ernst August Julius Baron von Heyking (* 14. Dezember 1862 in Neuenburg, Westpreußen; † 15. Mai 1940 in Görlitz) war ein deutscher Verwaltungsjurist, preußischer Beamter und konservativer Politiker. Er war von 1904 bis 1908 Abgeordneter im preußischen Landtag, von 1908 bis 1911 Polizeipräsident in Posen. Von 1911 bis 1922 war er Landeshauptmann des Provinzialverbandes Posen bzw. ab 1920 der Grenzmark Posen-Westpreußen.

Herkunft

Ernst von Heyking entstammte dem deutsch-baltischen Adelsgeschlecht Heyking. Seine Eltern waren der Amtsgerichtsrat Moritz Theodor Dietrich von Heyking (* 25. Januar 1832) und dessen Ehefrau Klara Maria Theresia von Suchten (* 22. März 1833).

Leben

Von Heyking besuchte die Gymnasien in Marienburg und in Danzig. Anschließend immatrikulierte er sich an der Albertus-Universität Königsberg für Rechts- und Staatswissenschaften. 1881 wurde er im Corps Baltia Königsberg aktiv.[1] Als Inaktiver wechselte er an die Universität Jena, die Friedrichs-Universität Halle und die Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin.

Nachdem er 1884 das Erste Juristische Staatsexamen bestanden hatte, wurde er am 10. Oktober 1884 Gerichtsreferendar im Bezirk Marienwerder. 1886 trat er zur Verwaltung über und diente bei der Regierung in Danzig. 1891 war er Verweser des Landratsamtes Pinneberg. 1892 bearbeitete er bei der Regierung in Schleswig die Einkommensteuer der Stadt Altona. Ab 1895 war er wieder bei der Regierung in Danzig. 1898 wurde er zum Regierungsassessor in Danzig ernannt. 1899 war er Verweser des Landratsamts vom Kreis Pleß. Nachdem er in Danzig als Regierungsrat angestellt worden war, wurde er noch im Jahre 1899 zum Landrat in Pleß ernannt.

1894 wurde er Ehrenritter, 1904 Rechtsritter des Johanniterordens.[2]

Ab 1904 war er konservatives Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses für den Wahlkreis Pleß-Rybnik in Oberschlesien. 1908 unterlag er in seinem Wahlkreis den Kandidaten der Zentrumspartei und der polnischen Fraktion.[2]

Von 1908 bis 1911 leitete er das Polizeipräsidium in Posen. 1911 wurde er zum Landeshauptmann des Provinzialverbandes Posen ernannt und leitete als solcher die höhere kommunale Selbstverwaltungskörperschaft der Provinz. Gleichzeitig war er der Beauftragte des Deutschen Roten Kreuzes bei der Linienkommandantur in Posen; wiederholt brachte er Züge mit Liebesgaben zum (Posener) V. Armee-Korps (Deutsches Kaiserreich) an die Front.[2] In Posen war er Vorsitzender des Bezirksverbandes Alter Corpsstudenten.

Kreise der Provinz Posen-Westpreußen

Nach dem Ersten Weltkrieg und der Novemberrevolution im Amt geblieben, wurde er im Zuge des Posener Aufstands vom obersten polnischen Volksrat abgesetzt und vor Gericht gestellt. Infolge des Versailler Vertrages musste das Deutsche Reich den größten Teil der Provinz Posen (der bereits seit dem Waffenstillstand im Februar 1919 unter polnischer Kontrolle stand) an die wiedererrichtete Republik Polen abtreten.

Heyking übersiedelte ins deutsch gebliebene Meseritz und richtete dort – im Verwaltungsgebäude der Heil- und Pflegeanstalt Obrawalde – eine provisorische Landesverwaltung für den kleinen bei Deutschland verbliebenen Teil der Provinz Posen ein. Dieser wurde 1920 mit den deutsch gebliebenen Teilen Westpreußens zum Verwaltungsbezirk Grenzmark Posen-Westpreußen zusammengefasst, der 1922 zu einer eigenen preußischen Provinz erklärt wurde. Deren Provinziallandtag wählte im August 1922 Johannes Caspari zum neuen Landeshauptmann, woraufhin Heyking in den Ruhestand trat. Diesen verbrachte er in Görlitz, wo er am corpsstudentischen Leben regen Anteil nahm.[2]

Ehrungen

Schriften

  • Rechtfertigungsschrift des Landeshauptmanns der Provinz Posen Ernst von Heyking in Sachen seiner auf Antrag des Obersten polnischen Volksrats in Posen im Mai 1919 im Disziplinarwege erfolgten Amtsentsetzung. Buchdruckerei der Landeshauptverwaltung, Meseritz 1919.
  • Sind die kurländischen Heyking westfälischen Uradel?, 1929[3]
  • Geschichte der zum Kurländischen Indigenatsadel gehörenden Familie der Barone von Heyking. Maschinenschriftliches Manuskript, Görlitz 1934, 3 Bände (Digitalisat einer handschriftlich bearbeiteten Version von Band 1 der Litauischen Nationalbibliothek)

Literatur

  • Siegfried Schindelmeiser: Die Albertina und ihre Studenten 1544 bis WS 1850/51 und Die Geschichte des Corps Baltia II zu Königsberg i. Pr. (1970–1985). Erstmals vollständige, bebilderte und kommentierte Neuausgabe in zwei Bänden mit einem Anhang, zwei Register, Vorwort: Franz-Friedrich Prinz von Preussen, Hrsg. R. Döhler und G. v. Klitzing, München 2010, ISBN 978-3-00-028704-6.
  • Florian Tennstedt: Heinrich Noetel und die Anfänge der Unfallverhütung in der deutschen Landwirtschaft; Eine Studie zur Vorgeschichte des „Verbandes der deutschen landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaften“. In: Soziale Sicherheit in der Landwirtschaft. Prävention in der Landwirtschaftlichen Sozialversicherung, Hrsg. Bundesverband der landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaften, 1976, S. 103–116, hier besonders S. 110 (Digitalisat), Hrsg. Univ.- Bibliothek Kassel.
  • Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser 1900. 1. Jahrgang, Justus Perthes, Gotha Januar 1900, S. 409.

Einzelnachweise

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