Escoire
französische Gemeinde
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Escoire (Aussprache [ɛsˈkwaʁ], okzitanisch Escoira) ist eine französische Gemeinde mit 401 Einwohnern (Stand: 1. Januar 2023) im Département Dordogne in der Region Nouvelle-Aquitaine. Die Gemeinde gehört zum Arrondissement Périgueux und zum Gemeindeverband Le Grand Périgueux. Die Einwohner werden Escoirais und Escoiraises genannt.
| Escoire Escoira | ||
|---|---|---|
| Staat | ||
| Region | Nouvelle-Aquitaine | |
| Département (Nr.) | Dordogne (24) | |
| Arrondissement | Périgueux | |
| Kanton | Trélissac | |
| Gemeindeverband | Le Grand Périgueux | |
| Koordinaten | 45° 13′ N, 0° 51′ O | |
| Höhe | 92–213 m | |
| Fläche | 3,94 km² | |
| Einwohner | 401 (1. Januar 2023) | |
| Bevölkerungsdichte | 102 Einw./km² | |
| Postleitzahl | 24420 | |
| INSEE-Code | 24162 | |
| Website | www.escoire.fr | |
Geografie

Escoire liegt etwa 11 Kilometer ostnordöstlich von Périgueux, etwa 46 Kilometer westnordwestlich von Sarlat-la-Canéda und etwa 49 Kilometer nordöstlich von Bergerac in der Région naturelle des Périgord central, im touristisch benannten Périgord blanc. Das Gemeindegebiet befindet sich im Einzugsgebiet der Dordogne und liegt am Zusammenfluss von Isle und Auvézère.
Das Département Dordogne liegt auf der Nordplatte des Aquitanischen Beckens und grenzt im Nordosten an einen Rand des Zentralmassivs. Es weist eine große geologische Vielfalt auf. Das Gelände ist in der Tiefe in regelmäßigen Schichten angeordnet, die von der Sedimentation auf dieser alten Meeresplattform zeugen. Das Département lässt sich daher geologisch in vier Stufen unterteilen, die sich nach ihrem geologischen Alter unterscheiden. Escoire liegt auf der zweiten Stufe von Nordosten, einer Hochebene aus sehr hartem Kalkstein aus dem Jura, den das Meer durch chemische Karbonatsedimentation in dicken und massiven Schichten abgelagert hat. Das Gemeindegebiet befindet sich sowohl im Causse de Cubjac als auch im Causse de Savignac, die zusammen mit dem Causse de Thenon eine Gruppe verkarsteter Hügel mit Kalkstein aus dem Unterjura östlich von Périgueux bis Excideuil und Thenon bilden, die sich etwa über ein Gebiet von etwa 30 Kilometer von Nord nach Süd und etwa 15 Kilometer von West nach Ost erstreckt, durchschnitten von den Tälern der Isle, der Auvézère und dem Loue.[1] Die im Gemeindegebiet hervortretenden Schichten bestehen aus Oberflächenformationen aus dem Känozoikum und aus Sedimentgesteinen aus dem Mesozoikum.
Das Gebiet von Escoire erstreckt sich über eine Schwemmebene der Isle im Nordwesten und über eine bewaldete Hügellandschaft im restlichen Areal, die sich markant von Tal der Isle abhebt. Der topografisch höchste Punkt liegt mit 213 m im Südosten in der Nähe der Grenze zur Nachbargemeinde Bassillac et Auberoche, der tiefste Punkt mit 92 m im äußersten Südwesten bei der Mündung der Auvézère in die Isle. Das Zentrum liegt in Hanglage auf etwa 110 m Höhe.
Rund 54 % der Fläche der Gemeinde sind bewaldet, rund 33 % werden landwirtschaftlich genutzt, rund 12 % entfallen auf bebaute Flächen.[2]
Umgeben wird Escoire von den drei Nachbargemeinden:
| Antonne-et-Trigonant | Sarliac-sur-l’Isle | |
| Bassillac et Auberoche |
Natürliche Risiken

Naturrisiken manifestieren sich in Escoire neben den meteorologischen Risiken (Sturm, Gewitter, Schnee, extreme Kälte, Hitzewelle) vor allem als
- Überschwemmungen und den mit ihnen assoziierten Schlammströmen und Hangrutschungen, besonders entlang der Isle und dem Mündungsgebiet der Auvézère
- Dürren
- Waldbrände
- Bodensetzungen
Aufgrund der Schäden, die durch Überschwemmungen, Schlammlawinen und Erdrutschungen in den Jahren 1982, 1993, 1999 und 2009 verursacht wurden, wurde für die Gemeinde jeweils der Naturkatastrophenzustand ausgerufen. Im Dossier des Départements über Hauptrisiken sind vorbeugenden Maßnahmen zur Reduktion von Hochwasserschäden festgelegt. Dazu gehört u. a. die Ausweisung von Zonen, die nicht oder nur nach Genehmigung bebaut werden dürfen, die Instandhaltung des Wasserlaufs, um Hindernisse zu begrenzen, und die Schaffung von Regenrückhaltebecken.
Im größten Teil des Gemeindegebiets besteht zur Vorbeugung von Waldbränden eine rechtliche Pflicht zur Beseitigung von Gestrüpp rund um Häuser, Straßen und anderen Einrichtungen oder Geräten und eine zeitliche und räumliche Beschränkung von offenem Feuer, beispielsweise beim Verbrennen von Abfällen oder Pflanzen, beim Campen oder beim Feuerwerk.[3]
Wie die Risikokarte zeigt, ist der größte Teil der Schwemmebene an der Isle von einer mittleren, der Großteil des höher liegenden Gemeindegebiets von einer starken Gefahr durch Bodensetzungen bei abwechselnden Dürre- und Regenperioden betroffen. Die Dürreperioden in den Jahren 1989, 1992, 1997, 2005 und 2022 sind als Naturkatastrophen der Gemeinde klassifiziert worden. Die Erdbebengefahr ist als niedrig einzustufen. Das Gemeindegebiet ist nur einer schwachen Radongefahr ausgesetzt und wird der Zone 1 von 3 zugeordnet.[4]
Etymologie und Geschichte
Erst im 15. Jahrhundert wurde der Name des Dorfes urkundlich erwähnt in der Schreibweise Escoyra (1403), dann Excoire im 18. Jahrhundert. Sein Ursprung ist unklar. Er könnte vom Namen einer gallorömischen Person, °Scaurius, villa, impliziert °Scauria villa (deutsch Landgut des Scaurius), stammen, das von Scaurus, einem römischen Spitznamen (deutsch Klumpfuß) kommt. Eine andere Hypothese bringt den Namen auch mit landwirtschaftlichen Tätigkeiten in Verbindung. Sie führt das okzitanische escoire (deutsch dreschen) von sol d’esscouire (deutsch Tenne, Dreschplatz) an, das im Quercy belegt ist. Das Verb ging aus dem lateinischen executere (deutsch herausschütteln) hervor.[5]
Der Standort ist seit der Jungsteinzeit besiedelt, wie Funde bearbeiteter Steine belegen.[6] In der Gegend wurden gallorömische Überreste gefunden, die von einer langen Siedlungsgeschichte zeugen.
Der Hundertjährige Krieg ausgelöst durch die Heirat von Eleonore von Aquitanien mit Heinrich Plantagenet, dem zukünftigen englischen König im 12. Jahrhundert, machte Aquitanien zu englischem Besitz. Die Aquitanier lehnten diese Hegemonie jedoch ab. Das Dorf Escoire wurde, wie alle Dörfer der Region, zum Schauplatz von Kämpfen zwischen Engländern und Franzosen. Die Schlacht bei Castillon beendete die Unruhen und endete 1453 mit einem französischen Sieg.
Später richteten die Hugenottenkriege im 16. Jahrhundert verheerende Schäden an. Escoire war, wie viele Dörfer im Périgord, von diesen Konflikten betroffen. All diese Auseinandersetzungen führten zur Einführung neuer Steuern, gegen die sich die Bauern in der Rebellion der Croquants von 1584 wehrten. Diese Kämpfe dauerten bis ins 19. Jahrhundert an.
Trotz dieser Schwierigkeiten entwickelt sich das Dorf weiter. Das Schloss Escoire wurde im 18. Jahrhundert an der Stelle eines früheren Festen Hauses erbaut.[7]
Am 25. Oktober 1941 wurden im Schloss Escoire Georges Girard, seine Schwester Amélie Girard und ihre Haushälterin Louise Soudeix im Schlaf brutal ermordet. Georges’ Sohn Henri Georges Girard wurde umgehend dieser abscheulichen Verbrechen beschuldigt. In einem aufsehenerregenden Prozess wurde er 1943 freigesprochen. Später wurde er unter dem Namen Georges Arnaud Schriftsteller und erlangte mit seinem Buch Le Salaire de la peur (deutsch Lohn der Angst) (1949) Berühmtheit.[8]
Bevölkerungsentwicklung
| Escoire: Einwohnerzahlen von 1793 bis 2020 | ||||
|---|---|---|---|---|
| Jahr | Einwohner | |||
| 1793 | 207 | |||
| 1800 | 220 | |||
| 1806 | 233 | |||
| 1821 | 199 | |||
| 1831 | 201 | |||
| 1836 | 204 | |||
| 1841 | 178 | |||
| 1846 | 186 | |||
| 1851 | 170 | |||
| 1856 | 189 | |||
| 1861 | 181 | |||
| 1866 | 208 | |||
| 1872 | 173 | |||
| 1876 | 174 | |||
| 1881 | 203 | |||
| 1886 | 183 | |||
| 1891 | 187 | |||
| 1896 | 191 | |||
| 1901 | 161 | |||
| 1906 | 134 | |||
| 1911 | 160 | |||
| 1921 | 121 | |||
| 1926 | 125 | |||
| 1931 | 126 | |||
| 1936 | 129 | |||
| 1946 | 97 | |||
| 1954 | 126 | |||
| 1962 | 148 | |||
| 1968 | 168 | |||
| 1975 | 177 | |||
| 1982 | 234 | |||
| 1990 | 367 | |||
| 1999 | 429 | |||
| 2006 | 457 | |||
| 2013 | 443 | |||
| 2020 | 400 | |||
| Quelle(n): EHESS/Cassini bis 1999,[9] INSEE ab 2006[10][11][12] Anmerkung(en): Ab 1962 offizielle Zahlen ohne Einwohner mit Zweitwohnsitz | ||||
Sehenswürdigkeiten
- Kirche Saint-Joseph aus dem 17. Jahrhundert
- Schloss Escoire aus dem 18. Jahrhundert, Fassaden und Dächer sind seit 1954 als Monument historique eingeschrieben
- Kirche Saint-Joseph
- Schloss Escoire
Bildung
Die Gemeinde verfügt über eine öffentliche Vor- und Grundschule (École primaire).[13]
Wirtschaft
Erwerbstätigkeit
Im Jahre 2022 waren 180 Personen zwischen 15 und 64 Jahren in Escoire erwerbstätig, entsprechend 74,6 % der Bevölkerung der Gemeinde in dieser Altersgruppe, wobei der Anteil der Männer (73,8 %) niedriger war als bei den Frauen (75,4 %). Die Zahl der Arbeitslosen war mit sechs Personen im Jahr 2022 niedriger als im Jahr 2016 (16). Die Arbeitslosenquote sank entsprechend von 7,9 % (2016) auf 3,3 % (2022). Die Zahl der Arbeitslosen in der Gruppe der 15- bis 24-Jährigen verringerte sich dabei um 43,8 %.[14]
Branchen und Betriebe
22 nicht-landwirtschaftliche Gewerbebetriebe waren im Jahr 2023 in Escoire wirtschaftlich aktiv:[14]
| Branche | ||
|---|---|---|
| Anzahl | % | |
| Gesamt | 22 | |
| Baugewerbe | 5 | 22,7 % |
| Groß- und Einzelhandel, Verkehr, Beherbergung und Gastronomie | 5 | 22,7 % |
| Information und Kommunikation | 1 | 4,5 % |
| Immobilien | 3 | 13,6 % |
| Fachbezogene, wissenschaftliche und technische Tätigkeiten sowie administrative und unterstützende Dienstleistungstätigkeiten | 4 | 18,2 % |
| Öffentliche Verwaltung, Bildung, menschliche Gesundheit und soziales Handeln | 2 | 9,1 % |
| Andere Dienstleistungen | 2 | 9,1 % |
Landwirtschaft
Im Jahr 2020 lag die technisch-ökonomische Ausrichtung der Landwirtschaft der Gemeinde mit dem Fokus auf Polykulturen und/oder Mischbetriebe in der Tierhaltung.[15] Die Zahl der aktiven landwirtschaftlichen Betriebe in der Gemeinde stieg von 2 bei der Landwirtschaftszählung von 1988 auf 4 im Jahr 2000, sank auf 2 im Jahr 2010 und im Jahr 2020. Die landwirtschaftlich genutzte Fläche vergrößerte sich von 53 Hektar im Jahre 1988 auf 134 Hektar im Jahre 2020. Die genutzte Fläche pro Betrieb stieg signifikant von 26,5 Hektar auf 66,9 Hektar.[16][17][18]
Verkehr
Die Departementsstraße D 6 bildet die Hauptverkehrsstraße der Gemeinde. Sie überquert die Isle und trifft in der Nachbargemeinde Antonne-et-Trigonant auf die Nationalstraße N 21. Im Süden stellt sie eine Verbindung zur Nachbargemeinde Bassillac et Auberoche her. Lokale Landstraßen verbinden das Zentrum mit dem Weilern der Gemeinde.
Literatur
- Chantal Tanet, Tristan Hordé: Dictionnaire des noms de lieux du Périgord. Éditions Fanlac, Périgueux 2000, ISBN 2-86577-215-2 (französisch).
