Eugen Adolff

deutscher Unternehmer From Wikipedia, the free encyclopedia

Carl August Eugen Adolff (* 1. Juni 1842 in Backnang; † 16. Juni 1925 in Arco, Italien) war ein deutscher Unternehmer und Eigentümer des Unternehmens J.F. Adolff. Weiterhin war Adolff auch Kommunalpolitiker sowie Stifter gemeinnütziger Einrichtungen. Unter seiner Führung entwickelte sich J. F. Adolff bis zum Ersten Weltkrieg zu einem der größten Textilunternehmen Deutschlands.[1] Adolff galt als Industriepionier.[2]

Leben

Eugen Adolff war das älteste von neun Kindern des Unternehmensgründers Johann Friedrich Adolff und seiner Frau Luise, geborene Belz. Die alteingesessene Backnanger Familie war schon lange in der Textilbranche tätig. Johann Friedrich konnte mit finanzieller Unterstützung seines Vaters Immanuel Adolff 1832 Mitgesellschafter einer kleinen mechanische Wollspinnerei werden, die sich in einer ehemaligen Wassermühle an der Weißach befand. Als Achtzehnjähriger trat Eugen 1860 in das väterliche Unternehmen ein. Am 1. Dezember 1869 verkaufte Johann Friedrich Adolff die Hälfte des Unternehmens an seinen Sohn.[3] Durch eine geschickte Politik gelang es Eugen Adolff, weitere Grundstücke zu erwerben und die Spinnerei erheblich zu erweitern. Es wurden Dampfmaschinen erworben und weitere Fabrikhallen errichtet. Dabei kamen der Firma die Reichsgründung und die neue Reichsverfassung von 1871 zugute, die Deutschland erstmals zu einem einheitlichen Zoll- und Handelsgebiet machten. Da es schon bald an Arbeitnehmern mangelte, warb Adolff erfolgreich Arbeitskräfte aus anderen Teilen Deutschlands an. 1884 übergab Johann Friedrich Adolff seine restlichen Unternehmensanteile an seinen Sohn und ging in den Ruhestand.[4] 1899 war Eugen Adolff mit 37.875 Mark der größte Gewerbesteuerzahler in der Stadt.[2] Ab 1907 entstand auf Steinbacher Gemarkung das Werk II nach Plänen von Philipp Jakob Manz.[4] Zu Beginn des 20. Jahrhunderts ließ der sozial engagierte Eugen Adolff Mehrfamilienhäuser für seine Angestellten errichten. 1907 wurde neben der Fabrik ein Frauenwohnheim eingeweiht. Das Haus erhielt den Namen Marienheim (nach Maria Adolff) und diente als Wohnheim für alleinstehende junge Arbeiterinnen aus Sachsen.[5] 1910 wurde das Werk II fertiggestellt. 1912 ließ Adolff auf eigene Kosten die Fabrik um einen eigenen Eisenbahnhaltepunkt (Backnang-Spinnerei) erweitern. Als Kommunalpolitiker gehörte Adolff dem Backnanger Bürgerausschuss an.[6]

Gegen Ende der 1910er Jahre musste sich Adolff aus gesundheitlichen Gründen schrittweise aus der Geschäftsführung zurückziehen und siedelte nach dem damals österreichischen Arco am Gardasee um, wo er sich von seinen Söhnen über alle Unternehmensvorgänge auf dem Laufenden halten ließ. Während des Ersten Weltkriegs geriet die Spinnerei in eine schwere Krise und der Betrieb kam fast zum Erliegen, da viele Arbeiter zum Wehrdienst eingezogen wurden. Wegen der britischen Seeblockade konnte auch kaum noch Baumwolle eingeführt werden. Zu Beginn der 1920er Jahre unterstützte Eugen Adolff zusammen mit Robert Kaess noch die Errichtung einer neuen Aussegnungshalle in Backnang.[7] Er starb in der Nacht vom 16. auf den 17. Juni 1925 in dem nunmehr zu Italien gehörenden Arco und wurde auf dem Backnanger Stadtfriedhof beigesetzt.

Familie

Eugen Adolff heiratete am 3. Oktober 1865 Maria Kauffmann (1845–1914). Aus der Ehe gingen drei Söhne hervor:

  • Eugen Adolff junior (* 1871; † 1923)
  • Wilhelm Adolff (* 1876; † 1924)
  • Emil Adolff (* 1879; † 1935, war Textilunternehmer in Reutlingen).

Ehrungen

  • 1911: Ehrenbürgerwürde der Stadt Backnang[6]
  • 1929: Benennung der Eugen-Adolff-Straße in Backnang (zuvor Steinbacher Straße)[1]
  • Benennung des Sportplatzes Eugen-Adolff-Straße in Backnang[8]

Literatur

  • Christian Brücker: Eugen Adolff (1842–1925). In: Horst Lässing (Hrsg.): Der Rems-Murr-Kreis. Verlag Konrad Theiss, Aalen 1980, ISBN 3-8062-0243-5, S. 183–184.

Einzelnachweise

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