European Payments Initiative

Zusammenschluss europäischer Zahlungsdienstleister und Banken aus sieben Ländern From Wikipedia, the free encyclopedia

Die European Payments Initiative (EPI, deutsch: Europäische Zahlungsinitiative) ist ein Zusammenschluss europäischer Zahlungsdienstleister und Banken aus sieben Ländern mit Sitz in Brüssel.

Ziel ist die Errichtung einheitlicher europäischer Zahlungsverfahren für Kunden und Händler, die mit eigener Infrastruktur im unmittelbaren Wettbewerb zu den großen US-amerikanischen Unternehmen VISA und Mastercard treten sollen.

Die Initiative ist eng mit dem Projekt „Digitale Kreditwirtschaft“ der Deutschen Kreditwirtschaft verknüpft.[1] Die EPI wird von der Europäischen Zentralbank[2] und der Europäischen Kommission[3] unterstützt.

Funktionalitäten und Leistungen

Die EPI Company SE plant die Einführung eines Zahlungsschemas und eines Zahlungsnetzwerks. Damit wird perspektivisch eine Transaktion in einem Geschäft ab dem Bankkonto des Zahlenden bis zum Bankkonto des Händlers abgedeckt, einschließlich EPI-eigener Bezahl-Infrastruktur.

Logo des europäischen Zahlungsdienstes Wero

Auch soll ein Bezahlvorgang via einer digitalen EPI-Wallet und als Instant Payment (SCT-Inst SEPA) vorgenommen werden können. Möglich sollen P2P-, E-Commerce und M-Commerce-Transaktionen sowie Geldabhebungen sein. Dieser europäische Zahlungsdienst heißt Wero und startete am 2. Juli 2024.[4]

Eine Mobile App soll dem Verbraucher unkompliziert und per Knopfdruck Instant Financing seiner Hausbank ermöglichen, etwa über einen sofort verfügbaren Verbraucherkredit oder eine pay-later-Funktionalität. Auch wird geplant, dass das zur Zahlung verfügbare Guthaben in der App einsehbar ist.

Geplante Verfügbarkeit

Die CEO der EPI Company SE, Martina Weimert, rechnet mit Investitionen im mehrstelligen Milliardenbereich bis zur vollständigen Einführung aller EPI-Funktionalitäten. Diese seien ab Mitte 2024 nutzbar, etwa durch herunterladbare Apps und unterstützt durch Marketingkampagnen. Zug um Zug sollen dann weitere Funktionalitäten verfügbar gemacht werden, bis ihrer Voraussage nach EPI als Zahlungsmittel 2025–2028 im Markt angekommen sei.

Geschichte

Über die Jahre hinweg hatte es immer wieder Versuche gegeben, in Europa grenzüberschreitende Zahlungsnetzwerke zu etablieren. Dazu zählten EUFISERV (1988–2019), Monnet (2007–2012), EAPS (2007–2013) und PayFair (2007–2019).[5]

Im Juli 2020 wurde das Projekt EPI von 16 Banken aus fünf Ländern gestartet. Ursprünglich hatte das Projekt mehrere Ziele: eine auf SCT-Inst SEPA aufbauende Zahlungslösung, eine Bezahlkarte, ein digitales Wallet und P2P-Transaktionen.[6] Die Gründungsmitglieder waren Commerzbank, Deutsche Bank, DZ Bank, Sparkassen-Finanzgruppe aus Deutschland, BNP Paribas, BPCE, Crédit Agricole, Crédit Mutuel, La Banque Postale, Société Générale aus Frankreich, BBVA, Caixabank, Banco Santander aus Spanien, ING aus den Niederlanden, KBC aus Belgien, und Unicredit aus Italien.[6] Im November 2020 wurde Martina Weimert als Geschäftsführerin bekanntgegeben. Zudem gab man bekannt, dass die Zahlungsdienstleister Worldline und Nexi+Nets Aktionäre sowie Teil der Initiative geworden waren. Kommuniziert wurde, mit dem Bezahlverfahren 2022 an den Start zu gehen.[7] Im Dezember 2020 wurden die PKO Bank Polski (Polen), die OP Financial Group (Finnland) und ein Bankenkonsortium aus zwölf kleineren spanischen Kreditinstituten (u. a. Liberbank) weitere Gründungsmitglieder und Aktionäre an der EPI.[8][9]

Kurz vor Weihnachten 2021 stellten sich laut dem Handelsblatt jedoch nur noch zehn Bankinstitute hinter das Projekt. Die Mehrheit der ursprünglich beteiligten Banken, darunter die Unicredit, sämtliche spanischen Aktionäre und die deutschen Genossenschaftsbanken, zogen sich aus dem Projekt zurück – u. a., da ihnen die Investitionskosten zu hoch erschienen.[10] Bancomat, Bizum und Sibs gründeten daraufhin die European Payments Alliance (EuroPA).

Ende Februar 2022 gab Weimert dem Handelsblatt gegenüber an, dass die verbliebenen Mitglieder in der EPI weiterarbeiten würden.[11] In der abgespeckten Version wurde der Plan zur gemeinsamen Bezahlkarte aufgegeben.[12] Diese Änderung des Konzepts führte zur Rückkehr der abgesprungenen DZ Bank ins Projekt.[13] Im Dezember 2022 teilten die genossenschaftlichen Institute mit, sich bei EPI wieder zu beteiligen.[14] Die Geldinstitute Belfius aus Belgien, ABN Amro und Rabobank aus den Niederlanden wurden ebenfalls Aktionäre der EPI.[15]

Im April 2023 gab EPI bekannt, den luxemburgischen Zahlungsdienstleister Payconiq (PQI) zu erwerben. Mit der im Oktober 2023 abgeschlossenen Übernahme von Payconiq erlangte man die Kontrolle über die in den Benelux-Staaten bereits etablierten Bezahlsysteme iDEAL und Payconiq.[15][16] Im September 2023 wurde Wero als Name für das Wallet bekanntgegeben.[17] Mit der Wero-App wurde Ende 2023 ein Betrag von 10 € von einer deutschen Sparkasse zu der französischen Banque Populaire überwiesen, wobei es sich offiziell um die erste Echtzeitüberweisung mit Wero handelte.[18][19]

Im Juni 2025 gaben die EPI und die EuroPA bekannt, eine Interopabilität zwischen ihren Zahlungslösungen anzustreben. Dadurch solle sichergestellt werden, dass Menschen in 15 europäischen Ländern ihre lokale Zahlungslösung auch europaweit nutzen können. Das Vernetzen existierender Lösungen stelle einen raschen Pfad zu europäischer Souveränität dar.[20] Die Vernetzung solle über ein zentrales technisches Hub erfolgen und sowohl P2P- als auch Commerce-Transaktionen unterstützen.[21] Im Februar 2026 unterzeichneten die EPI und die EuroPA eine Absichtserklärung zur Umsetzung des Planes.[22]

Mitglieder

Die EPI teilt ihre Mitgliedschaften in jene für Geldinstitute, die Lösungen der EPI für ihre Privatkunden unterstützen wollen; und jene für Geldinstitute, die Händlern in ihrem Netzwerk das Akzeptieren von Zahlungen über EPI-Lösungen ermöglichen wollen. Die Mitgliedschaft sagt nichts darüber aus, ob Lösungen wie Wero bereits unterstützt werden.

Mitglieder der European Payments Initiative (Stand: 10. Februar 2026)

(Quelle: [23])

  • ABN Amro (Niederlande) für Privatkunden und Händler, Mitglied seit 2023
  • Argenta (Belgien) für Privatkunden
  • Airwallex für Händler
  • Axepta BNP Paribas für Händler
  • Bancontact Payconiq Company für Händler
  • Bank van Breda (Belgien) für Privatkunden
  • Banque Populaire für Händler
  • Banque Raiffeisen Luxembourg (Luxemburg) für Privatkunden
  • BCEE Spuerkeess (Luxemburg) für Privatkunden
  • Belfius (Belgien) für Privatkunden, Mitglied seit 2023
  • BFCM: Crédit Mutuel, CIC, Monabanq, Beobank, Banque de Luxembourg (Belgien, Frankreich, Luxemburg) für Privatkunden, Mitglied seit 2020
  • BNP Paribas: BNP Paribas, BNP Paribas Fortis, BGL BNP Paribas, Nickel (Belgien, Frankreich, Luxemburg) für Privatkunden, Mitglied seit 2020
  • BPCE: Banque Populaire, Caisse d'Epargne, Banque Palatine, BRED, Banque BCP, Banque de Savoie, Crédit Coopératif, Crédit Maritime (Frankreich) für Privatkunden
  • Buckaroo für Händler
  • bung für Privatkunden
  • Caisse d'Epargne für Händler
  • CIC für Händler
  • Crédit Agricole und LCL (Frankreich) für Privatkunden und Händler, Mitglied seit 2020
  • Crédit Mutuel Arkea: Crédit Mutuel, Fortuneo, Keytrade Bank (Belgien, Frankreich) für Privatkunden und Händler, Mitglied seit 2020
  • Crelan (Belgien) für Privatkunden
  • Deutsche Bank und Postbank (Deutschland) für Privatkunden und Händler, Mitglied seit 2020
  • Noris Bank (Deutschland) für Privatkunden
  • DSGV (Deutschland) für Privatkunden
  • DZ Bank: Volksbanken, Raiffeisenbanken, BB Bank, Sparda Banken, PSD Banken, Edekabank, Ethik Bank (Deutschland) für Privatkunden, Mitglied wieder seit 2022
  • ING Belgien, Deutschland, Niederlande für Privatkunden und Händler, Mitglied seit 2020
  • KBC und CBC (Belgien) für Privatkunden, Mitglied seit 2020
  • BAWAG Niederlande: KNAB (Belgien) für Privatkunden
  • La Banque Postale (Frankreich) für Privatkunden und Händler, Mitglied seit 2020
  • Lyra für Händler
  • Mollie für Privatkunden und Händler
  • Nexi für Händler
  • Nuvei für Händler
  • Pay. für Händler
  • Payabl für Händler
  • Payone für Händler
  • POST Finance Luxembourg (Luxemburg) für Privatkunden
  • PPRO für Händler
  • Rabobank (Niederlande) für Privatkunden und Händler, Mitglied seit 2023
  • Raiffeisen Bank International für Händler
  • Revolut für Privatkunden
  • Société Générale (Frankreich) für Privatkunden und Händler, Mitglied seit 2020
  • Unzer für Händler
  • vdk Bank (Belgien) für Privatkunden
  • VR Payment für Händler
  • Worldline für Händler

EPI Company SE

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Die Einführung der Zahlungslösungen wird von der EPI Company SE (EPI) durchgeführt. Das Unternehmen wurde am 1. Dezember 2020 eingetragen und hat seinen Sitz in Belgien.[24] CEO ist Martina Weimert. Aufsichtsratsvorsitzender ist Dr. Joachim Schmalzl.[25]

Die EPI Company hat 22 Aktionäre. Unter ihnen sind Banken und Zahlungsdienstleister. Das ist eine Lehre aus dem nicht erfolgreich verlaufenen Projekt Monnet, einem früheren Versuch zur Errichtung einer europäischen Zahlungslösung, in der das nicht der Fall war.

Seit dem 20. Februar 2024 hält die EPI Company eine von der belgischen Nationalbank erteilte Lizenz als Account Information Service Provider (AISP) und als Zahlungsauslösedienstleister (PISP).[26]

Einzelnachweise

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