Euward
europäische Kunstpreis
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Der EUWARD ist der alle zwei bis vier Jahre verliehene europäische Kunstpreis für Malerei und Graphik von Künstlern mit geistiger Behinderung und ist in diesem Bereich die international wichtigste Auszeichnung.
Geschichte
Der Euward-Preis wurde 1999 von Klaus Mecherlein initiiert und durch die Augustinum-Stiftung erstmals im Jahre 2000 verliehen. Mit dem Preis verbunden ist eine Ausstellung im Haus der Kunst in München, ein Katalog mit den Werken der Kunstschaffenden und ein Preisgeld im Gesamtwert von etwa 25.000 Euro.[1] Im Haus der Kunst in München wird den drei Preisträgern anlässlich der Ausstellungseröffnung die Auszeichnung überreicht. Nur 2014[2] und 2018 fanden die Verleihung und die Ausstellung im Buchheim-Museum im oberbayerischen Bernried statt.[3]
Eine international besetzte Jury von bekannten Fachleuten wählt aus den europaweiten Einsendungen die besten Arbeiten, die anschließend in einer Ausstellung vorgestellt werden.[4] Mitglieder der Jurys waren oder sind unter anderem:
- Ivana Basicevic Antic, Direktorin des Museum of Naive and Marginal Art, Jagodina
- Christian Berst, Galerist, Paris
- Roger Cardinal, Kunsthistoriker
- Marlene Dumas
- Carine Fol, Kuratorin und Autorin, Brüssel
- Leiko Ikemura
- Monika Jagfeld, Direktorin des open art museum, St. Gallen
- Graciela García Muñoz, Madrid
- Arnulf Rainer[5]
- Colin Rhodes
- Thomas Röske
- Daniel J. Schreiber[6]
- Carla Schulz-Hoffmann
- Edgar Selge[7]
- Ulrich Wilmes, ehemaliger Hauptkurator am Haus der Kunst[8][9]
Beim Wettbewerb 2014 gab es insgesamt 320 Einreichungen. Die Jury-Mitglieder kamen aus England, Österreich, Frankreich und Deutschland. Rund 180 Werke der Preisträger und der Nominierten wurden bis zum 1. März 2015 im Buchheim-Museum ausgestellt.[10] Für den Euward 7 im Jahr 2018 bewarben sich 250 Künstler aus 15 europäischen Ländern.[11] Für den zum 9. Mal vergebenen Preis 2024 bewarben sich über 240 Kunstschaffende aus 25 Ländern. In der Ausstellung vertreten waren neben den Preisträgern Werke von 16 weiteren Künstlern.[12]

In den Jahren 2020/2021 stellte das Haus der Kunst in seiner Reihe Archives in Residence das Archiv des Euward aus. Gezeigt wurden unter anderem Bewerbungsunterlagen, Schriftstücke, Werkfotografien, Filmmaterial, Presseartikel sowie eine für die Ausstellung konzipierte Videoprojektion, die auf dem Bildarchiv des euward basiert und eine wesentliche Auswahl der nominierten Arbeiten aus den Jahren 2000 bis 2018 zeigt.[13]
Der Euward wurde anlässlich seiner achten Verleihung mit dem Deutschen Kulturförderpreis des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft 2022/2023 ausgezeichnet.[14][15]
Hintergrund
Mit dem Kunstpreis EUWARD vergibt die Augustinum-Stiftung einen Förderpreis für eine „heimliche“ Kunst: Die Arbeit von Künstlern, deren geistige Behinderung ein biografisches Moment ihres Schaffens darstellt, stellt eine Randerscheinung in der europäischen Kultur dar. Sie soll durch den EUWARD in ihrer künstlerischen Qualität gewürdigt werden.[1] Durch die europaweite Beteiligung bietet er einen repräsentativen Überblick über diese aktuelle künstlerische „Szene“. Herausragende Arbeiten von Künstlern mit geistiger Behinderung können medienwirksam gefördert und gewürdigt werden und somit nachhaltig das öffentliche Bewusstsein für die kulturellen Leistungen Behinderter entwickelt werden.[16] Mit dem Anspruch, der Kunst von Außenseitern ein professionelles Forum zu bieten, hat sich die Veranstaltung bereits von Beginn an in der Kulturlandschaft etabliert.[17][18]
Preisträger und Preisträgerinnen
| Jahr | Ort | 1. Platz | 2. Platz | 3. Platz | Sonderpreise |
|---|---|---|---|---|---|
| 9. euward: 2024 | Haus der Kunst, München | Samaneh Atef (Iran/Frankreich) | Belén Sánchez (Spanien) | Desmond Tjonakoy (Niederlande)[12][19][20] | Publikumspreis: Jakob Ujvari (Ungarn/Deutschland)[21] |
| 8. euward: 2021 | Haus der Kunst, München | Andreas Maus (Deutschland) | Felix Brenner (Schweiz) | Kar Hang Mui (Niederlande)[22] | |
| 7. euward: 2018 | Buchheim-Museum, Bernried | Michael Golz (Deutschland) | Ota Prouza (Tschechische Republik) | Clemens Wild (Schweiz)[23] | Publikumspreis und Sonderpreis der Jury: Tim ter Wal (Niederlande)[23] |
| 6. euward: 2014 | Buchheim-Museum, Bernried | Giulia Zini (Italien) | Dimitri Pietquin (Belgien) | Patrick Siegl (Deutschland)[24] | Anerkennungspreis der Jury: Livia Dencher (Niederlande)[25] |
| 5. euward: 2010 | Haus der Kunst, München | Peter Kapeller (Deutschland) | Sigrid Reingruber (Österreich) | Annemarie Delleg (Italien)[26] | |
| 4. euward: 2007 | Haus der Kunst, München | Mario Jambresic (Deutschland) | Edmund Krengel (Deutschland) | Ylonka Elisabeth Jaspers (Niederlande)[27] | |
| 3. euward: 2004 | Haus der Kunst, München | Josef Hofer (Österreich) | Robert Burda (Deutschland) | Florival Candeias (Portugal)[28] | |
| 2. euward: 2002 | Haus der Kunst, München | Uschi Pomp (Deutschland) | Heliodor Doblinger (Österreich) | Cécile Franceus (Belgien)[29] | |
| 1. euward: 2000 | Galerie der Künstler, München | Alida Schaap (Niederlande) | Edmund Krengel (Deutschland) | Adolf Beutler (Deutschland)[30] |
Literatur
- Der euward in München. Europäischer Kunstpreis Malerei und Grafik von KünstlerInnen mit geistiger Behinderung. In: Viola Luz: Wenn Kunst behindert wird: Zur Rezeption von Werken geistig behinderter Künstlerinnen und Künstler in der Bundesrepublik Deutschland. Bielefeld 2012, ISBN 978-3-8394-2011-9, S. 203–223