Evolution (Software)
E-Mail- und Groupwareprogramm
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Evolution (früher auch Ximian Evolution bzw. Novell Evolution) ist ein Personal Information Manager und Bestandteil des Gnome-Desktops. Es dient der Organisation und Verwaltung von E-Mails, Kontakten, Terminen, Aufgaben und Notizen; in seiner Funktionalität ähnelt es Microsoft Outlook. Evolution ist Freie Software.
| Evolution | |
|---|---|
Evolutions E-Mail-Client | |
| Basisdaten | |
| Hauptentwickler | Milan Crha, Fabiano Fidêncio[1] |
| Entwickler | Das Gnome-Projekt |
| Erscheinungsjahr | 2000[2] |
| Aktuelle Version | 3.58.2[3] (21. November 2025) |
| Aktuelle Vorabversion | 3.27.90[4] (5. Februar 2018) |
| Betriebssystem | GNU |
| Programmiersprache | C[5][6] |
| Kategorie | Personal Information Manager |
| Lizenz | GNU LGPLv2 u. a.[7] |
| deutschsprachig | ja |
Funktionen
Für das Abrufen und Senden von E-Mails unterstützt Evolution die Protokolle POP, IMAP sowie SMTP, für die sichere Datenübertragung TLS bzw. STARTTLS. Zum Ver- und Entschlüsseln von E-Mails sowie zum Erzeugen und Prüfen elektronischer Signaturen bietet es die Möglichkeit der Nutzung der Standards OpenPGP und S/MIME, zur automatischen Spam-Filterung stehen SpamAssassin und Bogofilter zur Verfügung. E-Mail-Filter und Suchordner (die wie normale E-Mail-Ordner aussehen, sich wie Suchanfragen verhalten und wie E-Mail-Filter erstellt werden) erleichtern das Sortieren und Organisieren der Nachrichten.
Durch die Unterstützung des NNTP-Protokolls ist Evolution als Newsreader einsetzbar; mit der Installation des Plug-ins Evolution RSS erhält es die Funktionalität eines Feedreaders.
Die Kontaktdaten-Verwaltung unterstützt das LDAP- und das CardDAV-Protokoll sowie Google Kontakte, der Kalender das iCalendar-Dateiformat, das CalDAV-Protokoll und Google Kalender zur Nutzung von Adressbüchern, Kalendern, Aufgabenlisten und Notizbüchern in lokalen Netzwerken sowie im Internet. Das von vielen GNU/Linux-Distributionen bereitgestellte Programm SyncEvolution erweitert Evolution um die Unterstützung des SyncML-Standards sowie des ActiveSync-Protokolls. Evolution-Adressbücher können in LibreOffice als Datenquelle genutzt werden.
Für die Verbindung mit Microsoft Exchange Servern existiert ein aktiv betreutes Plug-in, Evolution EWS.[8]
Geschichte
Evolution wurde ursprünglich von der 1999 von Miguel de Icaza (einem der beiden Gründer des Gnome-Projektes)[9] und Nat Friedman gegründeten Firma International GNOME Support entwickelt, die wenig später in Helix Code und im Januar 2001 schließlich in Ximian umbenannt wurde.[10][11][12] Die erste Veröffentlichung erfolgte im Mai 2000.[2]
Seit der Integration von Version 2.0 in Gnome 2.8 im September 2004 ist Evolution offizieller Bestandteil von Gnome.[13][14]
Interoperabilität mit Microsoft Exchange
Im Dezember 2001 – gemeinsam mit der Freigabe von Evolution 1.0 – kündigte Ximian aus wirtschaftlichen Gründen[15] die Veröffentlichung des Ximian Connector, mit dem volle Interoperabilität von Evolution mit Microsoft Exchange 2000 erreicht werden sollte, als proprietäres Plug-in an;[16] es erschien im März 2002.[17] Nach der Übernahme Ximians durch Novell im August 2003[18] wurde der Quellcode des Ximian Connector im Mai 2004 unter der GNU General Public License veröffentlicht.[19] Das Plug-in, das Outlook Web Access für die Verbindung zum Server nutzte[20] und bereits seit Oktober 2003 auch Microsoft Exchange 2003 unterstütze,[21] wurde im April 2005 in Evolution Exchange umbenannt und bis ins Jahr 2012 aktiv entwickelt.[22]
Anfang 2007 wurde im Rahmen des OpenChange-Projektes mit der Entwicklung eines alternativen Plug-ins begonnen, das anstelle von Outlook Web Access das Messaging Application Programming Interface – die zentrale Schnittstelle des Microsoft Exchange Servers – nutzen sollte.[23] Das Evolution MAPI genannte Plug-in wurde mit Version 2.26 in Evolution integriert und ermöglichte die Verbindung auch mit Microsoft Exchange 2007 Servern.[2] Spätestens seit Anfang 2014 gilt Evolution MAPI als veraltet;[24] seine Verwendung wird nur noch für den Einsatz mit älteren Versionen als Microsoft Exchange 2007 empfohlen.[25]
Im April 2011 wurde die erste Entwicklerversion des dritten – und heute relevantesten – Evolution Plug-ins für die Verbindung mit Microsoft Exchange Servern, Evolution EWS, veröffentlicht.[26] Das ab Version 3.4 in Evolution integrierte Plug-in nutzt die auf dem Netzwerkprotokoll SOAP basierenden Exchange Web Services und unterstützt Microsoft Exchange 2007 und neuer.[27]
Unterstützung anderer Groupware-Server
Bereits ab Version 2.0 unterstützte Evolution nativ GroupWise[19] – im Mai 2004 wurde der Quellcode in ein eigenes Plug-in, Evolution GroupWise, ausgelagert.[28] Aufgrund mangelnder Ressourcen wird das Plug-in seit Evolution 3.4 nicht mehr aktiv entwickelt.[29] Das im Februar 2006 veröffentlichte[30] Plug-in Scalix Connect for Evolution für die Verbindung mit Scalix-Servern wird bereits seit 2008 nicht mehr weiterentwickelt.[31] Im Jahr 2010 wurde mit der Entwicklung von Evolution Kolab, einem Plug-in für die Unterstützung der Kolab Groupware, begonnen;[32] die offizielle Veröffentlichung erfolgte mit Evolution 3.4.[33] Ebenfalls aufgrund mangelnder Ressourcen[34] wird es seit der Veröffentlichung der Version 3.8 nicht mehr aktiv entwickelt.[35]
Portierungen auf Microsoft Windows und Mac OS X
Bereits im September 2004 stellte eine Apple-Beraterfirma ein macOS-Installationsprogramm für Evolution 1.4 auf SourceForge zum Download zur Verfügung,[36] im August 2008 veröffentlichte Novell die zweite und bisher letzte Evolution-Portierung (der Version 2.6) auf Mac OS X.[37]
Im Januar 2005 gab Nat Friedman bekannt, dass Novell-Mitarbeiter Tor Lillqvist, der bereits das Bildbearbeitungsprogramm GIMP auf Windows portiert hatte, beauftragt wurde, dies auch mit Evolution zu bewerkstelligen.[38] Die Portierung floss in den regulären Quelltext ein.[39] Auf der alten Website des Evolution-Projektes fanden sich neben einer Dokumentation des Erstellungsprozesses von Evolution für Microsoft Windows auch Installationspakete (bis zu Version 2.22) zum Download.[40] Von 2006 bis 2010 veröffentlichte die Firma DIP Consultants auf SourceForge Windows-Installationspakete bis zu Version 2.28,[41][42] im Jahr 2010 unternahm openSUSE den bisher letzten Versuch, ein Windows-Installationsprogramm anzubieten.[43] Die Windows-Portierung wird seit Jahren nicht mehr aktiv betreut.[44]
Versionsgeschichte
Evolution folgte dem Versionsschema von Gnome mit einer Haupt-, einer Neben- und einer Revisionsnummer. Stabile Versionen haben gerade Nebenversionsnummern, Entwicklerversionen ungerade (die Tabelle unten enthält nur stabile Versionen). Jedes halbe Jahr – im März und im September – wird eine neue stabile Version veröffentlicht; dazwischen wird an der Entwicklerversion gearbeitet, in den Entwicklungszweig der stabilen Version fließen Fehlerbehebungen ein.[45] Am 18. Januar 2016 erschien also z. B. sowohl die Entwicklerversion 3.19.4[46] als auch die stabile Version 3.18.4 mit Fehlerbehebungen[47]. Nach der Veröffentlichung von Evolution 3.20 im März 2016 wurde unter Version 3.21.x weiter entwickelt, Fehlerbehebungen flossen in den stabilen Entwicklungszweig 3.20.x ein.
| Version | Veröffentlichung | Anmerkungen | ||||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 0.0[2] | 10. Mai 2000 | Veröffentlichung einer ersten Entwicklerversion unter dem Codenamen Prokaryote | ||||
| 1.0[16] | 3. Dez. 2001 | Offizielle Erstveröffentlichung durch die Firma Ximian | ||||
| 1.2[48] | 11. Nov. 2002 | |||||
| 1.4[49] | 2. Juni 2003 | |||||
| 2.0[50] | 20. Sep. 2004 | Erste Veröffentlichung nach der Integration in Gnome (gemeinsam mit Gnome 2.8); beginnend mit dieser Version folgt Evolution dem sechsmonatigen Entwicklungszyklus von Gnome; Unterstützung des NNTP-Protokolls (und damit von Usenet-Newsgroups) sowie der Groupware-Software GroupWise[19] | ||||
| 2.2[51] | 23. März 2005 | |||||
| 2.4[52] | 5. Sep. 2005 | OpenPGP-Unterstützung zum Ver- und Entschlüsseln von E-Mails sowie zum Erzeugen und Prüfen elektronischer Signaturen | ||||
| 2.6[53] | 15. März 2006 | Unterstützung des Netzwerkprotokolls CalDAV | ||||
| 2.8[54] | 6. Sep. 2006 | |||||
| 2.10[55] | 12. März 2007 | |||||
| 2.12[56] | 17. Sep. 2007 | |||||
| 2.22[57] | 12. März 2008 | Versionssprung aufgrund der Synchronisation der Versions-Nummerierung mit jener von Gnome; Unterstützung von Google Kalender | ||||
| 2.24[58] | 22. Sep. 2008 | |||||
| 2.26[59] | 18. März 2009 | Unterstützung von MAPI, der zentralen Schnittstelle des Microsoft Exchange Servers; Import von PST-Dateien | ||||
| 2.28[60] | 21. Sep. 2009 | |||||
| 2.30[61] | 31. März 2010 | Vollständige Entfernung Bonobos zugunsten von D-Bus[62] | ||||
| 2.32[63] | 29. Sep. 2010 | |||||
| 3.0[46] | 4. Apr. 2011 | |||||
| 3.2[46] | 26. Sep. 2011 | |||||
| 3.4[46] | 26. März 2012 | Unterstützung der Kolab Groupware; Einsatz von WebKit statt bisher GtkHTML zum Rendern von HTML-Mails[33] | ||||
| 3.6[46] | 24. Sep. 2012 | |||||
| 3.8[64] | 27. März 2013 | |||||
| 3.10[46] | 23. Sep. 2013 | |||||
| 3.12[46] | 24. März 2014 | |||||
| 3.14[65] | 24. Sep. 2014 | |||||
| 3.16[46] | 23. März 2015 | |||||
| 3.18[46] | 21. Sep. 2015 | |||||
| 3.20[46] | 21. März 2016 | |||||
| 3.22[46] | 19. Sep. 2016 | |||||
| 3.24[46] | 20. März 2017 | |||||
| 3.26[66] | 13. Sep. 2017 | |||||
| 3.28[67] | 14. März 2018 | |||||
| 3.30[68] | 5. Sep. 2018 | |||||
| 3.32[69] | 13. März 2019 | |||||
| 3.34[70] | 12. Sep. 2019 | |||||
| 3.36[71] | 11. März 2020 | |||||
| 3.50[72] | 20. Okt. 2023 | |||||
| 3.57.1[73] | 27. Juli 2025 | |||||
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